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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

47-Jähriger tötete seine Frau

Sohn sagt aus: „Er hat die Familie zerstört“

Der 16 Jahre alte Sohn des Angeklagten, der seine Frau im Schlaf erstickt hat, sagte als Zeuge vor Gericht aus. Es sei alles normal gewesen. Es habe auch nie Streit gegeben.

Nüchtern und unbewegt wirkte der 16-Jährige aus Langen vor der Schwurgerichtskammer in Darmstadt, als er dem Gericht die Nacht schilderte, in der seine Mutter (40) starb. Sie wurde von ihrem Ehemann (47) erstickt, als sie friedlich schlief. Diese Zeitung berichtete mehrfach.

Der Schüler war gefordert, dem Gericht über das Familienleben des ehemaligen Krankenpflegers und seiner Frau, die in Langen als Lehrerin arbeitete, zu berichten. „Es war alles ganz normal“, berichtete der 16-Jährige. „Vater und Mutter kamen gut aus. Es gab nie Streit, höchstens Mal Unstimmigkeiten über Bagatellen.“

Von finanziellen Sorgen der Familie hatte der, seine Worte sorgfältig abwägende, junge Mann nichts mitbekommen. Ebenso wenig wie seine 13-jährige Schwester, die jede Aussage gegen ihren Vater verweigert hatte und deshalb gar nicht als Zeugin geladen worden war.

Der Angeklagte selbst hatte vor Gericht am ersten Verhandlungstag unter Tränen berichtet, die 40-Jährige sei seine erste große Liebe gewesen. Sie sei noch zur Schule gegangen, als man sich kennenlernte. Weder ihre noch seine Eltern hätten etwas gegen die Verbindung gehabt. Sie habe ebenfalls eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht und mit ihm zusammen im gleichen Hospital gearbeitet.

Später, da lebten sie schon im eigenen Haus, wollte die Ermordete weiterkommen. Sie begann ein Studium, wollte Lehrerin werden. „Die ganze Familie hat sie dabei unterstützt“, bestätigte der Sohn die Aussage seines Vaters. Er sagte auch, dass die Mutter erst wegen des Studiums und später der Arbeit, „in der ging sie völlig auf“ so der Sohn, nicht im Ehebett, sondern auf der Couch im Wohnzimmer schlief. „Das war normal“, bestätigte der Sohn auf Nachfrage von Vorsitzendem Richter Volker Wagner.

Weder diese Aussage des Sohnes noch die Erklärungen des Angeklagten brachten am zweiten Verhandlungstag das Gericht bei der Frage weiter, warum es zu dem Tötungsdelikt kam. Weder der Angeklagte, noch der Sohn als Zeuge konnten hierzu etwas beitragen. „Fassungslos“, so der Sohn vor der Strafkammer, „habe ich das Geschehen vor dem Haus zur Kenntnis genommen: Überall Polizei; Notarzt, Rettungswagen. Ich dachte mit Vater ist etwas passiert.“

Vor Gericht würdigte der blass und ohne sichtbare Regung auf dem Zeugenstuhl sitzende 16-Jährige seinen Vater auf der Anklagebank keines Blickes. Auf die Frage von Richter Wagner sagte er zum Verhältnis zum Vater nach der Tat: „Ich muss das alles erst verarbeiten. Dann werde ich ein Gespräch mit ihm führen. Denn er hat nicht nur das Leben unserer Mutter genommen, er hat die ganze Familie zerstört. Ich lebe bei Verwandten, meine Schwester bei anderen. Alles ist anders geworden und das Elternhaus wird verkauft.“

Der Prozess geht am 12. November weiter. Wann ein Urteil gesprochen werden kann, wird wesentlich von den psychiatrischen und medizinischen Gutachtern abhängen. Ob sie noch im November gehört werden können, ist völlig offen. Von ihnen erhofft sich das Gericht wesentliche Hinweise auf Motive für die Tötung der beliebten Lehrerin, die in ihrem Beruf völlig aufzugehen schien, so Zeugen.

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