Abfallwirtschaft

Gemeinsame Wege beim Müll

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Langen und Egelsbach wollen ihre Müllabfuhr und Abfallentsorgung effizienter und bürgernäher gestalten. Das soll über eine interkommunale Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Wertstoffhof geschehen.

Es ist ein großer Wurf innerhalb der oft propagierten interkommunalen Zusammenarbeit: In der Abfallwirtschaft gehen Langen und die Nachbargemeinde Egelsbach gemeinsame Wege. Müllabfuhr und Abfallentsorgung sollen künftig effizient und bürgernah gestaltet werden. Ab dem 1. Januar 2019 organisieren die Kommunen diese Dienstleistungen zusammen. Dazu gründen sie die Abfallservice Langen Egelsbach GmbH (ALEG) als gemeinsame Gesellschaft. Für die Langener und die Egelsbacher Bürger führt das nicht zu Veränderungen: Das Gebührensystem und der Abfuhrrhythmus bleiben in der jeweiligen Kommune wie gehabt.

Neuer Standort für den zentralen und gemeinsamen Wertstoffhof wird dann vom 1. Januar an die erst im August von den Kommunalen Betrieben Langen (KBL) eröffnete Einrichtung an der Darmstädter Straße neben der Feuerwehr sein, die in unmittelbarer Nähe zur Ortsgrenze von Egelsbach liegt. „Das ist rein geografisch und von der zeitgemäßen Ausstattung und Infrastruktur her der ideale Standort“, betont Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne).

Richtiges Neuland muss dabei nicht betreten werden: Langen ist bisher mit seinen Kommunalen Betrieben und deren Tochter Abfallservice Südhessen GmbH (ASG) bei der Müllabfuhr in Egelsbach mit im Boot. In Langen selbst leert die ASG ebenfalls die Tonnen. Die KBL waren ursprünglich an der Gesellschaft mit 51 Prozent beteiligt, die Veolia Umweltservice West GmbH hielt den Rest. Im Vorgriff auf die interkommunale Zusammenarbeit hatte die KBL im Laufe dieses Jahres den von der Veolia gehaltenen Anteil an der ASG zurückgekauft, um aus ihr eine rein kommunale Gesellschaft ohne private Beteiligung zu machen. An ihr kann nun die Gemeinde Egelsbach beteiligt werden. Vorteil ist, dass diese Gesellschaft gemäß EU-Vergaberecht Aufträge ohne öffentliche und europaweite Ausschreibung von den kommunalen Gesellschaftern annehmen darf.

Davon versprechen sich beide Partner Einsparungen. Erklärtes Ziel sei es auch, Verwaltungsprozesse zu vereinfachen und Entlastungen der Gebührenhaushalte zu erreichen. Egelsbach soll 25 Prozent und Langen 75 Prozent der Anteile halten. Die Gemeindevertretung in Egelsbach hat dem bereits Anfang Oktober zugestimmt. In Langen wurde die Vorlage jetzt in der KBL-Betriebskommission befürwortet. Die Beratungen im Haupt- und Finanzausschuss sind für Donnerstag, 1. November, terminiert, eine Beschlussfassung durch das Stadtparlament ist für Donnerstag, 6. Dezember, vorgesehen.

Für Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) ist es wichtig, dass die Beschlüsse der ALEG partnerschaftlich getroffen werden. „Daran habe ich aufgrund der ausgearbeiteten Verträge und den bisherigen Gesprächen keine Zweifel.“ Für Egelsbach kommt die Partnerschaft zur rechten Zeit. „Da die aktuellen Verträge für die Sammlung von Hausmüll, Altpapier, Biomüll und Sperrmüll Ende 2018 auslaufen, bestand für uns ohnehin Handlungsbedarf. Überdies hätte unsere Wertstoffannahmestelle an der Heidelberger Straße in ihrer aktuellen Prägung nicht mehr weiterbetrieben werden können, und einen neuen Standort für sie gibt es nicht.“ Einzig der Dienstleistungsvertrag, der die Sammelbedingungen und die Regelungen zum Wertstoffhof umfasst, bedürfe noch der Zustimmung der Egelsbacher Gremien, teilte Wilbrand mit.

Anfang 2019 beginnt – vorausgesetzt alle Beschlussorgane geben grünes Licht – die schrittweise Umsetzung. Dann können die Egelsbacher etwa ihren Sperrmüll, Elektroschrott oder Bauschutt in die Darmstädter Straße bringen. An der Müllabfuhr wird sich nicht viel ändern, weil sie ja ohnehin schon von Langen aus organisiert wird. Für den Wertstoffhof trägt Egelsbach die anteiligen Personal- und Grundstückskosten und beteiligt sich in diesem Verhältnis auch an den Entsorgungskosten. Auf der anderen Seite werden die Erlöse für den Weiterverkauf von Wertstoffen und die Gebühreneinnahmen anteilig aufgeteilt.

Nach den Beschlussvorlagen spart Egelsbach durch die Zusammenarbeit im Vergleich zum Status quo mehr als 100 000 Euro im Jahr, in Langen sind es kaum weniger.

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