Kinderbetreuung ist Mangelware

Flugbegleiterin sucht verzweifelt Betreuungsplätze für ihre Söhne

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Eigentlich gibt es eine Garantie auf einen Betreuungsplatz für Kinder. Doch in der Realität sieht das ganz anders aus. Diese Erfahrung musste eine Langener Mutter machen.

Jolène Bester-Vujevic ist eine sehr glückliche Frau. Sie hat im Oktober vergangenen Jahres zwei niedliche und glücklicherweise sehr gesunde Jungs auf die Welt gebracht, die sich prächtig entwickeln. Und doch gibt es ein paar dunkle Wolken über der jungen Familie: Die gebürtige Südafrikanerin hatte sich perfekt auf die Ankunft der Zwillinge vorbereitet und schon direkt, als sie erfuhr, dass sie schwanger ist, zwei Kinderbetreuungsplätze für den Herbst 2017 bei der Stadt Langen angemeldet. „Ich möchte und muss auch wieder arbeiten, und da weder ich noch mein Mann in Deutschland Familie haben, sind wir auf Kinderbetreuung angewiesen“, erklärt die sympathische Langenerin.

Als Flugbegleiterin will sie im September 2017 wieder mit einer halben Stelle einsteigen – und braucht dann eine U 3-Betreuung für die Zwillinge. „Ich war wieder im Rathaus, und ich bin ehrlich gesagt auf ziemliche Gleichgültigkeit und nicht unbedingt auf Sympathie gestoßen“, sagt die 39-jährige. Der Mitarbeiter im Rathaus habe ihr mitgeteilt, dass er derzeit keine Aussicht auf zwei Plätze für die Jungs im Herbst gebe. Mit einer Teilzeitstelle bekomme sie zudem weniger Punkte, die bei der Vergabe der Plätze entscheidend seien, als eine Vollzeit tätige Mutter. „Ich bin wirklich verzweifelt, denn wir haben alles rechtzeitig eingereicht, haben uns früh um Kinderbetreuung gekümmert. Ich habe in dem Büro der Stadt bei dem Mitarbeiter erst einmal geweint“, sagt Jolène Bester-Vujevic.

Doch nicht nur bei der Stadt Langen ist es knapp mit U 3-Plätzen, auch das Zenja konnte ihr bezüglich einer Tagesmutter wenig Hoffnung machen. „Ich habe mich erkundigt, dort ist es wohl ein Problem, dass wir eine 7 bis 17 Uhr-Betreuung brauchen. Wenn ich fliege, muss sich mein Mann um die Kinder kümmern, und der geht auch arbeiten“, so die zweifache Mama weiter.

Sie hat alle ihr bekannten Optionen genutzt, bei der städtischen Anmeldung hat sie alle 15 Einrichtungen angekreuzt, sie hat die Kinder zudem am Frankfurter Flughafen und in Sindlingen in den beiden Lufthansa-Kinderbetreuungseinrichtungen angemeldet, die derzeit aber auch keine Kapazität haben, und sie hat einen Termin im Jugendamt beim Kreis Offenbach wahrgenommen, das für die Vermittlung von Tagesmüttern kreisweit zuständig sind. „Wenn das alles nichts bringt, sind wir auch bereit, den Klageweg zu bestreiten – denn wir haben ein Anrecht auf Kinderbetreuung“, so Jolène Bester-Vujevic, die nicht einfach aufgeben will.

Der späteste Termin für einen Platz ist der 1. November, die Zeit davor könnte ihre Mutter, die eigens aus Südafrika anreist, überbrücken. Aber danach weiß sie derzeit noch nicht, wie es weitergeht. „Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, denn ich will auch meinen Beitrag für die Gesellschaft leisten und werde daran gehindert.“

Sandra Wettlaufer, Fachdienstleiterin im Langener Rathaus für die Kinderbetreuung, kann Jolène Bester-Vujevic derzeit nicht allzu viele Hoffnungen machen. „Die aktuellen Zahlen kommen erst am 22. April, aber sie werden sich im Vergleich zum November, als 138 Kinder unter drei Jahren auf der Warteliste standen, nicht maßgeblich geändert haben“, bedauert Wettlaufer. Die Stadt gebe sich Mühe, die Kita Bullerbü im Belzborn ist im Bau, in der Kita Mittendrin können nicht alle U 3-Plätze besetzt werden, weil noch immer Personal gesucht wird, die Kita der evangelischen Kirche in Oberlinden ist bald fertig, und mit dem Bau der Awo-Kita wird bald begonnen.

Aber das dauere alles seine Zeit. „Sobald wir wieder neue Plätze frei haben, starten wir neue Belegungsrunden. Da gibt es auch immer mal wieder kleine Kapazitäten, weil jemand wegzieht oder Eltern ihre unter Dreijährigen doch noch nicht in eine Einrichtungen geben wollen“, sagt Sandra Wettlaufer. Jolène Bester-Vujevic ist also keinesfalls alleine mit ihren fehlenden Betreuungsplätzen – aber das wird die Langenerin nicht trösten.

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