Claus Schletz (Mitte) wurde von der Asklepios Klinik für seinen Einsatz als Lebensretter ausgezeichnet. Er rettete mit Reinhold Büssing seinem Nachbarn Xaver Materne (Dritter von links) das Leben.Die Ehrung für Büssing nahm die Enkelin von Xaver Materne, Kim-Sarah Speer, stellvertretend in Empfang.
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Claus Schletz (Mitte) wurde von der Asklepios Klinik für seinen Einsatz als Lebensretter ausgezeichnet. Er rettete mit Reinhold Büssing seinem Nachbarn Xaver Materne (Dritter von links) das Leben.Die Ehrung für Büssing nahm die Enkelin von Xaver Materne, Kim-Sarah Speer, stellvertretend in Empfang.

Auszeichnung

Lebensretter: Claus Schletz und Reinhold Büssing werden geehrt

  • VonNicole Jost
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Den 21. Februar dieses Jahres wird Claus Schletz wohl nicht so schnell vergessen. Der 70-jährige Heusenstammer hat gerade sein Auto vor dem Haus geparkt, als seine Nachbarin laut um Hilfe rief. Zum Glück reagierte er besonnen und wurde damit zum Lebensretter.

Der Ehemann der Nachbarin, Xaver Materne, lag regungslos auf dem Boden. „Das war ein Schock, aber ich habe nicht lange nachgedacht, einfach nur reagiert“, erzählt Claus Schletz. Aus dem Auto gesprungen, begann er direkt mit einer kräftigen Herzmassage bei seinem Nachbarn, bei dem Herz und Atmung ausgesetzt hatten. Schon 25 Jahre zuvor war ihm im Urlaub an der holländischen Nordsee etwas Ähnliches geschehen. „Damals haben wir einen Mann aus dem Wasser gezogen, und versucht, ihn wiederzubeleben. Wir kamen zu spät und seitdem habe ich mir geschworen, wenn ich wieder in eine solche Situation gerate, ganz schnell etwas zu unternehmen. Das ist zum Glück gelungen“, ist Schletz sehr froh, dass er seinem Nachbar und Freund helfen konnte.

Denn dank des beherzten Eingreifens, konnte Xaver Materne gerettet werden. Mit rhythmischen Druck, inzwischen auch telefonisch von der Rettungsleitstelle in Dietzenbach angeleitet, sorgten Schletz und der hinzu gekommene Reinhold Büssing dafür, dass das Herz von Xaver Materne wieder zu schlagen begann, und sein Blut weiter durch den Körper zirkulierte. 15 Minuten lang gaben die beiden Lebensretter alle Kraft für das Leben des Mannes, bis Rettungsdienst und Notarzt endlich eintrafen und den Patienten professionell versorgten.

Technik manchmal wertlos

„Alle moderne Technik und die guten Geräte, all unser medizinisches Wissen ist komplett wertlos, wenn in den ersten zehn Minuten bei einem Herzstillstand nicht geholfen wird“, betont Prof. Ralf Lehmann, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin der Asklepios Klinik in Langen, bei einer kleinen Feierstunde für die Lebensretter. Und auch Landrat Oliver Quilling weiß: „Bei einem Herzstillstand sinkt die Chance aufs Überleben in jeder untätigen Minute um zehn Prozent. Umso wichtiger ist, immer wieder in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wie lebensrettend eine Laien Reanimation ist und dass man im Ernstfall eigentlich gar nichts falsch machen kann – außer eben nichts zu tun“, so Quilling.

Der Mediziner und auch der Landrat attestieren Claus Schletz und Reinhold Büssing die richtige Reaktion und bedanken sich für die selbstlose Hilfe. Beide Herren nehmen in der Langener Klinik eine Urkunde und einen Gutschein in Empfang. Die Asklepios Klinik spendet außerdem einen Defibrillator an das Gefahren- und Abwehrzentrum des Kreis Offenbach. Auch ungeübte Laien können mit diesem Gerät im Wert von 1500 Euro eine optimale Wiederbelebung durchführen.

Heute, vier Monate später sind diese dramatischen Minuten im Februar dem 74-jährigen Xaver Materne nicht mehr anzusehen. „Ich hatte wirklich wahnsinnig viel Glück, dass Claus Schletz und Reinhold Büssing da waren. Ich habe keinerlei Erinnerungen an diesen Tag und die Ärzte hier in Langen im Krankenhaus haben mir erst im Laufe der folgenden 1,5 Wochen gesagt, wie schlimm es um mich stand“, berichtet der Herzinfarkt-Patient. Er hat von dem Herzstillstand keinerlei Folgeschäden davongetragen. „Ich freue mich, dass die beiden Herren jetzt diese Ehrung bekommen. Ich kann nicht mehr als Danke sagen und meinen zweiten Geburtstag mit den Beiden feiern“, sagt Materne schmunzelnd.

Einfach nur gemacht

Auch Claus Schletz freut sich über die Ehrung und das kleine Geschenk: „Aber viel wichtiger ist mir der 21. Februar. Heute, das ist ein symbolischer Akt und motiviert vielleicht andere zu helfen. Ich habe an diesem Tag nicht nachgedacht, ich habe einfach nur gemacht. Zum Glück haben wir richtig reagiert, auch wenn wir ihm einige Rippen angeknackst haben“, sagt der Lebensretter lächelnd. Danach war er jeden Tag froh zu hören, dass es Xaver Materne wieder ein bisschen besser geht. „Die Lage war wirklich sehr ernst“, sagt Schlatz abschließend.

Professor Leben bitte alle Leute in einem solchen Ernstfall, Erste Hilfe zu leisten. „Wer sich zu unsicher ist, sollte einfach mal wieder einen Ersten Hilfe Kurs belegen. Das kann Leben retten, auch in der eigenen Familie“, so der Chefarzt.

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