Internationale Jesus Gemeinde

„Die entspannte Atmosphäre zieht auch junge Leute an“

500 Jahre Reformation – ein weiter Weg der Spaltung , die zu den beiden christlichen Kirchen geführt hat. Neben den katholischen und evangelischen Kirchen gibt es auch diverse freikirchliche Gemeinden. In Langen hat FNP-Reporterin Nicole Jost die Internationale Jesus Gemeinde besucht und mit Pfarrer Josh Gilliland und Gemeindeältestem Thomas Tschur über ihren Alltag und das Leben mit ihrem Glauben gesprochen.

Schon seit 2005 feiert die Internationale Jesus Gemeinde in Langen ihre Gottesdienste im alten UT Kino in der Rheinstraße. Seit fast drei Jahre, als der Kinobetreiber aufgab, ist das alte Kino ganz die Heimat der 90 Gemeindemitglieder geworden.

„Unser Glaube unterscheidet sich nicht sehr von den christlichen Kirchen hier vor Ort. Auch wir glauben an Vater, Sohn und Heiligen Geist“, erklärt Pfarrer Josh Gilliland, „Der wohl markanteste Unterschied liegt in der Taufe, die bei uns eine bewusste Entscheidung im Jugend- oder Erwachsenenalter ist“, so der Pfarrer.

Die Gottesdienste sind immer gut besucht, der Saal mit 120 bis 150 Besuchern – darunter viel Gäste – voll besetzt. „Und das Besondere bei uns ist auch, dass der Altersdurchschnitt sehr niedrig ist, rund 50 Prozent der Gemeindemitglieder sind noch unter 30 Jahren“, berichtet Thomas Tschur, Gemeindeältester der IJG in Langen.

Warum hat die internationale Gemeinde gerade bei den jungen Leuten einen solchen Erfolg? „Ich denke, es ist die entspannte Atmosphäre hier, die Musik in den Gottesdiensten und die Gemeinschaft“, erklärt Tschur. Aber dennoch ist die Gemeinde in der Rheinstraße kein netter Jugendclub, in dem immer was los ist. „Das wichtigste ist die Liebe Gottes. Die Begegnung mit dem Glauben und mit Jesus. Die Beschäftigung damit macht die Menschen besser“, ist Josh Gilliland überzeugt. Viele Menschen suchen ihren Platz im Leben und in der Welt: „Mit Gott haben wir es immer leichter. Wir feiern diese persönliche Beziehung zu unserem Schöpfer“, so der Pfarrer weiter. „Wenn das nicht im Interesse von neuen Besuchern unserer Gottesdienstes ist, und sie nur wegen der netten Leute und der Musik kommen, dann bleiben sie meist irgendwann auch wieder weg. Langfristig dabei sind diejenigen, die sich mit den wichtigen Glaubensfragen beschäftigen und hier merken, dass Gott sehr real ist“, berichtet Thomas Tschur. Die Grundlage des Glaubens ist auch bei der IJG die Bibel – und die wird nicht nur im Gottesdienst gelesen, sondern auch in regelmäßigen Bibelstunden, zu denen die Mitglieder in Kleingruppen zusammen kommen.

Das Gemeindeleben ist lebendig. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten und den Bibelstunden werden zwei Jugendgruppen angeboten, und ein Mal im Monat nutzt die Internationale Jesus Gemeinde den Gemeindesaal für den ursprünglichen Zweck des Gebäudes, für ein Kulturkino. In Langen ist die Gemeinde auch für ihre großartigen Musicalaufführungen zu Ostern sehr bekannt geworden. 2016 war die letzte Inszenierung, wobei die Neue Stadthalle an Ostern mit der Auferstehungsgeschichte zwei Mal komplett ausverkauft war.

Spannend ist das Finanzierungskonzept der IJG: Es gibt keinerlei staatliche oder kirchliche Förderung für das Gemeindeleben. Aber das Gebäude, die Pfarrstelle und ein Vikar müssen finanziert sein. „Wir stemmen unsere Ausgaben ausschließlich über die Kollekte und Spenden. Das ist aber auf komplett freiwilliger Ebene. Niemand schaut, wer wie viel in den Kollektentopf steckt“, sagt Thomas Tschur. Viele der Gemeindemitglieder investieren auch Zeit. Gerade in diesen Tagen hat eine Gruppe junger Leute das Foyer gestrichen.

In die „Sekten-Ecke“ wird die IJG übrigens nie gesteckt: „Damit haben wir glücklicherweise kein Problem. Wir haben auch gute Kontakte in die Stadt und auch zu den anderen christlichen Gemeinden in Langen“, sagt Thomas Tschur.

Und wie halten es die Mitglieder der IJG in Langen mit Luther? „Luther ist auch der Vater unserer Bewegung. Er hat die Tür aufgemacht für die Menschen, sich die Bibel zu erschließen. Er hat es erst möglich gemacht, dass die Menschen die Bibel lesen und eine persönliche Beziehung zu Gott aufbauen können und der Dialog mit ihm eben nicht nur durch die Institution Kirche möglich ist“, so der Pfarrer. Die Bedeutung der Reformation hänge auch in der Internationalen Jesus Gemeinde so hoch, dass das Kirchenoberhaupt aus den USA zu den Feierlichkeiten nach Berlin reist.

Die Gemeinde in Langen bereitet sich indes schon jetzt auf die Weihnachtsgottesdienste vor. Weil diese an Heiligabend immer so voll waren, wird es dieses Jahr erstmals zwei Gottesdienste geben, um 15 und 16.30 Uhr.

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