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Ein großes Stück Grün wird bebaut: AAM plant auf dem Areal der Reitanlage Kronenhof seinen Europasitz. 

Langen

Hochtechnologie auf der Wiese in Langen

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Antriebswellen statt Pferdegewieher: Der Automobilzulieferer AAM verlegt seinen Europasitz aus Bad Homburg auf eine Teilfläche der Reitanlage Kronenhof in Langen.

Noch ist die Wiese an der Reitanlage Kronenhof in Langen, auf der noch im Sommer das Heu für die Pferde gemäht wurde, saftig grün und mittendrin mit großen Büschen und Sträuchern bewachsen. Aber nicht mehr lange: Das Unternehmen American Axle & Manufacturing (AAM) lässt dort noch in diesem Jahr die Baumaschinen anrollen. Der weltweit tätige Automobilzulieferer zieht seine Firmensitze in Bad Homburg und in Dieburg zu einem großen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Langen zusammen. 36 000 Quadratmeter groß ist das Areal an der Ecke Paul-Ehrlich-/Robert-Bosch-Straße, auf dem der neue europäische AAM-Hauptsitz entstehen wird. Am Dienstagmorgen gaben AAM-Europapräsident David Buckley, Vorstandsvorsitzender David Dauch und Bürgermeister Frieder Gebhardt mit dem symbolischen Akt des Spatenstichs gemeinsam den Startschuss für das ehrgeizige Projekt.

Der Automobilzulieferer hat es eilig: Spätestens in einem Jahr soll der 16 000 Quadratmeter große Betrieb mit bis zu zweistöckigem Verwaltungsteil und einer Halle bezogen sein. Das Unternehmen will sich nämlich vergrößern, kann aber in Bad Homburg und Dieburg nicht mehr erweitern. Darüber hinaus laufe am Standort Bad Homburg, wo AAM zusammen mit Microsoft in einem Gebäude sitzt, der Mietvertrag aus, „deshalb muss es schnell gehen“, so Wirtschaftsförderer Joachim Kolbe.

Der Spatenstich startete am Dienstagmorgen das ehrgeizige Projekt. renate hoyer

Das Unternehmen wird nicht noch einmal mieten: Ein Investor werde das Firmengebäude im Langener Wirtschaftszentrum Neurott erstellen, erklärt Kolbe, und AAM wird es ihm dann abkaufen. Erst einmal sei einstöckig und an der Robert-Bosch-Straße zweistöckig geplant, aber der Bau sei modular angelegt und könne jederzeit aufgestockt werden, so Marketingchef André Peuker. So können aus den 110 Mitarbeitern, die derzeit noch an den zwei Standorten sitzen, problemlos 250 Mitarbeiter werden. Diese Zahl hat das Unternehmen jedenfalls avisiert. Und es gibt dann auch genug Platz für die Maschinen, die für die Produktentwicklung aus verschiedenen Standorten in ganz Europa überführt werden sollen.

Über das Investitionsvolumen schweigt sich die Firma aus. Sie hat jedenfalls keine Sorge, dass ihr der Wandel in der Automobilindustrie das Geschäft verhageln könnte. An der Antriebstechnik des Autos werde sich auch im Zeitalter von Elektromobilität und autonomem Fahren nichts ändern, erklärt Wirtschaftsförderer Kolbe.

Der Automobilzulieferer hat einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan eingereicht, der noch gut eine Woche zur öffentlichen Einsichtnahme ausliegt. Bürgermeister Gebhardt kann sich nicht an ein vergleichbares Projekt erinnern, bei dem es von der Idee bis zur Umsetzung so schnell ging.

AAM sitzt dann künftig in bester Nachbarschaft. Auf der restlichen Fläche des insgesamt 101 000 Quadratmeter großen Geländes der Reitanlage Kronenhof – in der Vergangenheit ein Leistungszentrum für den Pferdedressursport – wird sich nämlich das Paul-Ehrlich-Institut ansiedeln. Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel mit seinen 800 Mitarbeitern leidet unter Platzmangel und wird von der anderen Straßenseite auf diese Kronenhof-Teilfläche wechseln. Bis das 500-Millionen-Euro-Projekt fertiggestellt ist, werden aber noch etwa sieben Jahre ins Land ziehen. Außerdem muss erst einmal die Schwalbenpopulation umgesiedelt werden, die auf dem Areal brütet. „Man muss ein Konzept finden, um den Vögeln einen anderen Standort schmackhaft zu machen“, sagt der Bürgermeister.

Elisabeth Oppermann-Willers, die Seniorchefin des Kronenhofs, will sich aufs Altenteil zurückziehen und hat der Stadt ihr Gelände angeboten. Viele der Kronenhof-Stallungen inmitten des zehn Hektar großen Areals, die zum Teil noch an Pferdebesitzer vermietet sind, sind schon in wenigen Wochen Vergangenheit. Dann wird der Stall zur Hälfte abgetragen. Vorher wird aber noch eine Trennwand eingezogen, damit die andere Hälfte, die auf dem Gelände des Paul-Ehrlich-Instituts liegt, erst noch erhalten bleiben kann.

Das Unternehmen

AAM ist ein US-amerikanischer Automobilzulieferer mit Sitz in Detroit. Er gehört zu den 100 größten Automobilzulieferern. 

Für mehr als 700 Kunden auf der ganzen Welt – unter anderem Mercedes, Jaguar und Volkswagen – entwickelt und fertigt das Unternehmen hauptsächlich Achsen, Pleuelstangen und Antriebswellen. 

Weltweit hat AAM mehr als 25 000 Mitarbeiter und betreibt 85 Standorte in 16 Ländern. In Europa sitzen an 16 Standorten in neun Ländern 2800 Mitarbeiter. 

In Bad Homburg befindet sich derzeit noch der europäische Hauptsitz mit Engineering Center. 

Im Vorjahr machte AAM 7,27 Milliarden Dollar Umsatz.

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