Albert-Einstein-Schule

Auch Stürze hielten sie nicht auf

Beim Schulradeln 2016 erreichten Jugendliche der Langener Albert-Einstein-Schule den zweiten Platz. Den Preis übergab gestern Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir.

Rulian, Niloofaf, Nadeen und Zaghyoys sind mächtig stolz. Die Jugendlichen der Albert-Einstein-Schule aus Langen haben den zweiten Platz bei der Aktion „Schulradeln 2016“ erstrampelt. Die vier Teilnehmer der insgesamt 60 Schüler der vier Intensivklassen der integrierten Gesamtschule kommen ursprünglich aus Syrien, Afghanistan und Kurdistan. Nun wurden sie stellvertretend für alle 60 teilnehmenden Schüler ihrer Schule vom Klima-Bündnis und der Stadt Hanau für ihre kreative und beste Idee mit einem Geldpreis in Höhe von 500 Euro ausgezeichnet. Nur das Wilhelmsgymnasium aus Kassel war noch besser und landete mit der „I like my Bike-Projektwoche“ auf dem ersten Platz. Den dritten Platz belegte die Integrierte Gesamtschule Mainz mit ihrem Kunstprojekt „Superstau“.

Fahrradfahren gelernt haben viele der teilnehmenden Jugendlichen der Albert-Einstein-Schule nicht. Die 16-jährige Niloofaf beispielsweise hat in ihrer Heimat Afghanistan noch nie in die Pedale eines Velos getreten. Das veranlasste Deutschlehrerin Christine Berndt die alte eingestaubte Fahrradwerkstatt ihrer Schule wiederzubeleben.

Die Schüler machten alte Räder wieder flott, bekamen Räder geschenkt oder bastelten Drahtesel selbst wieder zusammen, berichtet Berndt, die seit einem Jahr deutsch in Intensivklassen an der Albert-Einstein-Schule unterrichtet. Danach übten alle Schüler gemeinsam Fahrradfahren auf dem Pausenhof, gaben Handzeichen (Stop, rechts, links), um sich auf dem Rad miteinander verständigen zu können, bevor sie sich auf die 25 Kilometer lange Strecke zum Langener Waldsee und zurück zur Schule machten.

Die insgesamt 60 Schüler legten nur beim Segelclub in Langen eine kleine Pause ein, um frische Kräfte zu tanken. Denn für die meisten war es eine harte Probe, auf dem Waldweg zu radeln. Berndt berichtet von geschwollenen Händen, einige stürzten sogar auf dem Waldweg und mussten medizinisch versorgt werden. Doch Christine Berndt und ihre Schüler waren auf alle Unfälle während ihrer vierstündigen Rad-Tagesaktion gut vorbereitet.

Die 13 Jahre alte Rulian will künftig nur noch mit dem Rad zur Schule kommen. „Uns hat die Aktion sehr viel Spaß gemacht“, bestätigten die vier Schüler einstimmig am Tag der Auszeichnung. Dies ist sicher auch ganz im Sinne des hessischen Umwelt- und Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Grüne), der als Schirmherr des Wettbewerbs die Preise an die Schüler überreichte.

Al-Wazir fand als Schüler den Weg zur Schule manchmal spannender als die Schule selbst, erinnerte sich der Minister. Außerdem seien die Schüler wach, wenn sie das Rad zur Schule benutzen anstelle des Elterntaxis. Darüber hinaus weiß der Vater eines Sechstklässlers, dass Radeln im Straßenverkehr das Selbstbewusstsein von Kindern fördert. „Sie sind fitter und eigenständiger unterwegs“, so der Grüne. „Es trainiert die Wahrnehmung.“ Nicht zu vergessen sei der Umweltaspekt.

Auch wenn die beiden syrischen Schüler Nadeen und Zaghyoys, die inzwischen gut deutsch sprechen und verstehen, schon in ihrer Heimat Fahrrad gefahren sind, für beide ist der zweite Platz beim „Schulradeln 2016“ besonders wertvoll. Allein, sich im Internet für diese Aktion zu registrieren, war für sie nicht einfach. „Das mussten die Schüler wirklich selbst machen. Alles auf Deutsch, eine Leistung“, fand Christine Berndt anerkennende Worte für die Jugendlichen.

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