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Die Feuerwehr war nach der Brandstiftung schnell am Einsatzort und leistete großartige Arbeit. Archivfoto: Marc Strohfeldt

Urteil

Brandstifter erhält neun Jahre Haft nach Jugendrecht

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Versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung sowie schwere Brandstiftung: Gestern wurde ein 21-Jähriger zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt.

Wir haben selten eine Tat gesehen, die so schwere Folgen hatte wie diese. Deshalb mussten wir mit dem Strafmaß an die obere Grenze gehen.“ Damit begründete Vorsitzender Richter Marc Euler gestern das Urteil gegen einen 21-jährigen Bulgaren, der nun neun Jahre Jugendhaft wegen zweifachen versuchten Mordes, zweifacher schwerer, gefährlicher Körperverletzung sowie zweifacher schwerer Brandstiftung absitzen muss.

Um ein Haar wäre es noch dicker für den jungen Mann gekommen. Denn die Staatsanwaltschaft hatte verlangt, den 21-Jährigen nach Erwachsenenstrafrecht und zu 14 Jahren Gefängnis zu verurteilten. Staatsanwältin Karin Oppau hatte in ihrem Plädoyer festgestellt, so wie die 2. Große Strafkammer es in ihrem Urteil auch sah, dass der 21-Jährige das Haus in Langen am 18. Januar 2017 angezündet habe, um seine Lebensgefährtin, ihren 14-jährigen Bruder und sich selbst umzubringen.

Dem schrecklichen Geschehen in dem Hinterhaus war ein heftiger Streit des Paares vorausgegangen. Die 20-jährige junge Frau, deren Haut zu 15 Prozent verbrannt war (wir berichteten), hatte ihren Lebensgefährten am Abend zuvor aus der Wohnung des Paares geworfen.

Die Mutter von drei Kindern hatte als Zeugin berichtet, sie sei am Abend des 17. Januars von der Arbeit gekommen. Da habe ihr Lebensgefährte noch in Boxershorts im Bett gelegen, statt sich eine Arbeit zu suchen. Gemeinsam mit ihr und ihrem Bruder habe er nicht essen wollen. Stattdessen verlangte er von ihr Zigaretten.

Deshalb sei es ihr zu bunt geworden, den Unterhalt für die Gemeinschaft allein verdienen zu müssen. Denn als Familie sah sie das Zusammenleben mit Freund und Bruder an. Trotz immer wieder aufkommender Querelen.

Vorsitzender Richter Marc Euler sah in seiner Urteilsbegründung im Verhalten der verbrannten jungen Frau auch eine gewisse Provokation, die bei dem 21-Jährigen den Entschluss zur schrecklichen Tat habe reifen lassen. Er listete nicht nur auf, wie schwer die sechs Monate in einer Ludwigshafener Spezialklinik behandelte Frau entstellt wurde, sondern auch das Leiden des inzwischen 15-jährigen Bruders. Der wird den Rest seines Lebens nur noch wenige Zeit pro Tag im Rollstuhl verbringen können, die meiste Zeit im Bett liegen müssen. Er erlitt bei dem Brand außer einer Rauchgas- auch noch eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid, die weite Teile seines Gehirns zerstörten.

Die 2. Große Strafkammer sah den 21-Jährigen nicht als Erwachsenen an. Damit folgte sie der Argumentation der Jugendgerichtshilfe: Sie hatte ihm eine erhebliche Unreife betätigt. Schon fast noch als Kind habe er in Bulgarien eine Freundin aus einer Clique von Herumtreibern geheiratet. Kurz darauf habe er sich als 14-Jähriger nach Deutschland abgesetzt. Jetzt lebe er in einer Scheinwelt, in der er eine Karriere als Pferdejockey vor sich habe, berühmt werde.Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung ist möglich.

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