Ein Jahr nach dem Reformationsjubiläum

Luther-Skulptur auf dem Lutherplatz in Langen eingeweiht

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Es ist ein großer Moment, als Pfarrer Steffen Held gemeinsam mit Landrat Oliver Quilling und Künstler Andreas Kopp das dicke, schwarze Laken von der neuen Skulptur am Lutherplatz zieht. Die Luther-Silhouette aus Cortenstahl, geteilt von einem mehrschichtigen Glas, bekommt erst ein Raunen und dann viel Applaus.

Rund 200 Besucher feiern gemeinsam mit Künstlern, Ehrengästen und den jungen Musikern der Musikschule Langen die Einweihung des langersehnten Kunstwerks. Die Skulptur ist ein „Kunst vor Ort“-Projekt, das die Sparkasse Langen-Seligenstadt gemeinsam mit dem Kreis Offenbach jährlich in einer anderen Kommune initiiert. Bei Martin Luther war auch die evangelische Kirchengemeinde Langen involviert.

„Mehr Luther für den Lutherplatz“, freut sich Pfarrer Steffen Held denn auch über den durch Glas geteilten Martin Luther. Ursprünglich war die Installation des Kunstwerks schon im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ geplant. Bei einer ersten Ausschreibung hatte aber kein Werk der Jury so richtig gefallen – also musste eine zweite Auswahlrunde her.

Am Mittwochabend sind alle froh darüber, denn das Warten habe sich sehr gelohnt, sind sich die Gäste der Feier einig. „Jetzt, zum 130-jährigen Jubiläum des Lutherplatzes, kann die Skulptur feierlich enthüllt und übergeben werden. Ich bestaune heute voller Dankbarkeit unseren Langener Luther“, so Held weiter. Die Skulptur stehe bewusst nicht auf einem Sockel. Luther solle nicht als Held verehrt werden, er solle als Vorbild in Erinnerung bleiben. Held betont die Bedeutung Luthers als Wegbereiter der Neuzeit und Kämpfer für die Freiheit. Luther habe nicht nur Kirche und Glauben, sondern mit seinem Einfluss ebenso Welt und Gesellschaft verändert. Der Langener Luther beeindrucke ihn gerade wegen seiner zwei Seiten: „Je nach Ansicht und Haltung des Betrachters ist unser Luther verbunden oder getrennt durch einen Glaskeil. Er vermag uns möglicherweise den Himmel auf Erden, die Transzendenz oder Gottes Gegenwart in unserer Mitte darzustellen.“

Landrat Oliver Quilling findet ebenfalls Gefallen an dem Kunstwerk und unterstreicht die Botschaft der Figur Luthers: „Sich für eine Sache stark zu machen, dafür steht Luther. Er ist auch ein Symbol für ein starkes und demokratisches Deutschland“, betont Quilling, wie wichtig gerade das in politischen Zeiten wie heute sei.

Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig ist begeistert von der künstlerischen Aufwertung des Platzes an dem stark befahrenen Verkehrskreisel und er räumt auch gleich mit einem alten Gerücht auf: Der Platz sei vor 130 Jahren Lutherplatz benannt worden, weil man damals noch davon ausging, der Reformator habe auf dem Weg vom Reichstag nach Worms Langen gekreuzt. „In Wahrheit nahm er den Weg von Frankfurt über Mörfelden nach Oppenheim“, erntet Löbig Lacher für diese amüsante Historie. Die Luther-Skulptur stehe dem Lutherplatz trotzdem überaus gut.

Der deutsch-niederländische Künstler Andreas Kopp aus Paderborn lässt es sich nicht nehmen, seine Skulptur selbst zu enthüllen. Er blickt zufrieden auf den 1,90 Meter hohen Luther, der im wahren Leben übrigens nur knapp über 1,50 Meter groß war: „Mir gefällt er.“ Im Dunklen entfalte sich die Wirkung des durch das Glas scheinenden Lichts noch nicht ganz, verspricht er besondere Effekte bei Tageslicht. Auch der Cortenstahl, dessen Rostvorgang durch Salzsäure beschleunigt wurde, verändere im Laufe der Zeit ein wenig die Farbe.

Ein breites Lächeln hat Daniel Arndt im Gesicht: Der junge Mann, Gemeindemitglied der evangelischen Gemeinde Langen, war der eigentliche Initiator eines Luthers auf dem Lutherplatz. „Zum Reformationsjubiläum habe ich den Vorschlag geäußert, etwas dauerhaftes, über die Ausstellungen und Lesungen zum 500. Geburtstag hinaus, zu installieren. Es hat gedauert, aber das ist ein tolles Ergebnis“, freut er sich, dass seine Idee von den Initiatoren des Projekts „Kunst vor Ort“ und der Kirche umgesetzt wurde.

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