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Die viergeschossige Klinik für Psychische Gesundheit wird nach Süden hin um ein Gebäude für die Psychosomatik erweitert.

Krankenhaus wird ausgebaut

Mehr Kapazität nötig: Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit verzeichnet immer mehr Patienten

Der öffentliche Umgang mit Krankheiten wie Burn-out, Depressionen oder Psychosen hat sich in jüngster Zeit deutlich verändert. Folge: Immer mehr Betroffene begeben sich in Behandlung. Die Asklepios Klinik plant deshalb einen Um- sowie einen Anbau, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Psychische Erkrankungen haben gerade in jüngerer Zeit viel von ihrer Stigmatisierung verloren. Folge: Der Bedarf an Behandlungsplätzen steigt ständig. Die Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit bekommt das täglich zu spüren: Die sechs Stationen, die 2017 auf insgesamt 112 Betten erweitert wurden, sind zu 100 Prozent ausgelastet. Und die beiden angeschlossenen Tageskliniken mit Psychiatrischer Institutionsambulanz (eine in Langen, eine in Seligenstadt-Froschhausen) sind ebenfalls stark frequentiert. Die Klinik will sich deshalb vergrößern; ein Umbau des bestehenden Gebäudes sowie ein Neubau sollen die Kapazitäten signifikant erhöhen.

„Die Entstigmatisierung hat dazu beigetragen, dass psychische Erkrankungen wie Burn-out, Depressionen oder Psychosen heute deutlich mehr in der Öffentlichkeit stehen als früher“, sagt Philipp Heistermann, Geschäftsführer der Klinik: „Das heißt nicht, dass heute mehr Menschen psychisch krank sind als früher. Sie begeben sich nur häufiger in Behandlung.“ Daraus resultieren lange Wartezeiten bei den niedergelassenen Ärzten und die besagte Auslastung der Klinik. In Langen sei speziell die Psychiatrische Institutionsambulanz (PIA) das Nadelöhr: „Daran merkt man, dass die ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung im Landkreis nicht ausreichend ist“, so Heistermann.

Psychische Erkrankungen seien heute der zweithäufigste Grund für Ausfälle von Arbeitnehmern – „und sie verursachen sehr lange Ausfallzeiten“, sagt der Geschäftsführer. Durchschnittliche stationäre Verweildauer: 25 Tage; in der Tagesklinik: sechs Wochen. „Das zeigt, dass die Bedeutung unserer Arbeit immer größer wird“, betont Heistermann.

Die Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit hat die gesamte Behandlungspalette der Erwachsenenpsychiatrie im Angebot, verfügt über eine Suchtabteilung, eine gerontopsychiatrische Station (psychische Erkrankungen im Alter, oft in Begleitung einer Demenz) und eine Akutpsychiatrie mit einem geschützten Bereich, in dem auch Zwangsunterbringungen auf richterlichen Beschluss möglich sind.

Größere Suchtstation

Ein Problem sei, dass beim Bau der vor elf Jahren eröffneten Klinik nicht besonders auf psychiatrische Aspekte geachtet worden sei. So habe die Akutpsychiatrie keine Eingangsschleuse, zudem fehlen Aufenthaltsbereiche: Diese seien wichtig beispielsweise für die Geronto-Patienten, die oft sehr aktiv seien. Auch für Menschen mit Depressionen seien Gemeinschaftsbereiche erforderlich, damit diese sich nicht zurückziehen.

„Ein großes Thema ist auch die Überwachung von Patienten, die sich in Isolierung oder Fixierung befinden“, so Heistermann. Die Überwachungszimmer werden unmittelbar neben den Pflegestützpunkten angeordnet und mit Durchblickfenstern und direkten Zugängen versehen, was dem Personal die Arbeit erleichtert. Neben der Gerontopsychiatrischen soll auch die Suchtstation vergrößert werden. „Wir haben im Kreis Offenbach ein sehr hohes Potenzial an Suchtkranken“, berichtet der Klinik-Geschäftsführer. Schließlich betont er noch einen ganz wichtigen Grund für den Umbau: „Wir müssen für unsere Mitarbeiter möglichst gute Bedingungen schaffen.“ Denn natürlich muss auch die Asklepios Klinik angesichts des Fachkräftemangels im Pflegebereich Anreize schaffen. Baubeginn im Juni

Der Umbau, in dessen Zusammenhang die Anzahl der Stationen von sechs auf fünf verringert wird (bei gleichbleibender Bettenzahl), soll etwa 1,25 Millionen Euro kosten, die der Asklepios Konzern aus Eigenmitteln bestreitet. „Der Bauantrag ist eingereicht, parallel wird aktuell die Ausführungsplanung erarbeitet“, sagt Heistermann. Baubeginn soll im Juli sein, die Arbeiten werden dann in drei Teilabschnitten über 13 Monate laufen.

Nebenan soll ein Gebäude für die Psychosomatik (Behandlung von körperlichen Erkrankungen, die durch seelische Belastungen hervorgerufen werden) gebaut werden. „Wir haben einen Versorgungsauftrag für 25 stationäre Betten und zehn tagesklinische Plätze.“ Da dafür die Kapazitäten im viergeschossigen Klinikgebäude nicht ausreichen, wurde ein Neubau angestoßen. Vorgesehen sind zwei Stockwerke in L-Form. Die Kosten sind mit etwa sechs Millionen Euro veranschlagt. „Die Planungen sind abgeschlossen“, berichtet Heistermann. Sobald der Bebauungsplan für das gesamte Klinik-Areal, den die Stadt überarbeitet hat, rechtskräftig ist, solle der Bauantrag eingereicht werden. „Wir hoffen auf eine Eröffnung bis Ende 2020.“

von MARKUS SCHAIBLE

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