Prozess gegen Waldschützer

Ein 55-jähriger Umweltschützer aus Dreieich steht heute, Dienstag, vor dem Langener Amtsgericht. Er hatte am 23. Februar in einem Waldstück im Langener Stadtwald protestiert, das die Firma Sehring

Ein 55-jähriger Umweltschützer aus Dreieich steht heute, Dienstag, vor dem Langener Amtsgericht. Er hatte am 23. Februar in einem Waldstück im Langener Stadtwald protestiert, das die Firma Sehring am gleichen Tag für den Kiesabbau roden wollte. Der Waldschützer hatte das Gelände nicht verlassen, als die Holzfäller anrückten. Deshalb wurde er von der Firma Sehring wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Gegen den Strafbefehl legte er Widerspruch ein, so dass es nun zur Verhandlung vor dem Amtsrichter kommt.

„Sehring hatte angekündigt, nichts zu überstürzen, aber am 23. Februar waren sie schon in der Dämmerung da“, erinnert sich Peter Illert, der Mitglied der Umweltschutzorganisation RobinWood ist. „So stand ich dort alleine, aber in der Sache stehe ich nicht alleine. Viele Menschen in der Region wollen, dass der Bannwald wirkungsvoll geschützt wird.“ Der Kiesabbau diene ihrer Ansicht nach dazu, ein neues Terminal am Frankfurter Flughafen zu bauen, das nur mit Billigfliegern auszulasten sei.

Illert stellte sich der Rodung nicht in den Weg, er spannte Wollfäden zwischen die Bäume und schuf damit symbolische Sperren. Auch Transparente, die das Regierungspräsidium und das hessische Umweltministerium aufforderten, mehr für den Wald zu tun, waren aufgespammt. Schließlich gibt es einen Beschluss der Regionalversammlung, den Langener Stadtwald wieder als Bannwald und nicht mehr als Wirtschaftsfläche auszuweisen.

Schon seit vielen Jahren wehren sich Anwohner gegen die Ausweitung des Kiesabbaus. „Wir haben die Erfahrung gemacht“, so Illert, „dass die Versprechen einer zeitnahen Renaturierung nicht viel wert sind. Wo Sehring gebaggert hat, wächst für Jahrhunderte kein richtiger Hochwald mehr. Für den schnellen Profit wird der Wald geopfert, den Preis zahlt die Bevölkerung langfristig mit einem Verlust an Lebensqualität.“

Robin-Wood-Aktive arbeiten seit Jahren mit örtlichen Bürgerinitiativen zusammen, die sich für den Wald in der Rhein-Main-Region und gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens engagieren. Aus Sicht von Robin Wood ist es wichtig, dass Strafverfahren gegen engagierte Klimaschützer von der Öffentlichkeit beobachtet werden.

Die Verhandlung wegen Hausfriedensbruchs beginnt heute, Dienstag, 10.45 Uhr im Saal D des Amtsgerichts, Zimmerstraße 29.

(fnp)

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