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Ein Bild aus Michael Schmidts ?Land of Whisky?-Kalender: In der Royal Lochnagar Distillery werden die edlen Tropfen hergestellt.

Michael Schmidt ist ein Kenner

Langen: Seit zehn Jahren Whisky-Proben

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Michael Schmidts Liebe zum Whisky fußt auf einem Studienaufenthalt in Schottland. Der Langener veranstaltet nun seit gut zehn Jahren Whisky-Proben.

Im Whisky Regal von Michael Schmidt stehen seine Schätze aufgereiht – alte Whiskys, besonders hochwertige, einige in wunderschönen Kartonagen traditioneller Brennereien, köstliche und eben über die Jahre gesammelte Liebhaberstücke. Der Langener Journalist ist während eines Studienaufenthalts in Schottland mit der hochprozentigen, bernsteinfarbenen Flüssigkeit in Berührung gekommen. Seit genau zehn Jahren begeistert er auch andere mit Whisky-Proben.

Ein Interrail-Trip mit einem Freund in die schottischen Highlands hat den damals 17-Jährigen für die raue Landschaft, die Küste und die Hügel begeistert. „Als dann in meinem Studium ein Auslandssemester anstand, war Irland zunächst eigentlich meine erste Wahl“, kann sich Michael Schmidt noch gut erinnern.

Letztlich wurde es aber Glasgow, und in seinem Nebenfach Politologie hat er dort an seiner Magisterarbeit zum Thema „Die anglikanische Kirche und das nationalsozialistische Deutschland“ gearbeitet. Mit seinem finnischen Mitbewohner zog er abends um die Häuser und entdeckte einen alten Pub mit mehreren Regalen voller Whisky-Flaschen. „Das hat mich einfach fasziniert. Es ist nicht so, dass wir uns da jeden Abend betrunken hätten – das ist übrigens bis heute so, dass ich nicht jeden Tag Whisky trinke“, sagt Schmidt lachend.

Aber die Kultur des Landes, die Landschaften, die Brennereien und die Traditionen, die sich hinter einer Flasche wertvollem Single Malt verbergen, haben ihn seither nie mehr los gelassen. „Ich bin Historiker, die Geschichte interessiert mich natürlich besonders, aber auch die Menschen sind unfassbar gastfreundlich und nett in diesem Land.“ Nach dem Studienjahr in Glasgow hat er später noch ein weiteres Jahr als Korrespondent in der Stadt gelebt.

Das Gebräu aus gemälzter Gerste sei inzwischen wieder sehr im Kommen. „In den 1990er Jahren haben etliche Brennereien geschlossen, aber inzwischen eröffnen wieder viele neue Brennereien in Schottland.“

Die Qualität des Whiskys sei vor allem von gutem Handwerk abhängig. Es brauche viel Übung, dass die Spirituose ein wirklich hochwertiger Whiskey wird. „Die Qualität des Fasses ist ebenso von Bedeutung, wie die Jahre der Lagerung“, weiß Schmidt. Erst wenn die Flüssigkeit mindestens drei Jahre im Fass war, darf sie Whisky heißen. Je länger sie liegt, desto teurer wird sie – allerdings nur im Fass, in der Flasche reift sie nicht weiter.

„Der Whisky gibt über die Jahre im Fass an Schärfe ab, gewinnt die Farbe und den Geschmack des Holzes“, erläutert der Kenner. Jedes Jahr verdunsten zwei Prozent der Flüssigkeit in dem Fass, je länger sie reift, desto weniger bleibt übrig und desto teurer wird das Endprodukt. „Die zwei Prozent sind übrigens das sogenannte „Angels Share“ – das ist der Whisky für die Engel, die in den Wolken über Schottland sitzen“, verrät Michael Schmidt augenzwinkernd.

Mindestens einmal im Jahr reist der Langener nach Schottland – um sich mit neuen Flaschen einzudecken, aber auch um neue Fotografien für seinen alljährlich erscheinenden Whisky-Kalender zu machen. Dann fährt er die Traditionsbrennereien an, fotografiert die Landschaften und auch mal eine Lagerung der alten Holzfässer. „Das Größte ist es für mich, wenn ich dann eine Spezialführung durch die Brennerei bekomme, wenn ich inmitten der Fässer stehen darf, die Millionenwerte haben, an 30 Jahre altem Whisky schnuppern darf und ihn im besten Falle auch probieren kann“, erzählt Michael Schmidt mit glänzenden Augen.

Die Hausherren der Brennereien haben inzwischen längst verstanden, dass er auch in Deutschland mit seinen Whisky-Proben für den Whisky, aber auch für Land und Leute wirbt. „Ich versuche die Menschen für Schottland zu begeistern, es ist immer eine Reise wert.“

Rund zwei Dutzend Whisky-Proben hat Michael Schmidt in den vergangenen zehn Jahren veranstaltet, bei der Volkshochschule, aber auch bei Wein und Kunst, im Papillon-Keller, bei privaten oder Firmen-Feiern und bei „Rock au Vin“. Dort gab es kürzlich wieder einen Probeabend zu Whiskys – am kommenden Freitag, 31. März, steht im „Rock au Vin“ auch eine Whisky-Probe an. Dann dreht sich alles um ganz besondere Schätze – Michael Schmidt wird limitierte Whisky-Editionen vorstellen. Die Gäste dürfen sich durchprobieren – natürlich immer in Maßen. „Ein solches Tasting ist nie ein Besäufnis, es geht immer um Genuss“, verspricht der Whisky-Fachmann.

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