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In Langen wurde eine ganze Brücke hochgehoben

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Von: Leo Postl

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Projektleiter Dr. Michael Jenisch macht seinen letzten Kontrollgang.
Projektleiter Dr. Michael Jenisch macht seinen letzten Kontrollgang. © Leo F. Postl

Damit die Brücke über die Schienen in Langen saniert werden kann, musste sie Gerüsten Platz machen. Das ist nun am vergangenen Samstag geschehen, so gut wie geräuschlos in sehr vielen kleinen Schritten.

Es ist Samstagabend kurz vor Mitternacht. Auf der Baustelle der Brückensanierung in Langen herrscht reger, aber kein hektischer Betrieb. Die Sprechfunkgeräte piepsen, es wird gehämmert und geschraubt. „Wie weit sind wir? Können wir wie geplant loslegen?“, fragt Dr. Michael Jenisch per Funkgerät in den Untergrund der Brücke. „Gleich!“, kommt die Antwort zurück. Der Projektleiter der Brückenanhebung macht einen letzten Kontrollgang über die noch fest aufliegende Brücke zwischen der Südlichen Ringstraße und der Mörfelder Landstraße. Die Brücke soll nämlich um eineinhalb Meter angehoben werden, damit die Sanierungsarbeiten unter der Brücke auch gefahrlos durchgeführt werden können. „Wir haben schon andere Dinger als dieses 1500 Tonnen-Teil angehoben“, meint Jenisch und ist sich „ziemlich sicher“, dass ihm und seinem Team das auch diesmal gelingt.

20-Stunden-Schicht

Das Problem dabei: auf der Länge von über 90 Metern, die angehoben werden sollen, darf während der ganzen Aktion keine größere „Bewegungsdifferenz“ als ein Zentimeter entstehen. „Wir werden die Aktion in Stufen von zweieinhalb Zentimetern durchführen. Nun muss man kein Mathe-Genie sein, um auszurechnen, dass dies – ohne aufkommende Probleme – alleine 60 Hebezyklen beansprucht. Nach dem Motto „Gut Ding braucht Weil“ war schon mal eine 20-Stunden-Schicht anberaumt worden.

Es ist mittlerweile nach Mitternacht, der Fast-Vollmond steht hoch über der Szenerie, die mit speziellen Schirmlampen noch punktuell besonders ausgeleuchtet ist. Für die Anwohner scheint es ebenfalls eine interessante Aktion zu werden, denn viele sitzen auf den Balkonen ihrer Wohnung um das nächtliche Schauspiel zu verfolgen. „Es wird nichts Spektakuläres geben, einerseits machen wir keinen Krach, das geht alles recht geräuschlos mit den Hydraulikpressen, und andererseits geht es ja nur in kleinen Schritten voran“, erläutert Dr. Michael Jenisch. Die meisten dürfen somit auch den größten Teil der Aktion verschlafen und sich am nächsten Morgen gewundert haben, wieso die Brücke über die Bahntrasse plötzlich höher ist.

„Jungs, wie weit seid ihr?“, ruft Michael Jenisch wieder einmal in der Untergrund. Dort sind nämlich die letzten Vorbereitungen, die Demontage der Oberleitungen der Bahn, im Gange. Hat ein wenig länger gedauert als geplant. Alle anderen Mitglieder des Teams liegen somit „auf der Lauer“. Ein letztes Mal werden alle angebrachten Verankerungen für das Anheben kontrolliert, der noch kurz vorher an einigen Stellen eingebrachte Mörtel ist entsprechend ausgehärtet. „Also, dann legen wir mal los!“, gibt der Projektleiter das entscheidende Zeichen an die Abschnittsverantwortlichen.

24 Hydraulik-Pressen

Jeder weiß um seinen Platz, jeder weiß um seine Aufgabe. Jede Position der Hydraulikpressen, ähnlich einem Zylinder-Wagenheber, ist mit einem Fachmann besetzt. Insgesamt 24 dieser Pressen befinden sich an den vier Pfeilern, auf denen die Brücke liegt, sowie auf den Widerlagern zu beiden Seiten der Brücke. Alle sind mit ihren Schläuchen mit einer zentralen Steuerung verbunden, um ein äußerst gleichmäßiges Anheben zu garantieren. Jenisch blickt auf die Steuerzentrale, dann ein gespanntes Warten. Ein erster „Knack“ verrät, dass die Anhebung beginnt. Nach zweieinhalb Zentimetern ist erst einmal Schluss. Alles wird unterfüttert, dann beginnt die nächste Aktion. Als die ersten Langener wieder aufwachen ist die Brücke schon fast einen Meter höher.

Die Anhebung ist nötig, damit die Facharbeiter des Generalunternehmers Leonhard Weiss sicher über ein Gerüst, welches nun angebracht wird, zu den zu sanierenden Stellen kommen. Dort sollen Rost und Abplatzungen behoben werden. Immerhin ist die Brücke schon 50 Jahre alt.

Größte Gefahr bei den Sanierungsarbeiten droht von der Oberleitung der Bahntrasse. „Jetzt können die erst einmal in Ruhe arbeiten, wir kommen wieder im November – dann sind die hoffentlich fertig“, meint Jenisch und blickt zufrieden auf den ersten Teil seines vollbrachten Werkes. Das Herablassen der Brücke ist nämlich nicht minder schwierig.

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