Prozessurteil in Langen

Dreister Schwarzfahrer erhält neun Monate auf Bewährung

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Mit gewaltigen Bedenken, aber der Hoffnung, der Verurteilte könne doch noch ein besseres Leben anfangen, gab es gestern vor dem Amtsgericht in Langen für einen 26-Jährigen eine Bewährungsstrafe.

Mit gewaltigen Bedenken, aber der Hoffnung, der Verurteilte könne doch noch ein besseres Leben anfangen, gab es gestern vor dem Amtsgericht in Langen für einen 26-Jährigen eine Bewährungsstrafe. Der Mann war, mit einer gehörigen Portion Dreistigkeit ausgestattet, innerhalb weniger Monate in der S-Bahn 19 mal beim Schwarzfahren erwischt worden. Aber gelernt zu haben scheint er daraus nichts. Deshalb musste er sich nun vor dem Langener Amtsgericht verantworten.

Der 26-Jährige – ohne Schulabschluss, Ausbildung und geregelte Arbeit – war im gesamten Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) und darüber hinaus unterwegs. Zum Prozess in Langen wurde er aus der Haft in Weiterstadt vorgeführt. In seinem bisherigen Leben hat der Mann bereits sechs Jahre und drei Monate in Haft verbracht. Immer wieder hatte er gegen Bewährungsauflagen verstoßen. „Er ließ sein Leben treiben“, befand gestern die Vertreterin der Anklage.

Das sah Amtsrichter Volker Horn nicht anders. „Wie soll es denn mit Ihnen weitergehen?“, fragte er den Angeklagten. Ohne Anwalt, aber geständig, machte dieser auf reuigen Sünder. Er sehe ja ein, dass man es nicht so machen dürfe, wie er bis jetzt.

Aber ab sofort solle alles anders werden, kündigte er dem Gericht an. Er habe eine Frau gefunden, mit der er eine Tochter habe, und der wolle er ein besseres Vorbild sein, als er es je im Leben selbst gehabt habe. Der 26-Jährige ist ohne Eltern und immer wieder in wechselnden Heimen oder Pflegefamilien groß geworden.

Aus der Haft in Weiterstadt heraus habe er sich sogar mit der Deutschen Bahn und dem RMV geeinigt. Sobald er wieder Geld verdienen könne, werde er anfangen, seine Schulden bei der Bahn abzustottern. Die sei damit einverstanden, auch wenn nur kleine Summen, eher Sümmchen, flössen, berichtete der Angeklagte. Nach der aktuellen Haft könne er endlich ein geregeltes Leben anfangen, kündigte er hoffnungsfroh an. Denn sein Schwager wolle ihn in seinem Betrieb beschäftigen.

Das wiederum stimmte den Amtsgerichtsdirektor milde. Volker Horn verurteilte den 26-Jährigen zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Zu dieser gehören 200 Stunden soziale Arbeit und die Aufsicht eines Bewährungshelfers für die nächsten drei Jahre nach der aktuellen Haft.

(sc)

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