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Kampfhund

Der Kampf für Finja hat sich gelohnt

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Hundebesitzerin Erika Himml hat Grund zum Feiern. Auch dank ihres Einsatzes fanden CDU-Vorstellungen zur Kennzeichnung und Besteuerung von Kampfhunden keine Mehrheit. Aus dem Rathaus hieß es dazu, dass es in Mörfelden-Walldorf nur zwei als gefährlich eingestufte Hunde gebe – und deren Rassen stehen nicht auf der hessischen Liste der Kampfhunde.

Die Zeiten hysterischer Verfolgung von Kampfhunden gehören inzwischen der Vergangenheit an. Immer mehr hat sich die Meinung durchgesetzt, dass es keine gefährlichen Hunderassen gibt, sondern nur gefährliche Hunde, und dass diese Hunde nur aus dem Grunde gefährlich sind, weil verantwortungslose Menschen sie nicht konsequent erzogen oder sie sogar zu beißwütigen Bestien abgerichtet haben.

Diese Einsicht scheint offensichtlich an den Christdemokraten Mörfelden-Walldorfs vorbeigegangen zu sein, denn sie forderten in einem Prüfantrag, dass alle auf der hessischen Liste der Kampfhunde aufgeführten Tiere, zehn Rassen sind dies, als Zeichen ihrer Gefährlichkeit eine rote Hundemarke tragen müssen. Zudem sei auch die im Kreis Groß-Gerau für gefährliche Hunde geltende Hundesteuer in Höhe von 522 Euro, die bei der Gelegenheit auch gleich mal auf 600 Euro erhöht werden sollte, zu berechnen. Diese Forderung hatte die CDU mit Beißvorfällen in jüngster Zeit begründet und betont, dass es ihr also um die Gefahrenbwehr gehe und nicht etwa darum, die Stadtkasse zu füllen.

Natürlich stießen diese Vorstellungen der CDU nicht überall auf Gegenliebe. Bereits im Stadtparlament wurden etliche Stimmen laut, die sich dagegen aussprachen. Aber auch Hundebesitzer begehrten dagegen auf, darunter auch Erika Himml. Sie besitzt eine vier Jahre alte Rottweilerhündin, Finja, mithin also eine Rasse, die auch auf der hessischen Kampfhundeliste zu finden ist. Entschieden wehrte sie sich dagegen, dass ihre Hündin allein wegen ihrer Rassenzugehörigkeit als gefährlich eingestuft werde, zumal Finja bereits mehrere Leistungsprüfungen abgelegt habe, zuletzt die Begleithundeprüfung.

Öffentlich angeschrieben

Erika Himml, die seit mehr als 40 Jahren Rottweiler besitzt, betonte, dass ihre Finja von Hundefachleuten sogar als „Aushängeschild der Rasse“ bezeichnet wurde. Natürlich, so räumte sie ein, dass Rottweiler aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts durchaus etwas Bedrohliches haben können. Finja wiegt immerhin rund 60 Kilogramm. Wer ihren Hund kennt, verliere aber rasch jede Furcht, sagte Erika Himml.

Seit Bekanntwerden des CDU-Antrags hatte sich Erika Himml dafür eingesetzt, dass diese Ungerechtigkeit den Hunden, aber auch den Hundehaltern gegenüber nicht umgesetzt wird. Sie hatte Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt und Bürgermeister Heinz-Peter Becker (beide SPD) mit öffentlichen Briefen angeschrieben, hatte auch das Gespräch mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Karsten Groß gesucht und auch den SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel auf dieses Thema angesprochen, der anlässlich der bevorstehenden Landtagswahlen in Mörfelden zu Gast war.

Froh und glücklich

In einem Brief erläuterte Schäfer-Gümbel die grundsätzliche Haltung der SPD, die sich seit Langem für die Einführung einer Sachkundeprüfung und einer Abschaffung der Rasseliste ausspricht. Stattdessen solle „die Halterverantwortung und seine Sachkompetenz im Umgang mit dem Tier in der Öffentlichkeit und der privaten Haltung in den Mittelpunkt rücken“, heißt es in dem Brief.

Mit Erleichterung nahm Erika Himml dann zur Kenntnis, dass der Magistrat der Stadt den Vorstellungen der CDU nicht folgen werde. In der Stellungnahme aus dem Dezernat des Ersten Stadtrats Burkhard Ziegler (Freie Wähler) hieß es dazu: „Es gibt keine gefährlichen Hunderassen, es gibt nur gefährliche Hunde.“ Darüber hinaus wird ausgeführt, dass sämtliche Beißvorfälle in den zurückliegenden Jahren in Mörfelden-Walldorf nicht von Listenhunden ausgingen. Außerdem gebe es derzeit in der Doppelstadt nur zwei Hunde, die als gefährlich eingestuft werden, und diese gehören nicht zu den in der Liste aufgeführten Rassen. Daher halte der Magistrat die Einführung von farblich gekennzeichneten Hundesteuermarken weder für notwendig noch sinnvoll.

Erika Himml ist nunmehr froh und glücklich, dass dieses Thema damit vom Tisch ist: „Wie man sieht, lohnt es sich zu kämpfen.“

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