Fürstliches Gartenfest

Blumenprofis und Blumenfans treffen sich zum Fachsimpeln, Staunen und Genießen

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Das Haus von Hessen hat in diesem Jahr „Italien zu Gast“: Das Fürstliche Gartenfest punktet mit diesem Sonderthema, das so wunderbar in die atemberaubende Kulisse von Schloss Wolfsgarten passt.

Auch wenn der Park nicht wie gewohnt saftig grün leuchtet – die Dürre des Sommers hat sichtbare Spuren in dem landgräflichen Paradies hinterlassen – entsteht so beinahe mediterranes Flair am Rande von Langen. Die rund 175 Aussteller sorgen an ihren Ständen und in den Schaugärten dann auch für ausreichend Grün und Farbenpracht, um die Gartenfans zu erfreuen.

Ganz wunderbar hat der Frankfurter Palmengarten das Sonderthema umgesetzt. Hilke Steinecke bringt mit ihrem Team die kulinarische Vielfalt Italiens mit nach Langen. Kräuter, Zitrusfrüchte, Obst und Gemüse ist an dem bunt dekorierten Stand ausgestellt und auch zur Verkostung frei gegeben. Wer noch nie gefriergetrocknete Pomelo-Schale probiert hat, hat eindeutig etwas verpasst. Aber auch der selbst gebrannte Limoncello ist – ganz mild – ein wahrer Genuss.

Peter Schubert kennt die Geheimnisse der italienischen Kräuter. Er lässt die Besucher nicht nur die Bitterkeit des Wermuts testen, der ein maßgeblicher Bestandteil des Absinths ist, er klärt auch die wichtigen Fragen: Warum heißt der Mönchspfeffer eigentlich Mönchspfeffer? „Die Damen nutzen das Kraut bisweilen, um das Drängen ihrer Männer im Zaum zu halten. Galt es doch als Lustbremse der Mönche, um das Zölibat einzuhalten“, kennt der Botaniker des Palmengartens spannende Details.

Nur ein paar Meter entfernt vom Stand des Palmengartens hat ein Garten- und Landschaftsbauer aus der Region einen Wolfskopf für die themengetreue Gestaltung seines Schaugartens gewonnen. Die Firma Ehlers aus Dreieich bekam den begehrten Preis in Silber für die schöne Arrondierung des Gärtchens mit prächtig blühendem Oleander, Zitrus- und Olivenbäumen.

Einen kleinen Stilbruch hat sich der Gartenarchitekt mit der Laube aus Birkenholz getraut. Aber unter dem Dach lockten dann schon wieder italienische Salami, ein trockener italienischer Rotwein und süße Amarettini.

Für die wahren Gartenfreunde sind diese optischen Höhepunkte nur ein schöner Nebeneffekt. „Natürlich genieße ich es auch, hier die schönen Schaugärten anzuschauen, mir Inspiration zu holen oder am zweiten Tag dann sogar mal ganz raus zu laufen, inmitten der Rhododendren und an den wunderschönen Weiher mit der historischen Brücke einfach nur die Kulisse und die Ruhe zu genießen“, erklärt Katharina Sendling. Aber eigentlich kommt die Mainzerin nur wegen der Pflanzen und vor allem der Pflanzenexperten. „Ich bin jetzt schon im siebten Jahr in Folge hier auf dem Fest – und endlich funktioniert mein Garten – auch, weil ich mir genau erklären lasse, wo ich welche Pflanze setze und wie ich sie richtig behandele. Es lohnt sich absolut, sich damit zu beschäftigen. Alleine dafür liebe ich dieses Gartenfest, weil hier nur Profis am Werk sind.“

Blumenprofis – oder zumindest auf dem Weg dahin – sind auch die hessischen Floristen in Ausbildung, die ihren Azubi-Wettbewerb schon am Freitag im Schlosspark austragen. Die Siegerin nutzt offensichtlich einen Heimvorteil: die Jury bewertet die Kombination aus einem Strauß, einem Gesteck und einem Kranz von Sarah Barcley am höchsten. Die beste Auszubildende Hessens ist der Lehrling von Anna Sehring aus der Langener Blumen-stubb’. „Das macht uns natürlich stolz, sie hat das toll gemacht“, lobt Chefin Anna Sehring zufrieden.

Am Samstagmittag lädt Landgraf Donatus von Hessen mit seiner Frau Floria traditionell zum Empfang in einen kleinen abgesperrten Teil des Schlossgartens. Dort genießt dann sogar Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ein Stück Pflaumenkuchen und mit dem Jazz Trio „Die Schwindler“ und der bezaubernden Sängerin Maria di Marco ein bisschen italienische Lebensfreude, bevor es auf den nächsten Wahlkampftermin geht.

Als sich gestern Abend die Schlosstore wieder schlossen, waren wieder viele tausend Besucher über das 30 000 Quadratmeter große Areal flaniert. Schloss Wolfsgarten ist immer einen Ausflug wert, bei diesem Wetter und zu diesem Sonderthema hat es sich in diesem Jahr aber ganz besonders gelohnt.

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