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Prozess in Langen

Bürgerin fuhr mit gefälschtem Diplomatenstatus

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Da sie mit einem gefälschten Kennzeichen des Diplomatischen Corps ein nicht zugelassenes Fahrzeug fuhr, stand eine Langener Bürgerin nun vor Gericht. Ihr ehemaliger Lebensgefährte soll den „Reichsbürgern“ angehören. Das Strafmaß fiel dennoch recht milde aus.

Die Fahrt mit einem „Fantasiekennzeichen“ brachte eine Langenerin nun vor Gericht. Das Vergehen hatte jedoch seine Brisanz darin, dass die Angeklagte dem Chef des Amtsgerichts Langen, Volker Horn, ein Schreiben zukommen ließ, worin dieser aufgefordert wurde, „bestimmte Dinge“ umzusetzen – sonst würde sie eine hohe Geldsumme einfordern. Dieser Sachverhalt war jedoch nicht Gegenstand der Verhandlung, sondern das Fahren mit einem nicht zugelassenen und zudem auch nicht versicherten Fahrzeug.

Der schwarze Smart war mit einem gefälschten Kennzeichen des Diplomatischen Corps (CD) unterwegs. Auch kam die Angeklagte einer Vorladung zur Vernehmung auf der Polizeistation in dieser Sache nicht nach. Sie bezog sich auf den Status der „Reichsbürger“, denen ihr damaliger Lebensgefährte angehört.

Wer nicht vermutet hatte, dass die adrett gekleidete Frau mit gepflegtem Erscheinungsbild im Amtsgerichtes Langen die Angeklagte sein würde, wurde überrascht, als genau diese von ihrem Anwalt in den Gerichtssaal D geleitete wurde. Dort rief der Vorsitzende Volker Horn die Verhandlung zur Sache Yvonne G. auf.

Die gefasst wirkende Dame, Jahrgang 1974, erklärte zu ihren Personalien, dass sie in Berlin-Wilmersdorf geboren wurde, seit geraumer Zeit in Langen wohnt und in der Computerbranche gearbeitet habe – „bis man mich im August vergangenen Jahres vor die Tür gesetzt hat“, so die Angeklagte. Hintergrund sei ihr körperlicher Zustand gewesen.

„Ich konnte aufgrund der ganzen Problematik mit den Behörden, aber auch den Streitereien mit meinem Partner kaum noch schlafen, das hat an meinen Nerven gezehrt“, berichtete Yvonne G. unter Tränen. Dies hätte auch zu einem Nervenzusammenbruch geführt, weshalb sie zu der bereits im vergangenen Oktober angesetzten Verhandlung nicht erscheinen konnte.

Das mehr als 17 Jahre dauernde Verhältnis zu ihrem Partner bezeichnete sie als endgültig gescheitert, obwohl sie hin und wieder noch per Handy Kontakt hätten. „Wegen der schönen Momente, die wir doch hatten“, begründete dies die Angeklagte.

Den Aufenthaltsort von Micha S. will sie jedoch nicht kennen. Aufgrund von Mietschulden erfolgte eine Räumungsklage der gemeinsam genutzten Wohnung. „Ich bin glücklicherweise jetzt bei einer Freundin in einer WG untergekommen“, sah die Beschuldigte wieder einen Lichtblick für die Zukunft. Derzeit lebt sie von Arbeitslosenhilfe, vom 1. Februar an bezieht sie dann eine Arbeitsunfähigkeitsrente, die bei rund 630 Euro liegt, wie Yvonne G. bestätigte.

Für den Vorsitzenden der Gerichtsverhandlung war es von Bedeutung, herauszufinden, ob die Angeklagte vom nicht zugelassenen Fahrzeug wusste. „Ihnen müssen doch die Schilder mit den blauen Buchstaben und Zahlen etwas ungewöhnlich vorgekommen sein?“, fragte Volker Horn die Angeklagte. Sie berief sich auf einen ungemütlichen Januarmorgen, an dem sie nur mal kurz zum Einkaufen fahren wollte. Dabei fiel einer Polizeistreife das bereits zur Fahndung ausgeschriebene Fahrzeug auf.

Nicht geklärt werden konnte, wer die per Postzustellungsurkunde ergangene Mitteilung der Versicherung über den nicht mehr vorhandenen Versicherungsschutz entgegennahm. „Wenn die Post kam, war mein Freund zu Hause, ich habe ja gearbeitet“, so Yvonne G.

Richter Volker Horn nahm sie jedoch hier in die Pflicht, da sie als „Besitzerin“ des Fahrzeugs, wie sie selbst bestätigte, auch für einen gültigen Versicherungsschutz und amtliche Kennzeichen zu sorgen habe. Als strafmildernd erkannte der vorsitzende Richter die Abwendung der Angeklagten Yvonne G. von ihrem langjährigen Partner – einem „Reichsbürger“ – an.

Er setzte ein mildes Strafmaß von 600 Euro, die an die Bürgerstiftung Langen zu zahlen sei, fest. „Ich werde das schon irgendwie aufbringen“, meinte die sichtlich erleichterte Angeklagte, die mit monatlichen Raten à 100 Euro ihre Strafe tilgen will.

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