Ausstellung in der Dreieichschule

Ein Anschlag auf die Obrigkeit – Diskussion über die Schlüsselmomente der Reformatio

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„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen“ – es sind die berühmtesten Lutherworte. Gesprochen 1521 auf dem Reichstag zu Worms. So zumindest lautet die Legende. Bei der Ausstellungseröffnung der Luther-Ausstellung in der Dreieichschule hat die FNP Besucher gefragt, ob sie auch schon mal einen Luthermoment in ihrem Leben hatten.

Bei einer Fortbildung haben Geschichtslehrer Wolfgang Geiger und Religionslehrer Johannes Dittmer die Wanderausstellung des Staatsarchivs Marburg „Luther und Europa. Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen“ kennengelernt. Die beiden Pädagogen der Dreieichschule Langen waren so fasziniert von der Darstellung der Geschichte Luthers im Zusammenhang mit der Entwicklung der religiösen Veränderungen in jener Zeit in ganz Europa, dass sie diese Wandtafeln auch für ihre Schüler zugänglich machen wollten.

„Wir haben die Tafeln bei einer Fortbildung gesehen, da waren sie noch keine Woche alt“, erzählt Wolfgang Geiger. „Die Gespräche mit den Entwicklern der Ausstellung waren so spannend. Wir mussten uns dann richtig beeilen, denn obwohl wir so früh dran waren, hatten wir noch Glück, weil sie sehr ausgebucht war.“

Dass die Ausstellung jetzt gerade über die Tage des Reformationsjubiläums an der Schule ist, ist ein schöner Zufall. Die Stellwände, die noch bis Mitte November in der Aula zu sehen sind, zeigen die europäische Dimension der Reformation in sieben Stationen. Auf ihnen ist zu lesen, dass neben Wittenberg auch andere Reformationszentren wie Zürich und Genf von Bedeutung sind, ohne welche die Ausbreitung des neuen Glaubens in Europa nicht denkbar gewesen wäre.

Für die Ausstellungseröffnung hatten Geiger und Dittmar die Historikerin und Leiterin des Studienseminars in Darmstadt, Franziska Conrad, als Gast gewonnen. Im Musiksaal des Gymnasiums waren interessierte Schüler zugegen, Vertreter der Langener Kirchen und Besucher, die mehr über Luthers Leben und das seiner europäischen Wegbegleiter erfahren wollten.

Wolfgang Geiger erinnerte daran, dass es nicht unbedingt der Thesenanschlag in Wittenberg war, den die Historiker mit der Reformation unmittelbar in Verbindung bringen: „Es war vielmehr der erste Anschlag auf die geistliche und weltliche Obrigkeit und ein Anschlag auf deren Autorität“, so Geiger. Auch Johannes Dittmer betonte dann, dass es eigentlich die Schrift Luthers „An den christlichen Adel“ im Jahr 1520 gewesen sei, die zum Manifest der Reformation geworden sei. Darin seien sich Historiker und Theologen einig.

Franziska Conrad machte dann das Jubiläum der Reformation und die Figur Luthers zum Thema. „Es ist ein Hype um Luther entstanden. Um Luther wurde eine Eventkultur betrieben“, erklärte sie. Das beweise eine hübsche Playmobil-Figur von Luther, die in diesem Jahr zu einem absoluten Verkaufsschlager geworden sei. Doch es wurden auch kirchliche Diskussionen um das kleine Plastikmännchen geführt – hielt die erste Version des Mini-Luthers doch ein Buch in den Händen, in dem das Alte Testament mit den Worten „Ende“ geschlossen wurde. Darüber wurde Kritik laut. Diese Kennzeichnung wurde als antisemitisch bezeichnet und Playmobil legte eine zweite Serie auf, in der das Wort „Ende“ dann fehlte. Sogar für eine Bierwerbung in einer bayerischen Region wurde der Playmobil-Luther abgebildet.

Franziska Conrad betonte, dass die Nachfahren Luthers, um die Bedeutung der Taten des Reformators zu verstehen, sich zunächst in die damalige Zeit einarbeiten müssen. „Wir können heute doch nur noch das beurteilen, was für uns von Bedeutung ist. Denn damals gab es noch keine Trennung von geistlicher und säkularer Welt. Die Reformation und der Prozess der Reformation waren von Beginn an ein sehr vielseitiges Phänomen“, so Franziska Conrad. Sie erinnerte auch daran, dass die Religionsfreiheit und die Idee der Toleranz sehr bitter und mit vielen Opfern erkämpft worden sei. „Im Dreißigjährigen Krieg verlor ein Drittel der Bevölkerung ihr Leben.“ Sie beleuchtete auch die Entwicklung des Protestantismus bis in die heutige Zeit: „28 Prozent der Bevölkerung sind Protestanten, keine vier Prozent von ihnen gehen in den sonntäglichen Gottesdienst.“

Erst nach diesem Exkurs über Luther und die Entwicklung der Reformation ging es in den Ausstellungsraum.

Bis Mitte November sind die Tafeln in der Aula des Dreieichgymnasiums zu sehen. Neben der Schulgemeinde steht die Präsentation auch anderen Interessierten offen. So können sich Konfirmandengruppen, Schüler der benachbarten Adolf-Reichwein-Schule oder auch Gemeindegruppen für einen Besuch anmelden.

Am Mittwoch, 1. November, von 14 bis 17 Uhr findet eine Lehrkräftefortbildung statt zum Thema „Freiheit des Christenmenschen – Aufbegehren gegen die Obrigkeit? Glaube und Politik im Zeitalter der Reformation“. Für Schüler der Jahrgangstufen elf und zwölf wird es am Freitag, 10. November, in den ersten beiden sowie in der dritten und vierten Stunde einen Vortrag geben. Jan-Martin Lies vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (Mainz) referiert zum Thema „Die Rolle Philipps von Hessen in der Reformationsgeschichte – Sein Umgang mit evangelischer Wahrheit und evangelischer Vielfalt“.

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