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Bewohner klagen

Langen: Mieter in der Mieter der Elisabeth-Selbert-Allee ärgern sich über exorbitante Nebenkosten

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Zweieinhalb Jahre nach dem Einzug in die Elisabeth-Selbert-Allee sollen die Mieter bis zu 2000 Euro Nebenkosten nachzahlen. Einige der Bewohner haben geklagt.

Langen - „Entweder ist das von der Hausverwaltung dilettantisch oder es ist vorsätzlich!“: Die Mieter der Langener Elisabeth-Selbert-Allee 24 und 26 sind stinksauer und fühlen sich bei der Nebenkostenabrechnung über den Tisch gezogen. Ein Teil von ihnen hat sich an den Mieterschutzbund gewandt, einige haben die Nachforderungen nicht bezahlt und müssen sich jetzt schon mit Klagen auseinandersetzen.

Zwei der insgesamt sieben von dem Unternehmen Bonava gebauten Terrassenhäuser an der Nordumgehung wurden von dem Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia gekauft. Die 70 Wohnungen sind seit dem dritten Quartal 2015 vermietet. Das Niedrigenergiehaus wurde mit 2,49 Euro Nebenkosten pro Quadratmeter bei der ersten Vermietung angeboten.

Zweieinhalb Jahre nach dem Einzug müssen die Mieter aber die Erfahrung machen: Die Nachzahlungsforderungen der Hausverwaltung sind immens. Bis zu 2000 Euro pro Jahr müssen die Mieter nachzahlen. „Wir sind bei unserer 100-Quadratmeter-Wohnung mit 4900 Kilowattstunden ziemlich sparsam“, sagt eine Mieterin, deren Name der Redaktion bekannt ist. Sieben Cent pro Kilowattstunde für das Gas sei nicht immens günstig, aber das, was wirklich teuer ins Gewicht fällt, ist die Umlegung der Kosten für die Heizungsanlage in dem Neubau.

Ein Contracting-Vertrag mit den Stadtwerken Langen garantiert für 15 Jahre die Wärme im Neubau. „Es hat uns nie jemand gesagt, dass das Haus keine eigene Heizung hat, sondern dass wir die Miete für die Anlage auf unsere Umlage drauf gerechnet bekommen“, sagt ein weiterer Mieter.

Die Anwohner verlangen Transparenz: „Wenn wir die Heizung bezahlen und der Vermieter diese Investition nicht hatte, dann muss das über eine geringere Kaltmiete kompensiert werden.“

Weitere teure Posten in der Nebenkostenabrechnung seien die Ausgaben für die Aufzugswartung, die Hausmeisterdienste und ähnliche Dienstleistungen. „Wir haben mit den Nachbarn gesprochen, die in den Eigentumswohnungen leben. Sie haben bei weitem nicht so hohe Ausgaben für diesen Service. Da wird wohl nicht wirtschaftlich gehandelt bei der Auswahl und wir sind die Dummen, die diese Kosten tragen müssen“, stellt die Mieterin sauer fest.

Statt 2,49 Euro entrichten die Hausbewohner zwischen 3,72 Euro und 4,25 Euro pro Quadratmeter an Nebenkosten. „Ich zahle allein 3000 Euro im Jahr nur für die Nebenkosten. Dazu ist die Miete mit etwas über elf Euro für den Quadratmeter ja auch nicht günstig“, so der Bewohner. Er ist auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Seine Mitstreiterin hat bereits gekündigt.

Beide Gesprächspartner haben die überhöhten Nachforderungen noch nicht beglichen. Sie lassen es auf den Rechtsstreit ankommen. Eine erste Gerichtsverhandlung ist geplatzt; die Vertreter der klageführenden Patrizia sind nicht zum Verhandlungstermin erschienen.

Der Pressesprecher der Patrizia Immobilien AG, Andreas Menke, gibt sich wortkarg und bittet um Verständnis: „Zu einem laufenden Gerichtsverfahren kann sich das Unternehmen derzeit nicht öffentlich äußern.“ Darüber hinaus verweist Menke auf die Deutsche Immobilien Management (DIM), die im Auftrag von Patrizia als Dienstleister die Langener Immobilien betreut. DIM-Sprecher Dr. Ulrich Nagel erbat sich Zeit für eine „interne Abstimmung zwischen der Berliner Zentrale und der Offenbacher Niederlassung in diesem Fall“ – seine Stellungnahme lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

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