Rektor Klaus-Peter Meeth

„Mein Ziel war es, Kinder zu fördern“

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Sein Engagement zeichnet ihn aus: Klaus-Peter Meeth hat viele Projekte wie die Mediatoren oder die Lesescouts angestoßen. Ein guter Unterricht sei die Pflicht eines Lehrers, sagt er. Gestern wurde er an der Weibelfeldschule von Kollegen und Schülern verabschiedet.

Chantal ist untröstlich, daher wollte sie ihrem ganz persönlichen Bedauern auch Ausdruck verleihen. In einem Brief hat sie Rektor Klaus-Peter Meeth geschrieben, dass er der coolste Reli-Lehrer der Welt sei. Die Sechstklässlerin fürchtet, dass sie „wahrscheinlich nie wieder so einen Lehrer bekommen wird“. Klaus-Peter Meeth lacht, als er den Brief aus seiner Tasche zieht, aber der Pädagoge ist auch gerührt und es freut ihn natürlich auch, dass seine Schüler ihn vermissen werden. Nach 37 Jahren als Lehrer geht Meeth zum 1. Februar in Pension. Gestern feierte er an der Weibelfeldschule mit vielen Kollegen und Partnern seinen Abschied.

Schüler und Kollegen, Eltern und die vielen Partner, mit denen Klaus-Peter Meeth in all diesen Jahren zusammen gearbeitet hat, werden ihn nicht nur als einen engagierten Lehrer in guter Erinnerung behalten. Sie werden sich vor allem an all die besonderen Aktionen und Programme erinnern, die Meeth an den Schulen, an denen er gearbeitet hat, fest ins Schulprogramm installiert hat.

Ob es die Mediatoren waren, die als Streitschlichter unter den Gleichgesinnten für den Schulfrieden sorgen, die Lesescouts, welche die jüngeren Schüler zum Lesen animieren, in Altenheimen oder Kindergärten vorzulesen oder die Zusammenarbeit mit den Langener Kinos, von denen die Schüler profitierten und spannende Literatur auch auf der Leinwand genießen konnten. Er hat für die Schüler auch Begegnungen mit Menschen wie der Holocaust-Überlebenden Cilly Peiser oder dem Generaldelegierten Palästinas, Abdellah Frangi, organisiert, mit dem People Theater zusammen gearbeitet und sich mit seinen Schülern auch oft mit spannenden Artikeln an dem „Projekt Junge Zeitung“ der FNP beteiligt.

„Ein guter Unterricht ist die Pflicht eines Lehrers. All das Engagement darüber ist die Kür. Natürlich erfordert das viel Engagement, aber das ist das, was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat“, sagt Meeth lächelnd.

Seine Berufswahl war nicht sonderlich überraschend. Er ist in Daun in der Vulkaneifel aufgewachsen und hat an einem altsprachlichen Gymnasium Abitur gemacht. Auch dort war Meeth schon engagiert, war Schulsprecher und hat mit einem Freund, der heute Redaktionsleiter beim Stern ist, eine Schülerzeitung herausgegeben. „Mein Vater war Polizist, und ich habe mich für Polizeipsychologie interessiert. Letztlich habe ich mich dann aber doch an meiner Mutter orientiert, die viele, viele Jahre mit Kindern im Verein gearbeitet hat und ein echtes pädagogisches Naturtalent war“, erzählt der Lehrer.

Das Studium führte ihn nach Frankfurt, wo er Deutsch und Politik für die Sekundarstufe I studiert hat – unterbrochen von drei Jahren Kinderladenarbeit. „Dann wurde der Markt für Lehrer plötzlich eng und ich habe mich mit dem Abschluss meines Studiums beeilt“, berichtet der Pädagoge. Sein Referendariat absolvierte er in Egelsbach an der Ernst-Reuter-Schule, und die zweite Station war dann die Adolf-Reichwein-Schule in Langen. Als Teil der Planungsgruppe der Albert-Einstein-Schule hat Klaus-Peter Meeth die Integrierte Gesamtschule mit aufgebaut.

„Das Ziel war es, Kinder zu fördern, die vielleicht nicht das Bildungsplus von zu Hause mitbekommen. Die Schule sollte Basis sein, Kindern zu helfen, ihre Chancengleichheit und die berufliche Perspektive zu verbessern“, erläutert Meeth die Intention. An der Schule in Oberlinden wurden dann auch das Mediatorenprogramm und die Lesescouts initiiert. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir mit der ersten Gruppe unserer ausgebildeten Mediatoren ein Symposium mit den Mediatoren vom Frankfurter Flughafen hatten. Die Schüler haben den Herren die Leviten gelesen, und das wurde damals sogar live im Radio übertragen“, erinnert er sich gerne. Die Lesescouts haben den hessischen Leseförderpreis gewonnen und 2007 den Deutschen Vorlesepreis, und sie wurden mit dem Langener Kulturpreis ausgezeichnet. Auch in seiner letzten Station an der Dreieicher Weibelfeldschule hat er die Lesescouts integriert.

Morgens im Unterricht habe immer im Mittelpunkt gestanden, was fachlich ansteht und was auf der Beziehungsebene mit den Schülern wichtig ist. „In einem guten Klima wächst auch die kognitive Leistung von Schülern“, weiß Meeth. Er wollte in der Klasse eine Atmosphäre schaffen, in der sich Schüler entwickeln können. Seine Arbeit habe ihm immer Spaß gemacht und den Mut gegeben, auch schwierige Situationen zu überstehen. „Ich habe die Berufswahl nie bereut, auch wenn ich auch schon mal an meine Grenzen gestoßen bin“, sagt er jetzt, wo es Zeit ist, Abschied zu nehmen.

Seine Pläne für die nächsten Monate sind schon geschmiedet: Gemeinsam mit seiner Frau will er sich auf der Insel Texel den niederländischen Nordseewind um die Ohren blasen lassen, und anschließend ein buddhistisches Kloster besuchen, um seine Qigong-Kenntnisse zu erweitern und zur Ruhe zu kommen. Ihn lockt eine Bauhaus Ausstellung in Stuttgart und er möchte mit seiner Frau Berlin durchstreifen.

„Was danach kommt, wird sich zeigen. Ich werde mein Gitarrenspiel verfeinern, habe versprochen, zu Geburtstagen im Haus Dietrichstroth vorzulesen und werde mich als Vorleseopa engagieren“, kündigt Meeth an. Auch auf mehr Zeit mit seinen Enkelkindern, die Zwillinge Ole und Frida (1,5 Jahre) und Emil (4 Jahre) freut er sich schon.

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