Duplikat des historischen Bretzelsteins

Langener Schwimmbad mit historischem Relikt

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Der Verkehrs- und Verschönerungsverein und Stadtarchivar Heribert Gött sorgten dafür, dass ein Duplikat des Bretzelsteins einen neuen Platz gefunden hat. Das Original aus dem Jahr 1830 wird seit langer Zeit im Stadtmuseum Langen aufbewahrt.

Der große Bretzelstein mit dem köstlichen Backwerk auf der Front und dem eingemeißelten Namen von Bäckermeister Johann Nickelaus Sehring hat schon so einiges erlebt in den vergangenen 186 Jahren. Damals markierte der Stein den Weingarten des Langener Bäckermeisters. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es nämlich Sitte, das Gartengrundstück – damals noch Wingert genannt – zu kennzeichnen.

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) und Stadtarchivar Heribert Gött hatten am Samstagnachmittag dazu eingeladen, den Stein – oder besser den Nachbau – wieder an seinen angestammten Platz zurück zu geben. Mehr als 70 interessierte Langener lauschten der Geschichte des Steins, die Frank Oppermann, Professor für Architektur und begeisterter Langener Heimatkenner, zum wiederholten Mal aufbereitet hatte.

Der Bretzelstein, der 1830 von Sehring gesetzt worden war, musste weichen, als die Mauer, in die er verbaut war, wegen dem Neubau des Schwimmbads abgerissen wurde. Niemand dachte 1993 an den Stein, der ein Stück Langener Geschichte markierte – aber Kurt Werner rettete ihn aus den Geröllmassen vor der Mülldeponie und seinem restlosen Verschwinden. Die Langener Initiative für Geschichte und Kultur nahm sich dem Stein an – er bekam einen Ehrenplatz im Stadtmuseum.

„Es war ein Stück Identität von Langen, was gerettet wurde“, ist Frank Oppermann überzeugt. Um ihn wieder an seine ursprüngliche Stelle zu setzen, wurde ein Duplikat des Bretzelsteins angefertigt und eigens ein Mäuerchen gebaut. „Dieses war allerdings nicht geschützt an der Nordseite des Freizeit- und Familienbades. Es war Vandalismus ausgeliefert, und wir wollten den Stein langfristig retten. Wir müssen die Vergangenheit hegen und pflegen“, erläuterte der Professor für Architektur weiter.

Die Sandsteine für die neue Mauer zu beschaffen, war alles andere als leicht. Beim dem ehemaligen Ordnungsamtsleiter Manfred Weil habe der VVV Sandsteine aus einem abgerissenen Haus „entwendet“; Peter Darmstädter habe eine Fuhre aus dem Alten Rathaus gerettet, und Timo Seibert aus Offenthal hatte noch Sandstein übrig.

Die neue Mauer mit dem Bretzelstein-Duplikat steht jetzt hinter dem Zaun auf dem Gelände des Schwimmbads. Die Langener feierten den neuen Standort des Steins mit – wie soll es anders sein – Bretzeln und Ebbelwoi. Peter Holle, VVV-Beiratsmitglied, erzählte über die kulturhistorische Bedeutung der Bretzel, berichtete amüsante Geschichten rund um das beliebte Gebäck, beispielsweise wie sich einst ein amerikanischer Präsident an einer Bretzel folgenschwer verschluckte. Die Bläser der Musikschule Langen sorgten am Samstagnachmittag für die musikalische Begleitung der historischen Veranstaltung.

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