Generalprobe

Sailfish Swimnights: Vorfreude auf den Ironman

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Große Ereignisse schieben ihre Bugwellen voraus: So sind für die Teilnehmer des Ironman am Sonntag die Sailfish-Swimnights im „hessichen Mittelmeer“ unverzichtbar, um sich den Feinschliff für den ultimativen sportlichen Härtetest zu holen. Das Strandbad und der große See sorgen für das besondere Flair – und wachsame Rettungsschwimmer dafür, dass hier jeder unbeschadet das Wasser wieder verlässt.

Die Chance, bei den 13 Veranstaltungen der Sailfish Swimnights unter Wettkampfbedingungen auf Teilen der Originalstrecke im Freiwasser zu schwimmen, lässt sich kaum ein Sportler nehmen. Auch die Waldseehaie nicht, die für die Bäder und Hallenmanagement Langen GmbH als eigene Mannschaft beim Sportspektakel Ironman am Sonntag an den Start gehen werden.

„Wir haben es hier mit den Naturgewalten zu tun“, stellt Simon Müller klar. Mit zehn Teilnahmen beim Ironman zählt er zu den erfahrenen Sportlern der Haie. Im hautengen Neoprenanzug steht der drahtige Rechtsanwalt am sandigen Seeufer und schaut kritisch auf die von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit sechs Bojen markierte Strecke.

Immerhin: Das Wetter ist derzeit optimal. „Vor zwei Wochen wehte hier eine steife Brise“, erinnert sich Müller. „Da gab’s Wellengang wie im Meer. Wenn Du nach Luv eingeatmet hast, hast Du einen Eimer Wasser ins Gesicht bekommen.“

Doch auch bei Sonnenschein, warmem Wasser und Windstille wie bei der Generalprobe am Dienstagabend: Ein Zuckerschlecken seien die 3,8 Kilometer Schwimmen im Waldsee nie. „An jeder Wende der einzelnen Geraden des Dreiecks kommt es zu Stau.“ Außerdem gelte es, unterwegs nicht die Orientierung zu verlieren – anders als auf einer 50-Meter-Bahn im Hallenbad.

Immerhin: Seit einiger Zeit sei der berüchtigte Massenstart entschärft, berichtet Jürgen Kleinkauf, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Langen, der bei den Swimnights mit 10 bis 13 Leuten, davon zwei Bootsführer, einem Einsatzleiter und sieben Helfern auf Rettungsbrettern dafür sorgt, dass die Generalproben für den Ironman sicher über die Bühne gehen. Beim Großereignis selbst kommen weitere DLRG-Leute und die Wasserwacht mit 50, 60 Kräften hinzu.

„Früher sprangen 2 800 Athleten gleichzeitig in die Fluten“, berichtet Kleinkauf. „Das war ein Hauen und Stechen nach dem Start – und du bekamst oft die Schwimmtritte des Vordermanns ins Gesicht.“ Das sei nun durch den „Rolling Start“ entzerrt: Alle fünf Sekunden gehen hierbei zehn Leute ins Wasser.

Panik, Hyperventilation, Krämpfe, Atemnot: Derlei Notsituationen ist das täglich Brot für die ehrenamtlichen Helfer des DLRG wie Sandra Müller und Ralf Frank. Die beiden tragen als sympathisches, eingespieltes Team auf einem der beiden Rettungsboote dazu bei, dass die Schwimmer in brenzligen Situationen oft schon nach wenigen Sekunden Hilfe erhalten.

Zwei Jahre lang wurden beide zur Bootsführern ausgebildet, kennen den Waldsee wie ihre Westentasche – und unter den Sportlern ihre Pappenheimer: „Manche schwimmen Abkürzungen – und versperren damit die Rettungswege“, berichtet Sandra Müller. Andere wiederum verlieren schlicht die Orientierung. Wie ein Athlet, der plötzlich aus seinem Pulk ausschert und blind in Richtung Boot krault, bis er mit dem Kopf fast an die Bordwand dotzt. Ralf Frank bringt ihn per lautem Zuruf wieder auf Kurs. „Das Schaf ist wieder bei der Herde.“, kommentiert Sandra Müller lachend. „Wir fühlen uns oft wie die Schäferhunde“,

Gerade passieren sie eine Boje, an der Kollege Reinhold Schöberl auf seinem Rettungsbrett Wache schiebt. Eine Schwimmerin klammert sich kurz daran fest. Ihre Schwimmbrille ist beschlagen. Fix geputzt, kurz erholt – dann schwimmt sie weiter.

Mit vereinten Kräften hieven Müller und Ralf wenig später einen erschöpften Athleten ins Boot: Lutz aus Bad Homburg hat seine Kräfte offenbar überschätzt. Wadenkrämpfe in beiden Beinen sind die Konsequenz.

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