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Das Ende einer erfolgreichen Ära

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Von: Leo Postl

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Katja Willers sitzt nun fest im Sattel des Kronenhofs, den sie von ihrer Mutter Elisabeth Oppermann-Willers übernommen hat.
Katja Willers sitzt nun fest im Sattel des Kronenhofs, den sie von ihrer Mutter Elisabeth Oppermann-Willers übernommen hat. © Leo F. Postl

Nach 42 Jahren hat der Langener Kronenhof beschlossen, seine Dressurturniere nicht mehr zu veranstalten. Die Vernunft habe dies einfach geboten, erklärt Elisabeth Oppermann-Willers.

Um diese Jahreszeit wiesen immer große Plakate an den Einfallstraßen und im Langener Stadtgebiet auf das große Dressurturnier auf dem Kronenhof hin. In diesem Jahr fehlen diese – und sie wird es auch nicht mehr geben. Die erfolgreiche Serie von anfangs Reit- und Sprungturnieren und später nur noch Dressurturniere auf dem Kronenhof sind Geschichte. Es wird in Langen kein Fest der tanzenden Pferde mehr geben. Seit Dezember vergangenen Jahres hat Elisabeth Oppermann-Willers den Kronenhof an ihre Tochter Katja übergeben und fühlt sich als „Unruheständlerin“, die im September ihr 65-jähriges Wiegenfest feiern kann, recht wohl.

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, steht als Abschiedsgruß auf der Homepage des Reit- und Fahrvereins Langen. Dennoch war es für das Team um Kronenhof-Chefin Elisabeth Oppermann-Willers die berühmte „schwere Geburt“, sich gegen eine Fortführung der Turnierreihe, die es seit 42 Jahren gab, zu entscheiden. „Ja, es ist mir nicht leicht gefallen, und es tut immer noch weh, aber die Vernunft gebietet es einfach“, erklärt Oppermann-Willers. Der kleine Verein hat über viele Jahre hinweg Großes geleistet und konnte sich auf viele treue Förderer verlassen. Doch der Wandel der Zeit, dies betrifft den Generationswechsel in der Reiterei ebenso wie jenen in den Chefetagen der Sponsoren, hat für die ehemalige Kronenhof-Chefin jene Veränderungen mit sich gebracht, die nicht mehr ihre sind.

Verlässliche Partner nötig

In den vergangenen Jahren hat man fast nur noch für das Dressurturnier, das weit über die Grenzen der Sterzbachstadt hinaus bekannt war, gelebt. „Meine Tochter Katja hat sich um die reiterlichen Aspekte gekümmert und ganz Deutschland abtelefoniert. Ich selbst habe alles, was die Schreibtischarbeit betrifft, erledigt“, beschreibt Elisabeth Oppermann-Willers. Jetzt wäre wieder die Zeit des Dressurturniere in Langen und das Kronenhof-Team erlebt eine Zeit ohne Stress; eine Situation, wie sie es in den vielen Jahren zuvor nicht gab. „Ich habe sogar Zeit darüber nachzudenken, ob diese Entscheidung richtig war“, sagt Elisabeth Oppermann-Willers scherzhaft und fügt hinzu, dass es keine Alternative gab.

Mit einem Budget von rund 65 000 Euro allein für das Dressurturnier bedarf es vieler verlässlicher Partner, um nicht mit einem dicken Minus heraus zu kommen. „Genau das ist im vergangenen Jahr passiert, es hat uns nicht umgebracht, der Verein hat ein gutes Polster, doch dies hätte sich so fortgesetzt“, schildert die „Rentnerin vom Kronenhof“, wie sie sich scherzhaft nennt, die Situation.

Um gute Sponsoren bei der Stange zu halten oder gar neue zu gewinnen, bedarf es zugkräftiger Starter beim Turnier. Die guten Dressurreiter gehen sich aber schon mal gezielt aus dem Weg. Sie melden sich bei zwei Turnieren an und entscheiden dann in letzter Minute wo sie wirklich starten.

Dank an die Helfer

Dies musste Oppermann-Willers gerade bei der letzten Auflage des Turnieres erfahren – es gab viele kurzfristige Absagen. „Das ist zwar alles legal, aber für den Veranstalter und seine Sponsoren gegenüber alles andere als förderlich“, betont Oppermann-Willers. Nach dem Turnier saßen alle zusammen und als Elisabeth Oppermann-Willers ihre Entscheidung verkündete, das Turnier nicht mehr fortführen zu wollen, gab es nur zwei bis drei, die sich dagegen aussprachen.

„Das waren aber nur die Ältesten, die seit Jahren immer dabei waren und bis an ihre Leistungsgrenze gingen“, betont Oppermann-Willers. Allen voran sei hier der 79-jährige Roland Busch und Bernd Herrmann, der inzwischen auch 75 Lenze zählt, genannt. Und auch Elisabeth Oppermann-Willers, die immer auf eine perfekte Ausrichtung des Turnieres bedacht und selbst omnipräsent war, spürte das Herannahen des Rentenalters.

Nun ist die Sache entschieden, und alle Entscheidungsträger stehen dazu. Als Ausbildungs- und Leistungszentrum für Dressursport stehen mit Katja Willers sowie Stefan Lange weiterhin zwei erfahrene Pferdewirtschaftsmeister zur Verfügung.

Elisabeth Oppermann-Willers dankt allen, den treuen Sponsoren und den vielen Helfern. „Der Betrieb läuft auch ohne Turnier gut und die Entscheidung, einen zwar harten Schnitt gemacht zu haben, als ein schleichend immer niveauloseres Turnier fortzuführen, war für uns alle gut“, sagt Elisabeth Oppermann-Willers.

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