IHK-Projekt

Junge Flüchtlinge lernen Berufe kennen

  • schließen

Die hochspezialisierte deutsche Arbeitswelt ist für viele junge Flüchtlinge ein unbekanntes Terrain. Das Berufsorientierungscamp dient ihnen als erster Wegweiser und kann helfen, den richtigen Ausbildungsberuf zu ergreifen. Dabei haben die Initiatoren noch einige Wünsche.

Konzentriert spannt Azimi das Metallstück in den Schraubstock ein, richtet den Bohrer aus, stellt die richtige Umdrehungszahl ein, aktiviert die Maschine und beginnt zu bohren, während er stetig eine Kühlflüssigkeit auf sein Arbeitsgerät kippt. Azubi Florian beobacht jede der Handbewegungen des 25-jährigen Afghanen genau und ist zufrieden: „So wird’s gemacht. Sehr gut!“, lobt er Azimi, der stolz zurücklächelt. Eine Szene an der Durchgangsbohrmaschine, einer von insgesamt acht Stationen in einer Halle der Ausbildungsfirma Pittler im Langener Gewerbegebiet.

Das Berufsorientierungscamp, zum fünften Mal initiiert von der IHK Offenbach und neben der Pittler Pro Region Berufsausbildung GmbH noch vom Langener Metallverarbeiter Schoder GmbH unterstützt, bietet jungen geflüchteten Menschen wertvolle Einblicke in technische Berufe und ihren Ausbildungsweg. 32 Teilnehmer im Alter von 16 bis 27 Jahren aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und Guinea – in Gruppen von je acht Teilnehmern pro Tag – testen an vier Tagen ihre Fähigkeiten und Neigungen, angeleitet von Auszubildenden und Ausbildern der Firmen Pittler und Schoder.

Dass die Flüchtlinge hier von etwa Gleichaltrigen angeleitet werden, hat nach Pittler-Geschäftsführer Thomas Keil Vorteile: „So verlieren sie schneller ihre Scheu und fühlen sich auf Augenhöhe.“ Im Gespräch der jungen Leute untereinander gebe es keine Hierarchien, die Hemmungen fallen und die Flüchtlinge trauten sich auch, ihre Fragen zu stellen. Er sei „positiv überrascht gewesen, wie engagiert und ehrgeizig die Flüchtlinge sind“. Oft würde so der Brückenschlag gelingen „und wir können auf Vorkenntnisse der jungen Leute aufbauen – oder Neigungen wecken“.

Interesse für ein neues handwerkliches Fachgebiet zu schüren, ist auch nötig, denn „fast jeder junge Geflüchtete, der zu uns in die Sprechstunde kommt,“ berichtet IHK-Projektleiterin Jana Maria Kühnl, „möchte KFZ-Mechatroniker werden.“ Geschuldet sei dies wohl dem sprichwörtlich Ruf des „Autolandes“ Deutschland, dem Umstand, „dass fast jeder junge Mann in seiner Heimat schon mal an Autos rumgeschraubt hat“ und schlicht an der fehlenden Kenntnis über andere Berufe. Mitbringen müssten die Teilnehmer des Camps nach ihren Worten neben ihrer Neugier auch ein „gewisses Niveau der deutschen Sprache“, betont sie.

Alle Teilnehmer am Camp erhalten ein Zertifikat. Im Anschluss bespricht Jana Maria Kühnl gemeinsam mit den Geflüchteten und ihren Betreuern, wie es weitergehen kann. „Hier klären wir die Fragen, ob noch Deutschförderung notwendig ist, es direkt in eine Ausbildung gehen kann und ob die Einstiegsqualifizierung eine geeignete Option ist,“ Natürlich, ergänzt sie, halte die IHK Offenbach auch schon Ausschau nach geeigneten Kandidaten für unser Programm „Einstiegsqualifizierung und Sprache“, das ab Sommer in die zweite Runde gehe. Zielgruppen hierfür seien junge Menschen, die noch nicht in vollem Umfang für eine Ausbildung geeignet sind. Ihnen soll die Chance gegeben werden, berufliche Handlungsfähigkeiten zu erlangen oder zu vertiefen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare