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Ein umgestürzter Baum hat im Sportpark Oberlinden bereits Schaden angerichtet.

Sportpark Oberlinden

Langen: Pilz tötet massenhaft Kiefern - Gefahr umstürzender Bäume

Im Sportpark Oberlinden müssen fast 250 Bäume gefällt werden: Die Kiefern sind nach dem trockenen Sommer 2018 einem Pilz zum Opfer gefallen. Etliche drohen nun, auf die Sportplätze zu stürzen.

Langen - Der Baumstamm hat direkt neben der Ersatzbank einen Zaun zertrümmert und ist auf den Kunstrasenplatz des 1. FC Langen in Oberlinden gestürzt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn dort zu diesem Zeitpunkt ein Sportler gestanden wäre. Der Sportpark Oberlinden, in dem Fußballclub, Turnverein, Tennisklub und Schützengesellschaft beheimatet sind, ist von einem verheerenden Kiefernsterben betroffen. Übeltäter ist der Wärme liebende Mikropilz Diplodia pinea, der zum sogenannten Diplodia-Triebsterben führt.

Suche nach Nestern

 „Uns ereilt jetzt, was andere Kommunen schon vor einigen Wochen getroffen hat“, sagt Carsten Weise, zuständiger Fachbereichsleiter der Verwaltung. Denn nach dem heißen und vor allem trockenen Sommer 2018 waren die flach wurzelnden Schwarzkiefern (Pinus nigra), wie sie auf dem Sandboden im Sportpark zu finden sind, bereits stark geschwächt. Leichtes Spiel also für den Pilz, den Bäumen den Rest zu geben.

Auf dem großen Übersichtsplan, der den Sportpark Oberlinden abbildet, wimmelt es von roten und gelben Punkten; viele davon unmittelbar neben den Sportanlagen. Rot: sofortige Fällung erforderlich.

Gelb: Fällung dringend erforderlich. Festgestellt worden ist das bei einer Baumkontrolle, bei der jede einzelne Pflanze begutachtet wurde. Vorgenommen wurde sie durch ein Sachverständigenbüro im Auftrag der Kommunalen Betriebe. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, wir können nicht warten“, erklärt Bürgermeister Frieder Gebhardt. An rund 240 abgestorbenen Kiefern rund um den Sportpark wird eine Firma in der kommenden Woche die Säge ansetzen. Schon in dieser Woche laufen Rückschnittarbeiten, denn an weiteren 85 Bäumen müssen tote Äste entfernt werden.

Wie dringlich die Aktion ist, zeigt die Tatsache, dass die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis wegen der akuten Umsturz- und Bruchgefahr zugestimmt hat, obwohl die Brutzeit der Vögel unmittelbar bevorsteht. Direkt vor der Fällung werde aber jeder einzelne Baum noch einmal auf Nester kontrolliert, verspricht Weise.

Ausbreitung abmildern

Ohne die Eingriffe wäre es nach Angaben des für den Sport zuständigen Fachbereichsleiters Joachim Kolbe nicht mehr möglich, die Anlagen uneingeschränkt zu nutzen. Der Baum, der bei stürmischem Wetter auf den Kunstrasenplatz gestürzt war, belege dies. Stadt und Kommunale Betriebe bitten die Mitglieder der im Sportpark Oberlinden beheimateten Vereine, in den nächsten Tagen Umsicht walten zu lassen. Plätze müssen nach aktuellem Stand allerdings nicht gesperrt werden.

Für Baumfällungen und Rückschnitte muss die Stadt mit 48 000 Euro tief in die Tasche greifen – und dabei bleibt es wahrscheinlich nicht. Die Kommunalen Betriebe rechnen damit, dass auch im nächsten Jahr Eingriffe in den Bestand notwendig werden. Eine weitere Ausbreitung der Krankheit könne nur durch die konsequente Beseitigung stark befallener Bäume und durch lichtere Bestände abgemildert werden.

 Als Reaktion auf die Fällungen werde die Stadt ein größeres Areal rund um den Sportpark aus der Forstbewirtschaftung herausnehmen, kündigt Weise an. Das bedeutet, dass dort keine weiteren Bäume für eine Vermarktung gefällt würden. Die toten Kiefern, die jetzt beseitigt werden, seien allerdings nur sehr schwer zu verwerten. Auch Ersatzpflanzungen solle es geben; jedoch nicht sofort, weil zuerst die Wurzeln verrotten müssen, damit die neuen Bäume gut anwachsen. Die Sorten, die dann angesiedelt werden sollen, würden mit Blick auf den Klimawandel ausgewählt, sagt Weise, damit sie mit den zukünftig zu erwartenden Bedingungen besser zurechtkommen.

von Markus Schaible

Vom trockenen Sommer geschädigt

Der Mikropilz Diplodia pinea (der auch als „Bläue“-Erreger bezeichnet wird) kommt weltweit in Kiefernbeständen vor. Gravierende Schäden traten aber früher nur in deutlich wärmeren Klimaregionen auf. Inzwischen hat der Pilz jedoch verstärkt auch in Mitteleuropa Unheil angerichtet. Fachleute sind sich einig, dass das Kiefernsterben mit weiter steigenden Temperaturen stärker um sich greifen wird. Das Forstamt Langen verzeichnet seit vorigem Jahr erhebliche Schäden bei den Kieferbeständen in den Wäldern des Landkreises Offenbach und nennt als Grund dafür die extreme und langandauernde Trockenheit des vergangenen Sommers. Sie habe selbst die tiefwurzelnden Kiefernarten leiden lassen und derart geschwächt, dass sie anfällig für den Pilzbefall wurden. Charakteristisch für das Diplodia-Triebsterben sind braune Nadeln an den Triebspitzen. Sie verfärben sich zunächst fahlgrün und gehen dann immer mehr in Braun über. Bei mehrjährigem Befall werden die Zweige und Äste zunehmend kahl und die Nadeln sind nur noch büschelweise vorhanden. Die Triebe krümmen sich und harzen. Das Holz unter der Rinde zeigt zunehmend eine blaue Farbe, die Kiefer stirbt ab.

(red)

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