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Langen trauert um eine Ikone

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Ob Politik, Vereinsleben oder städtebauliche Entwicklung – Wilhelm Kömpel hat überall in Langen seine Spuren hinterlassen. Nun ist der ehemalige Magistratsoberrat im Alter von 97 Jahren gestorben.

Er war ein Mann der ersten Stunde und ein „Hans Dampf in allen Gassen“, um den Langen jetzt trauert: Am Dienstag ist der ehemalige Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung, Wirtschaft und Verkehr und Magistratsoberrat Wilhelm Kömpel, gestorben. Er wurde 97 Jahre alt. An seinem 85. Geburtstag wurde er für seine Verdienste mit der goldenen Ehrenplakette der Stadt Langen ausgezeichnet. Kaum ein Mann dürfte in der Nachkriegszeit so viele Spuren hinterlassen haben wie Wilhelm „Willi“ Kömpel.

Einsatz für Demokratie

Der gebürtige Egelsbacher absolvierte dort in den 1930er Jahren eine Verwaltungsausbildung. Nach Kriegsende und Gefangenschaft kam er 1945 ins Langener Rathaus und hat mit großem Engagement daran gearbeitet, eine funktionierende demokratische Verwaltung aufzubauen. Bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1979 hat er die Geschicke der Stadt maßgeblich mitbestimmt.

Vieles, was in Langen geschaffen wurde, trägt Kömpels Handschrift. Ein wichtiger Abschnitt seines Wirkens waren die 1950er Jahre – die Zeit des großen Aufbruchs. Von 1952 bis 1956 war er Erster Stadtrat. Der Bauboom in Langen ist zu großen Teilen ihm geschuldet. Ohne Kömpel wäre die Wohnstadt Oberlinden womöglich nicht entstanden. Er überzeugte die Stadtverordneten von der Notwendigkeit, Wohnraum – vor allem auch für Heimatvertriebe – zu schaffen. Zugleich war er der Motor für den Bau des Landesflüchtlingslagers.

Enorm umtriebig

Erschließung und Bebauung des Neurott, die Errichtung des Gymnasiums an der Goethestraße, die Modernisierung der Energie- und Wasserversorgung, der Bau des Klärwerks oder die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie – Kömpel war enorm umtriebig. Auch den Waldsee zu einem Erholungs--Eldorado zu gestalten, war seinem Einsatz zu verdanken und selbst für die in den 1990er Jahren realisierte S-Bahn hat er frühzeitig die Weichen gestellt.

Innerhalb der Verwaltung konzipierte Kömpel neue Aufgabenfelder, die mit dem Wachstum Langens erforderlich wurden wie Kultur, Sport, Wirtschaft, Verkehr und Jugendförderung. Er war darüber hinaus Schiedsmann und vertrat die Stadt in Kommissionen. Als Standesbeamter schloss er rund 1300 Ehen. Überdies betätigte er sich als Chronist und schilderte die Entwicklung der Stadt beispielsweise in dem Werk „Langen – Werden und Wachsen“.

Nun könnte mancher glauben, wer so viel arbeitet, wolle in seiner Freizeit seine Ruhe haben. Doch Kömpel widmete sich lieber dem Langener Vereinsleben. Von 1963 bis 1970 war er Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV). Er kümmerte sich um die Gestaltung des Mühltals zu einem Naherholungsgebiet, organisierte die Mühltalkonzerte, die Alte-Bürger-Ehrung und eine Spendenaktion für 200 Ruhebänke. Die Weihnachtsbeleuchtung geht ebenfalls auf ihn zurück.

Kömpel war außerdem mehrerer Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Verkehrs-Vereine des Westkreises Offenbach. An der Planung und dem vorgezogenen Bau der Autobahn 661 hatte er entscheidenden Anteil. Als VVV-Vorsitzender leitete er die Gründung des Fördererkreises für europäische Partnerschaften in die Wege und setzte sich für die Verschwisterung mit Romorantin in Frankreich ein.

Als passionierter Angler gründete Kömpel den Angelsportverein. Darüber hinaus war er Gründungsmitglied des Ortsverbands Langen-Egelsbach der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. 1946 trat er in die SPD ein, arbeitete im Vorstand und leitete die Geschicke der Langener Sozialdemokraten zeitweise als Vorsitzender.

Als Mann des Sports galt seine Liebe von Kindheit an dem Fußball. Als Elfjähriger fing er damit an und mit 47 Jahren hörte er auf. Stets setzte er sich für den Bau von Sportstätten wie zum Beispiel des SSG-Freizeit-Centers ein. Zudem gilt er als „Vater“ des Waldstadions Oberlinden.

„Wir verlieren einen Menschen, dem unsere Stadt unglaublich viel zu verdanken hat. Ohne Persönlichkeiten wie ihn wäre die erfolgreiche Entwicklung Langens nach dem Zweiten Weltkrieg nicht möglich gewesen“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt.

(fnp)

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