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Die Triwo AG will den Flugplatz in Egelsbach voranbringen. 

Erreichen, was NetJets verwehrt blieb

Flugplatz Egelsbach: Das plant der neue Eigentümer 

Der größte allgemeine Verkehrslandeplatz der Bundesrepublik und die zugehörige Betriebsgesellschaft bekommen neue Hausherren – da will man in der Lokalpolitik möglichst rasch herausfinden, mit wem man es zu tun hat. 

Egelsbach - Die Triwo AG, ein Immobilienunternehmen in Familienhand mit Sitz in Trier, übernimmt den Mehrheitsanteil an der Hessischen Flugplatz GmbH Egelsbach (HFG) vom europäischen Ableger der US-Geschäftsfliegerei-Firma NetJets, der nach zehn defizitären Betriebsjahren den Abflug macht. Die jüngste Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses war von daher ein Kennenlernabend: Triwo-Vorstand Peter Adrian stellte sich und seine AG vor, um sodann die in reichem Maße vorhandenen Fragen der Egelsbacher Mandatsträger zu beantworten.

Wie zu erwarten, blättern die Ausschussmitglieder über alle Parteifarben hinweg einmal den kompletten Fragenkatalog zum Flugplatzbetrieb durch: Was hat die Triwo AG vor? Was wollen und können die Deutschen anders und besser machen als die Amis? Wollen sie mehr Flieger in Summe; am Ende größere und lautere Maschinen nach Egelsbach lotsen und womöglich sogar die Landebahn und die Betriebszeiten (aktuell 7 bis 21 Uhr) verlängern?

Flugplatz Egelsbach: Triwo AG übernimmt Mehrheitsanteil von NetJets 

Vieles, was der Triwo-Vorstand vorträgt, dürfen seine Gegenüber als beruhigend zur Kenntnis nehmen: Die Triwo AG habe kein Problem damit, den sogenannten Vertrag über die Entwicklung und den Ausbau des Flugplatzes Frankfurt-Egelsbach – abgeschlossen anno 2009 zwischen den HFG-Verkäufern und NetJets – einzuhalten, der wesentliche Betriebsbestimmungen im Sinne der Anrainerkommunen reglementiert.

Vielmehr habe man langfristiges Interesse, den Flugplatz voranzubringen und die Infrastruktur zu ertüchtigen, so Adrian. Weder strebe man die Verlängerung der Piste noch der Betriebszeiten an noch die Erhöhung des höchstzulässigen Abfluggewichts. Das liegt aktuell bei 14 Tonnen, NetJets hätte gern 25 gehabt. „14 Tonnen reichen für diesen Flugplatz absolut“, stellt Adrian fest. Abgesehen davon herrsche in der Triwo-Chefetage Konsens: „Deutlich mehr Flugbewegungen dürften kein Faktor für wirtschaftlichen Erfolg in Egelsbach sein.“

Wohl aber ein anderer Flugzeug-Mix: „Mehr Geschäftsflieger, weniger Klein- und Kleinstflieger“, präzisiert Adrian auf Nachfrage und merkt an: „Geschäfts-Jets von heute sind leiser als alles von früher, was mit Propellern daherkommt.“ Gewinn gedenke Triwo im Übrigen verstärkt in Bodenhöhe zu generieren – in Gestalt der Ansiedlung möglichst hochkarätiger, flugaffiner Unternehmen. 

„Diesem Konzept folgt der Betrieb an unseren anderen Flugplätzen“, sagt Adrian und ermuntert die Fragesteller, sich Referenzen vor Ort – „gerne auch in den Rathäusern unserer Partnerkommunen“ – einzuholen. Gleichwohl wisse er: „Das Egelsbacher Gewerbeflächenpotenzial ist eher überschaubar.“

Egelsbach: Triwo AG will Flugplatz voranbringen 

In einem Punkt indes spielt der Triwo-Vorstand schon bei diesem ersten „Date“ sein Blatt so offen, dass es als Fingerzeig gelten muss: „Wir streben die Inbetriebnahme eines technischen Systems an, das in Egelsbach die Fliegerei nach den Regeln des Instrumentenflugs ermöglicht“, unterstreicht Adrian. Das Echo der Politik – Vorgänger NetJets sei mit eben diesem Vorhaben kläglich gescheitert*, gerade auch wegen der Nähe zum großen Bruder Rhein-Main-Airport – mindert den Optimismus des Besuchers kein bisschen. 

„Bei diesen Verfahren hat sich in den vergangenen Jahren so viel getan und grundlegend verändert – wir wollen all unsere Überzeugungskraft in die Waagschale werfen, um das mit dem Luftfahrt-Bundesamt und der Deutschen Flugsicherung hinzubekommen.“ Sicherheit sei schließlich das, was der Flugplatz über Investitionen in die Infrastruktur hinaus so dringend benötige.

„Haben Sie denn schon mit den Behörden gesprochen?“, will ein Ausschussmitglied wissen. „Das dürfen wir noch gar nicht – erst wenn wir offiziell der Mehrheitseigentümer der HFG sind, steht uns diese Tür offen“, entgegnet Adrian.   Von Holger Borchard 


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