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Ärztemangel - Bürgermeister bittet zum Krisengipfel

Bürgermeister bittet zum Krisengipfel

Ärztemangel: „Wir steuern auf einen echten Notstand zu“

Der Ärztemangel hat das Rhein-Main-Gebiet längst erreicht und führt zunehmend zur Unterversorgung im Ballungsgebiet. Egelsbach ist da keine Ausnahme und die Perspektive ist geradezu prekär.

Egelsbach – Nachdem Dr. Henriett Noack ihre Hausarztpraxis im Mai aufgegeben hat – laut Kollegen hatte sie rund 1500 Patienten –, hat sich die Situation bereits verschärft. In den nächsten Jahren werden zwei der drei noch verbliebenen Praxen schließen.

„Spätestens dann wird der Notstand in der medizinischen Versorgung akut“, weiß auch Bürgermeister Tobias Wilbrand. Daher hat der Rathaus-Chef sich nun schon mit örtlichen Gesundheitsfachleuten in einer Art Krisengipfel zusammengesetzt, um über Lösungen zu diskutieren. „Die Gemeinde wächst, aktuell liegen wir bei 11.800 Einwohnern und heute schon ist die Situation angespannt“, kommentiert Wilbrand. „Aber in den nächsten zwei bis drei Jahren steuern wir hier auf einen echten Notstand zu.“

Ärztemangel überregional und im Prinzip deutschlandweit ein Problem

Das Erarbeiten von Lösungen sei freilich leichter gesagt als getan – nicht zuletzt, weil der Ärztemangel überregional und im Prinzip deutschlandweit ein Problem darstelle. „Die Ursache ist zum großen Teil politisch bedingt“, beklagt Dr. Horst Rolfes, Hausarzt in Egelsbach. „Solange Politiker der Spitzenparteien wie Spahn und Lauterbach die Ärzteschaft als dumm und faul darstellen und berufspolitisch versäumt wurde, die ,sprechende Medizin’ der Hausärzte im Berufsbild aufzuwerten, sind junge Kollegen nicht mehr bereit, das Risiko einer Selbstständigkeit unter den heutigen Arbeits- und Rechtsbedingungen auf sich zu nehmen.“

Mediziner Rolfes fügt daher hinzu: „Wir sind gerne bereit, Kollegen mit Interesse an der Hausarztmedizin in der Weiterbildung zu unterstützen oder die Möglichkeit zur Anstellung in Teil- oder Vollzeit zu bieten.“ Neben dem Mangel an Hausärzten kämen Herausforderungen bei der Suche nach geeigneten Praxisräumen und wenig flexible Rahmenbedingungen der Kassenärztlichen Vereinigung erschwerend hinzu.

Wie kann man Egelsbach für Hausärzte attraktiver machen?

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Beteiligten darüber, wie man Egelsbach für Hausärzte attraktiver machen könnte, welche Optionen für neue Praxisräume bestehen und wie man sich besser vernetzen kann. „Die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitspartnern in Egelsbach ist traditionell sehr gut. Jetzt kommt es darauf an, die Kräfte zu bündeln und daran zu arbeiten, dass im Sinne der Patienten die Gesundheitsversorgung langfristig gesichert bleibt,“ gibt sich Apotheker Pierre Theuerkauf optimistisch. Erste Ideen sollen nun auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft und gegebenenfalls angegangen werden.

„Ziel ist es, eine Verschlechterung der Versorgung zu verhindern und perspektivisch die aktuellen Vakanzen wieder neu zu besetzen. Dafür müssen wir einfach im Gespräch bleiben und verschiedene Dinge ausprobieren“, fasst Wilbrand zusammen. „Am Ende ist der Arztberuf ein freier und wir können niemanden zwingen.“ Die Ärzte versichern derweil: „Niemand, der Hilfe braucht, wird abgewiesen.“

VON HOLGER BORCHARD

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