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Spaß auf der Djembé hat unsere Mitarbeiterin Vanessa Kokoschka (Zweite von rechts) in der Trommelrunde.

Im Bann der Trommeln

Beim Drum Circle finden die Teilnehmer schnell einen gemeinsamen Rhythmus

Es geht nicht um möglichst harmonische Klänge, sondern darum, sich auszuprobieren: Beim Trommelworkshop Drum Circle können Erwachsene nach Herzenslust mit kleinen und großen Percussioninstrumenten musizieren. Das soll sogar für Entspannung sorgen. Unsere Autorin hat's ausprobiert.

Djembés und Claves, Kongos und Bongos – die Musikinstrumente sehen genauso exotisch aus, wie sie klingen. Und dazu noch verlockend, wie sie da in einer Reihe stehen: Allein beim Anblick will ich schon auf sie klopfen. Mit dem Gefühl bin ich nicht allein: Die ersten Teilnehmer trommeln bereits auf den Fellen. Dabei wecken Trommeln in mir beim ersten Hören eher Erinnerungen an die Schulzeit: Brav im Stuhlkreis sitzend zum vorgegebenen Takt auf die Trommel klopfen – eskalieren verboten. Die Befürchtung, dass das beim Percussion-Ensemble mit Erwachsenen im Kulturhaus Altes Amtsgericht auch so sein könnte, wischt die Facilitator (vom englischen „to facilitate“: vereinfachen) gleich zu Beginn weg.

„Ihr lernt hier nicht Trommeln. Das kann ich nämlich selbst nicht“, sagt Gabi Fellner, die jeder nur Gabi nennt. Ihre ungezwungene Art wirkt beruhigend: Hier muss sich niemand beweisen. „Wir werden vieles frei ausprobieren, eine gemeinsame Balance finden und dann einen schönen Groove spielen.“ Erfahrungsgemäß endet so viel Freiheit eher im Chaos, denke ich. Aber schon nach der ersten Runde zeigt sich: Gabi behält recht.

Denn obwohl die meisten aus dem Kurs keine konkrete Schlagtechnik drauf haben, finden wir schnell einen gemeinsamen Rhythmus. Was zu Beginn noch etwas holprig und asynchron klingt, verbessert sich von Minute zu Minute. Gemeinsam mit rund 25 Teilnehmern sitze ich im Stuhlkreis. Zwischen meinen Knien klemme ich eine kleine Djembé – die Miniaturversion ist 30 Zentimeter groß und wiegt ein Kilo. Erst zaghaft, dann immer selbstbewusster trommele ich und passe meine Handbewegungen unbewusst denen meiner Sitznachbarn an. Die Schläge vibrieren unter dem rauen Ziegenleder. Je nachdem, ob ich meine Finger schließe oder spreize, erklingt ein heller oder ein tiefer Ton: Klong, Bumm, Klong, Bumm.

Eine Balance

Gabi läuft währenddessen im Inneren des Stuhlkreises umher und dirigiert uns mit Handzeichen. Ihre Hände wirbeln umeinander: weiter spielen. Der Sprung und die ausgebreiteten Hände: verstummen. Diese Gestik muss ausreichen. Schließlich soll der Drum Circle in erster Linie Spaß machen und entschleunigen, kein strenger Musikunterricht sein. Mit Instrumenten, die rascheln, schaben und klimpern, gibt sie uns den Takt vor. Wie ein musikalisches Frage- und Antwort-Spiel trommeln ihn 50 Hände nach.

Nach kürzester Zeit stelle ich fest: Trommeln ist mehr als bloßes auf die Pauke hauen. Zwischen den sich größtenteils unbekannten Menschen findet sich zügig eine Balance. Kein Wunder also, dass Trommeln auch als Maßnahme empfohlen wird, um den Teamgeist zu stärken. Die afrikanischen Instrumente sollen auch Energieblockaden lösen und die Kreativität fördern. „Trommeln ist mehr als nur Musik machen. Es bringt Menschen zusammen“, bestätigt Gabi. Die ausgebildete Flötistin bietet öfter Seminare solcher Art für Erwachsene an. „Trommeln sind ein sehr dankbares Instrument, weil man kein Profi sein muss, um spielen zu können. Der Rhythmus wirkt entspannend und irgendwann driftet man weg.“

Gut entspannt

Die Pausen zwischendurch nutzen die Teilnehmer, um die Instrumente untereinander zu tauschen: die Djembé gegen eine Rassel oder eine Bongo für den eiförmigen Egg Shaker. Denn Trommeln kann auf Dauer anstrengend werden, vor allem für ungeübte Finger. Auch ich bemerke ein leichtes Spannungsgefühl: Da hilft nur Wackeln, Dehnen und Strecken, bevor es in die nächste Runde geht.

Das Konzept des Drum Circles kommt bei der Gruppe gut an: „Das war so toll!“, „War mal wieder nötig, um vom Alltagstrott loszukommen“ oder „Ein toller Einstieg ins Wochenende“ schwärmen die Teilnehmer am Ende. Auch ich stelle fest: Bis auf die leichten Schmerzen in den Fingern konnte ich mich entspannen und gut abreagieren von den kleinen Ärgernissen des Alltags. Obwohl die meisten unerfahrene Trommler sind, lässt das Instrument nur die wenigsten los. Selbst beim Wegräumen erklingt noch ein dumpfes Echo durch das Treppenhaus. Denn wie schon Fellner feststellte: „Die meisten kommen aus dem Sog gar nicht mehr heraus.“

von VANESSA KOKOSCHKA

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