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Franz Scheidel wirbt schon seit langem für den Ausstieg aus der Atomkraft.

Demonstration

Atomkraftgegner um Franz Scheidel versammeln sich am Montag zu ihrer 100. Mahnwache

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Am 11. März 2011 kam es zum Super-GAU im japanischen Fukushima. Seitdem demonstriert die Gruppe „Langen gegen Atomkraft“ regelmäßig für den Ausstieg aus der Kernenergie. Am Montag, 3. Dezember, versammeln sich die Atomkraftgegner sich zu ihrer 100. Mahnwache.

Mit Mini-Atomkraftwerken aus Gebäckröllchen und Schokoküssen, natürlich mit der gelben Fahne mit der roten Sonne und dem bekannten „Atom-Kraft – Nein Danke!“-Aufdruck versehen, aber vor allem mit ganz viel Information und Aufklärung werden Franz Scheidel und seine Mitstreiter auch nach siebeneinhalb Jahren nicht müde, für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie zu werben. Für Montag, 3. Dezember, 18 Uhr, lädt die Gruppe „Langen gegen Atomkraft“ zum 100. Mal zur Mahnwache auf den Lutherplatz ein.

Seit dem Frühjahr 2011 machen Scheidel & Co. sich für den Rückzug aus der Atomenergie ohne Wenn und Aber stark. Der Super-GAU von Fukushima ließ den engagierten Langener im März 2011 den Entschluss fassen, in Langen zu einer Mahnwache aufzurufen. Nur einen Tag, nachdem der Atomunfall in Japan bekannt geworden ist, zählte Scheidel zu jenen 60 000 Leuten, die eine Menschenkette am Atomkraftwerk in Neckarwestheim bildeten. Eine Mahnwache in Dreieich inspirierte ihn, in Langen ebenfalls eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Ungefähr 100 Menschen versammelten sich seinerzeit mit Fahnen, Schildern und betroffenen Mienen am Langener Rondell.

Schnell sei ihm klar gewesen, „dass ich verhindern will, dass alle kommen, demonstrieren und sich wieder hinlegen“, sagt Scheidel rückblickend. „Ich wollte den Atomausstieg und das Engagement dafür hier bei uns in der Stadt langfristig thematisch besetzen.“

Vom wöchentlichen Rhythmus der Mahnwachen rückte Scheidel alsbald ab – „ich wollte die Menschen nicht überstrapazieren.“ Einmal im Monat, im Normalfall am ersten Montag, organisiert er seither das Treffen auf dem Lutherplatz. „Mir sind dabei Aufklärung und Information ganz wichtig“, unterstreicht der Umweltaktivist.

Information und Wissen

Mal informieren Gastredner über spezielle Themen wie etwa den Euratom-Vertrag, der die Bundesrepublik verpflichtet, die Kernenergie zu fördern. Mal waren auch Gäste aus Japan da, die vom Umgang der Regierung mit dem Super-GAU berichteten. Der inzwischen gestorbene Elmar Dietz berichtete aus erster Hand von seinen Erfahrungen als „Vater des Todes der Atomfabriken in Hanau“ und sogar Gregor Gysi, Galionsfigur der Linken, hat schon am Lutherplatz gesprochen.

„Meist kommen zwischen 30 und 40 Personen zu den Mahnwachen. Als Gregor Gysi da war, waren es 100. Aber eigentlich ist es egal, wie viele Leute kommen. Wir wollen nicht als Sektenprediger das Ende der Welt heraufbeschwören. Es geht um Information und Wissen“, betont Franz Scheidel.

Denn Fukushima, sagt der Initiator der Mahnwachen, sei nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. „Bis heute machen sich die Leute für unsere Gruppe stark, die schon zur Generation Tschernobyl gehört haben“, soScheidel. „Die meisten von uns haben nach dem Unfall in Russland schon demonstriert. Diese Katastrophe ist bloß über das Leben aus dem Fokus gerückt.“

Energiewende als Ziel

Der 2010 von der Bundesregierung beschlossene „Ausstieg vom Atomausstieg“ habe die Aktivisten schon bewegt – „der Unfall in Fukushima hat dann alle wieder auf die Straße getrieben“. Aus der Langener Gruppe, gemeinsam mit Aktiven aus Dreieich, gründete sich der Verein „Bye Bye Biblis“, der die Information rund um erneuerbare Energien, deren Förderung und die Energiewende an sich zum Ziel hat.

Dabei ist Scheidel bundesweit über den Verein „Ausgestrahlt“ vernetzt und hat mit „Bye Bye Biblis“ schon drei große Messen in Sprendlingen und Neu-Isenburg organisiert. Das Ziel: „Wir wollen dafür sorgen, dass die acht verbleibenden Atomkraftwerke möglichst früh abgeschaltet werden – spätestens aber zum vertraglich vereinbarten Ausstieg im Jahr 2022“, betont Scheidel. „Ein Ende des Protests ist nicht in Sicht.“

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