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Ein ?typischer Stark? ? dieser Ball kommt garantiert extrem angeschnitten auf den Gegner zu.

Tischtennis

Andreas Stark vom TTC Langen: Der Meister der Rotation

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Er ist ein Inbegriff für Solidität und Vereinstreue. Und nun spielte sich der Langener Andreas Stark auch mit einer außergewöhnlichen Hinrunde in den Blickpunkt.

63 Spieler von zehn Mannschaften haben die Kriterien erfüllt, um in die Rangliste der Tischtennis-Hessenliga Süd-West aufgenommen zu werden. Doch nur einer von ihnen spielte eine makellose Halbserie: Andreas Stark.

Zwölf Einzel absolvierte er auf Position fünf des TTC Langen, und immer ging der stoische Meister der Rotation als Sieger vom Tisch, der den Ball bei seinen Aufschlägen so anzudrehen vermag, dass der Rückschlag unheimlich schwierig ist. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich so etwas schon mal geschafft habe“, sagt der 53-Jährige zu seiner Erfolgsquote.

Siebenmal ließ Stark bei seinem Siegeszug seinen Kontrahenten überhaupt keine Chance. In vier Einzeln konnten sie ihm immerhin einen Satz abtrotzen. Und nur Marc Rindert, der Mann mit Kämpferherz und für exaltierte Einlagen in Diensten des Spitzenteams SG Anspach, brachte „Starki“ an den Rand einer Niederlage. Doch in höchster Not, bei 1:2-Satzrückstand, gewann der Langener die beiden folgenden Durchgänge in der Verlängerung. „Das war reine Konzentrationssache“, will Stark sein Bravourstück gegen Rindert, der in diesem „Endspiel“ seine erste Niederlage kassierte, nicht überbewertet wissen. So wie es eben sein Naturell ist.

Seit nunmehr fast 50 Jahren bringt Andreas Stark den Tischtennisball zum Rotieren. Der ältere Bruder eines Mitschülers gab den Anstoß, nicht nur auf Steinplatten in Schulhöfen, sondern im Verein zu spielen. Stark lebt seit eh und je in Sprendlingen, daher ging es auch zur örtlichen STG. Über die diversen Nachwuchsmannschaften schmetterte und blockte er sich in die Erste Mannschaft der Sprendlinger Turngemeinde 1848 e. V. hoch. Dann fand jedoch ein Auflösungsprozess in der Mannschaft statt, die stets nur auf Bezirksebene präsent war. „Ich wollte eigentlich nicht wechseln“, betont Stark, der Ur-Sprendlinger.

Durch seinen Schwager Winfried Klopper kam der Kontakt zum TTC Langen zustande, und Stark wagte den überschaubaren Schritt. Das geschah 1995. „Ich bin nicht gleich in die Erste Mannschaft gekommen“, sagt er. Doch dies gelang ihm im Folgejahr. Danach entwickelte sich Andreas Stark gewissermaßen zum „Mr. Tischtennis des TTC Langen“. Egal ob Hessen-, Ober- oder Regionalliga – der Tischtennis-Maniac mit der Gelassenheit eines Schafhirten punktete meist fleißig für sein Team.

Doch nicht nur für den TTC Langen, sondern auch, wenn er auf Reisen ging. Seitdem er im Seniorenbereich aktiv ist, hat er kaum eine Gelegenheit ausgelassen, bei Welt- oder Europameisterschaften anzutreten. Mit seinem Spezi Peter Beranek aus der hessisch-badischen Grenzregion erreichte Stark im Doppel in Rio de Janeiro den zweiten Platz, in Bratislava (Preßburg) gab es Bronze. Im Einzel schlug er sich schon bis unter die letzten 16 oder 32 durch – bei mehreren hundert Teilnehmern in der entsprechenden Altersklasse.

So zuletzt bei der EM 2016 in Alicante, da seien laut Stark über 900 in der Altersklasse Ü50 am Start gewesen. Podestplätze gab es für ihn auch bei deutschen Senioren-Meisterschaften, im Einzel, Doppel (wieder mit Beranek) und Mixed (mit Vereinskollegin Ellen Smolka).

Seine Erfahrung, Erfolge und nicht zuletzt Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit machten ihn interessant für Clubs aus der Region. „Es gab Anfragen von anderen Vereinen, etwa aus Frankfurt von Viktoria Preußen, von Neu-Isenburg oder Dreieichenhain.“ Doch er blieb dem TTC Langen treu. „Es sind viele dabei, die schon ewig für den Verein spielen. Wechsel gibt es eher nur in der Ersten oder Zweiten Mannschaft“, erklärt Stark, der einen familiären Charakter im Club für wichtig hält. Langjähriger Erster Vorsitzender des TTC Langen ist Gerhard Armer.

Wenn nichts Außergewöhnliches wie in den 1990ern dazwischenkommt, wird Andreas Stark noch viele, viele Jahre für den TTC Langen den Ball zum Rotieren bringen. Aber eines ist auch gewiss: Eine so blendende Halbserie wird er so schnell nicht noch einmal erreichen. Aufgrund des erspielten Bilanzwertes muss er vom hinteren ins mittlere Paarkreuz aufrücken – und dort wird die Luft sogar für ihn ein bisschen dünner.

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