Bei dem Brand im Januar 2017 überlebten eine junge Frau und ihr Bruder nur dank der sorgfältigen Arbeit der Feuerwehr.
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Bei dem Brand im Januar 2017 überlebten eine junge Frau und ihr Bruder nur dank der sorgfältigen Arbeit der Feuerwehr.

Düstere Prognose für Brandopfer

  • VonWalter Scheele
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Wegen eines Streits soll ein 21-Jähriger einen Brand gelegt und damit seinen eigenen Tod ebenso wie den seiner Freundin und von deren Bruder in Kauf genommen haben. Der Angeklagte schweigt weiter.

Immer mehr schreckliche Details wurden am gestrigen Freitag über den Brand eines mehrgeschossigen Wohnhauses in der Langener Marienstraße 4 bekannt. Am zweiten Verhandlungstag um den Brand am 18. Januar 2017 hörte die 2. Große Strafkammer eine Ärztin und die Betreuerin des damals 14-jährigen schwer verletzten Brandopfers.

Der 14-Jährige erlitt bei dem Brand nicht nur eine die Atemwe-ge schwer schädigende Rauchgasvergiftung, sondern atmete auch große Mengen Kohlenmonoxid ein. Das zerstörte große Teile seines Gehirns. Er verlor nicht nur seine Sprache, sondern es bleibt auch unklar, wie weit er seine Umwelt noch bewusst wahrnimmt.

Besserung nicht in Sicht

Die 63-jährige Frankfurter Fachärztin stellte vor Gericht eine düstere Prognose für das künftige Leben des jetzt fast 16-Jährigen. Er werde sein Leben weiterhin mehr im Bett als im Rollstuhl verbringen müssen. Eine wesentliche Besserung seines Zustandes sei aus medizinischer Sicht nicht zu erwarten.

Das bestätigte auch die amtliche Betreuerin. Sie berichtete weiter, dass nur ein Cousin den in einem Offenbacher Kinderheim leben-den, mit einer Magensonde ernährten jetzt noch 15-Jährigen besuche. Der Cousin habe berichtet, es habe den Anschein, als verstehe er wenige Worte in bulgarischer Sprache. Aber äußern könne er sich nur durch Lächeln.

Nicht auffindbar

Der angeklagte 21-jährige mutmaßliche Brandstifter äußerte sich auch am zweiten Verhandlungstag weder zum Brandgeschehen noch zu seinen Personalien. Er selbst erlitt lediglich eine Rauchvergiftung, die ohne wesentliche Folgen blieb. Die damals 20-jährige Schwester des Schwerverletzten kann zum Geschehen während und vor dem Brand nicht gehört werden. Die junge Frau hält sich im Ausland, entweder Bulgarien oder Niederlande, auf und ist nicht auffindbar.

Zeugenaussagen sprechen davon, dass diese Frau und der mutmaßliche Brandstifter ein Paar gewesen seien. Weil sie ein Verhältnis mit dem türkischen Vermieter gehabt haben soll, kam es zum Zerwürfnis des Paares. Deshalb soll der 21-Jährige den Brand im Erdgeschoss des Hauses gelegt haben, um seine Lebensgefährtin, ihren Bruder und sich selbst umzubringen.

Der Prozess soll am 29. Juni fortgesetzt werden. Mit einem Urteil wird im Juli gerechnet.

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