Ludwig-Erk-Schule

Aktion „Zu Fuß zur Schule“ leistet Überzeugungsarbeit

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An der frischen Luft sein, Freundschaften knüpfen, Verantwortung und Verkehrsregeln lernen: Die Vorteile gegenüber dem „Elterntaxi“ liegen auf der Hand. Die Ludwig-Erk-Schule hat sich das Thema jetzt auf die Fahne geschrieben – und macht gute Erfahrungen damit.

In ihrer kleinen Gruppe laufen Thies, Mirjon, Richard und Eva gut gelaunt vor Tina Mäkela her, der Mama von Thies. Die Erstklässler sind ins Gespräch vertieft, albern miteinander herum und Richard nimmt Eva schon einmal fürsorglich an die Hand, bevor es über die Straße geht. „Ihr wisst ja, ihr müsst gut schauen, ob auch kein Auto kommt“, erklärt die Mutter. Aber die Schulanfänger machen das ganz vorbildlich. Bevor sie in dem eher ruhigen Wohngebiet die Straße kreuzen, vergewissern sie sich, dass auch wirklich kein Verkehr unterwegs ist. „Es kam mir nie in den Sinn, meine Kinder mit dem Auto in die Schule zu fahren“, sagt Tina Mäkelä.

Damit ist die reichlich entspannte Mutter bei der bundesweiten Aktion des Verkehrsclub Deutschland in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk „Zu Fuß zur Schule“, an der sich die Langener Ludwig-Erk-Schule zum wiederholten Mal beteiligt, nicht unbedingt die erste Zielgruppe. „Wir haben mit der Einschulung eine Gruppe von fünf Kindern gebildet, die alle hier aus der Ecke an die Ludwig-Erk-Schule laufen. Bis zu den Herbstferien läuft mindestens ein Elternteil mit, damit die Kinder auf dem Schulweg sicher werden“, erzählt Mäkelä. „Sie werden damit ja auch ein Stück weit selbstständiger und auch sicherer im Straßenverkehr“, so die Mama von Thies weiter.

Ein bisschen Abenteuer erlebt die vierköpfige Bande an diesem Morgen auch noch. Als es an die einzig etwas markante Stelle der Strecke geht, die Überquerung der Südlichen Ringstraße, rasen in hohem Tempo mit lautem Martinshorn drei Feuerwehrautos heran. „Boah, sind die laut“, sagt Thies und hält sich gleich die Ohren zu. Das ist für Tina Mäkelä eine gute Gelegenheit diese Sondersituation zu erklären: „Auch wenn ihr hier Grün habt, hat die Feuerwehr trotzdem Vorfahrt. Ihr müsst dann stehenbleiben“, warnt sie die Kinder.

Je näher es an die Schule herangeht, desto zügiger läuft die Gruppe. „Anfangs sind sie immer gebummelt und haben sich von allem ablenken lassen. Jetzt sind sie deutlich fokussierter“, kann Tina Mäkelä eine Entwicklung feststellen. Auf die Bahnstraße eingebogen, hält die Knirpse nichts mehr, mit wippenden Ranzen rennen sie die letzten Meter auf den Schulhof. Die Mama bekommt von Thies nur noch ein glückliches Winken.

Für Schulleiter Max Leonhardt ist das gemeinschaftliche Laufen ideal. „Für die Kinder ist es nur ein Gewinn, wenn sie zu Fuß gehen“, so der Schulleiter. Während der Aktionswoche sind die positiven Effekte des Laufens auch Thema im Unterricht. „Die Klassen beschäftigen sich mit dem Umweltaspekt, das leuchtet den Kindern immer ganz besonders gut ein, dass die vielen Autos die Luft verpesten“, berichtet Leonhardt. „Die Kinder kommen wacher und fitter hier an, wenn sie laufen. Wenn sie immer mit dem Auto gefahren werden, ist das nicht gut für die kognitiven Fähigkeiten und den Orientierungssinn“, wirbt der Schulleiter.

Ein Argument sei auch das Sozialverhalten, das auf dem gemeinsamen Schulweg gefördert wird. Die Kinder kommen ins Gespräch, knüpfen Freundschaften und übernehmen füreinander Verantwortung. Grundsätzlich, so Leonhardt weiter, funktioniert es an der Ludwig-Erk-Schule ganz gut. Rund 85 Prozent der 360 Schüler laufen.

„Natürlich verstehe ich auch die Sorgen, die Eltern haben. Es geht um Unfallgefahr und die Angst vor einer Entführung“, so der Schulleiter weiter. Aber auch da besagen Statistiken, dass der Weg mit dem Fahrrad und auch mit dem Auto für die Kinder viel gefährlicher ist, als zu Fuß. Und in Gruppen gehe das Risiko, dass die Kinder von Fremden angesprochen werden auch gegen Null.

An der Erk-Schule ist das „Eltern-Taxi“ ein besonderes Problem, weil der Zugang an der Bahnstraße sowieso eng ist. „Wenn dann Eltern fast noch ins Schulgebäude reinfahren wollen, dann wird es sogar richtig gefährlich“, ist Leohnhardt froh, dass diese unvernüftigen Eltern nur eine Ausnahme seien. Am kommenden Donnerstag feiern die Kinder die Aktion „Zu Fuss zur Schule“ mit einem Sternenmarsch und frischen Äpfeln an der Schule. „Wir freuen uns schon darauf“, sagt Max Leonhardt abschließend.

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