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Mit diesen „63-er-Emblemen“ wurden jüngst Häuser in der Jügesheimer Maistraße verunstaltet.

Fragwürdige Spray-Kunst

Hohe Schäden durch illegale Graffiti: Einige Regionen sind besonders betroffen

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Im Kreis Offenbach sorgen Graffitis jährlich für enorme Sachschäden. Einige Regionen sind besonders betroffen. So geht die Polizei gegen die Sprayer vor.

  • Graffiti-Sprayer sorgen im Kreis Offenbach für hohe Sachschäden
  • Neben Rodgau, Rödermark und Dreieich ist vor allem Offenbach ein Brennpunkt
  • Dank Zeugenaussagen ist die Aufklärungsrate der Polizei recht gut

Rodgau/Rödermark - Schön bunt – aber wirklich schön? Graffitisprayer verursachen im Verantwortungsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen pro Jahr rund 250. 000 Euro Schaden. Schlimm: Hausbesitzer bleiben auf den Kosten für die Beseitigung der Schmierereien oft sitzen, da ihre Versicherung solche Fälle meist nicht abdeckt.

Rodgau ist im Kreis Offenbach neben Rödermark, Dreieich, Langen und Neu-Isenburg ein Schwerpunkt. Zuletzt hausten Sprayer in Rodgau-Jügesheim in der Maistraße. Und im Industriegebiet Nieder-Roden besudelten sie viele Lkw mit Eintracht-Parolen.

Kreis Offenbach: Ärger über Graffiti - Hohe Sachschäden

In Rödermark-Ober-Roden werden hingegen die auf dem Abstellgleis unweit des S-Bahnhofs wartenden Züge besonders gerne versaut. Pro Zug muss die Bahn 4 000 Euro für die Reinigung zahlen. Oder die Sporthalle neben der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule – auch die wird regelmäßig besudelt.

„Ein Brennpunkt ist aber vor allem die Stadt Offenbach“, sagt Ursula Elmas. Sie leitet im Polizeipräsidium das Sachgebiet Sprayer mit derzeit drei Beamten und einer Angestellten für die Büroarbeit.

Schmiererei an der Brücke über die S-Bahn unweit der Spalttablette in Ober-Roden.

Kreis Offenbach: Jährlich 250 .000 Euro Schaden durch Graffiti - 455 Fälle in 2019

Hessenweit leistet sich nur noch ein einziges weiteres Flächenpräsidium eine solch spezialisierte Ermittlergruppe: Frankfurt. „Die anderen verfügen über einzelne Sachbearbeiter, die aber auch noch andere Straftaten verfolgen.“ Die Elmas-Truppe spürt hingegen ausschließlich Sprayer auf.

2019 gab es in deren Zuständigkeitsgebiet (Stadt und Kreis Offenbach, Stadt Hanau, Main-Kinzig-Kreis) 455 Fälle. 112 wurden aufgeklärt – überwiegend dank Zeugenhinweisen.

Die 455 Fälle spiegeln natürlich nur die angezeigten Fälle. Elmas: „Wir haben da eine hohe Dunkelziffer. Beispielsweise das in Rodgau gesprühte „HUGO“ wurde nur einmal angezeigt, tatsächlich findet man es aber über 20-mal illegal gesprüht. Um Serien zu klären oder zu erkennen, wäre eine höhere Anzeigenbereitschaft schon hilfreich. Zeugen sollten ihre Beobachtungen immer melden. Auch da wird aus verschiedensten Gründen oft weggesehen. Nehmen wir als Beispiel die Lärmschutzwände an Straßen oder S-Bahnstrecken. Sie sind voller Graffiti und meist gut befahren, Meldungen von Sprayern über die 110 erhalten wir aber so gut wie nie.“

Kreis Offenbach: Sprayern auf der Spur - Aufklärungsquote in Rödermark bei 28,6 Prozent

Trotzdem kann sich die Aufklärungsquote sehen lassen. Sie liegt insgesamt bei 24,6 Prozent und damit deutlich über dem Hessenschnitt (16,7 Prozent). In Rödermark werden 28,6 der angezeigten Fälle aufgeklärt, in Rodgau 27,3 Prozent.

Trafohäuschen (wie hier am Bahnhof Jügesheim) werden besonders gern versaut. 

Wie kommt die Polizei den Sprayern auf die Spur? Sie alle verbreiten individuelle und unverwechselbare Schriftzüge. Ihre Handschrift verrät sie also – vorausgesetzt, man kennt die Kandidaten. Guter Kontakt besteht zu Polizeikollegen – etwa der Bundespolizei. 

Und zu Schulen. „Wir sind gut vernetzt. Oft rühmen sich die Sprayer im Internet und den sozialen Medien ihrer Taten. Dem gehen wir dann natürlich nach“, beschreibt die Kriminalhauptkommissarin einen Teil ihrer Arbeit. Zuletzt war sie nötig in der Pestalozzistraße, Am Eichenbühl in Urberach und vor einiger Zeit an der Sporthalle Ober-Roden.

VON BERNHARD PELKA

Glaubt man der Stadt Offenbach, ist die Zahl illegaler Graffiti* an Wohnhäusern in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Allerdings schwanken die Schadenssummen von Jahr zu Jahr deutlich. 

Ein Hausmeister aus Offenbach erwischte einen Graffiti-Sprayer auf frischer Tat*. Für sein mutiges Eingreifen wurde er belohnt.

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks

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