Wohnen in Langen

Am Steinberg soll ein hochwertiges Wohnquartier entstehen

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Am oberen Steinberg in Langen sollen bald exklusive Wohnungen gebaut werden. Die Stadt hatte dazu einen Architektenwettbewerb ausgelobt – und kann mit dem Vorhaben ihre klammen Kassen auffüllen.

Gute Nachrichten für Langens Stadtkasse und gleichzeitig für die Wohnbauentwicklung an exponierter Stelle in besonderer Qualität: Mitten auf dem Steinberg will die Stadt unter dem urigen Namen „Am Speierling“ ein neues Wohnquartier verwirklichen. Mit Hilfe eines Wettbewerbs wurden Investoren gefunden, die in einem Bieterverfahren 75 Prozent mehr für das Grundstück geboten haben, als ein Gutachten, das einen Bodenrichtwert von schon stattlichen 550 Euro pro Quadratmeter bestimmt hatte.

Doch der Reihe nach: Die knapp 7000 Quadratmeter große Fläche zwischen der Konrad-Adenauer-Straße, dem Schleifweg und dem Sonnenhang lag bisher in einer Art „Dornröschenschlaf“. Bei der Entwicklung der Fläche ist die Verwaltung ganz neue Wege gegangen. Es wurde ein Investorenwettbewerb ausgelobt, an dem sich 19 Architekturbüros beteiligt haben. Der Löwenanteil des Areals in Hanglage befindet sich in kommunaler Hand, etwa ein Viertel in privater.

Ursprünglich war das Gelände für eine Grundschule reserviert. Der Kreis Offenbach als Schulträger sieht dafür aber keinen Bedarf mehr, zumal die Fläche dafür zu klein wäre. Dafür bietet sie sich aus Sicht von Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) in idealer Weise an, um darauf Wohnungen zu errichten. Und zwar nicht irgendwelche, sondern Gebäude, die eine moderne Formensprache und ein zukunftsorientiertes Energiekonzept besitzen sowie in die Natur eingebettet sind. „Wir streben ein CO2-neutrales Gebiet mit Vorbildcharakter an“, erklärte Gebhardt das Ziel eines externen Gremiums aus Architekten, Stadtplanern, dem privaten Grundstücksbesitzer und Vertretern der Stadt.

Eine Vorgabe war es, den dortigen alten Baum, einen als Naturdenkmal ausgewiesenen Speierling, zu erhalten. Dessen Krone hat einen Durchmesser von 20 Metern, um ausreichend Schutz zu bieten, muss er in einem Durchmesser von 26 Metern umbaut werden. Der Bolzplatz, den die Stadt zur Konrad-Adenauer-Straße hin vor Jahren angelegt hat, muss dagegen der Bebauung weichen.

Als Preisträgerentwürfe hat das Gremium zwei zweite Plätze ausgelobt: einen Entwurf der Albert Speer + Partner GmbH aus Frankfurt sowie einen von Zaeske und Partner Architekten BDA aus Wiesbaden. Den dritten Preis errang Kohl:Fromme Architekten aus Duisburg. Maßgebliche Aspekte waren ein möglichst geringer Energieverbrauch in den neuen Häusern, ein hohes Maß an Begrünung und die Qualität der Architektur. Auf einen eindeutigen Sieger hat sich das Preisgericht wegen „geringfügiger Schwächen“ in den Entwürfen nicht geeinigt.

Da die Stadt das beste Angebot annehmen soll, um den höchsten Preis zu erzielen, machte der Entwurf von Kohl:Fromme das Rennen. Er sieht vier frei stehende Häuser vor, die mit ihren Grundrissen, Loggien, Dachterrassen, grüner Umgebung und energetischen Vorzügen hohen Ansprüchen genügen dürften. Die Gebäude sind quadratisch und nach allen Seiten gleichwertig gestaltet, in unterschiedlichen Höhen von drei bis vier Geschossen plus Staffelgeschoss. Platz ist für insgesamt gut 60 Wohneinheiten. Der Entwurf punktet zudem mit einer ansprechenden Fassade mit vielen Fenstern und schönen Details. Dem alten Speierling kommt die Funktion einer Dorflinde zu. In der Jury sahen einige Fachleute diesen Entwurf ganz vorne. Allerdings muss er vor allem im Hinblick darauf überarbeitet werden, dass in größerem Umfang ökologische Baumaterialien verwendet werden.

Als nächstes werden die städtischen Gremien über die Vergabe der Grundstücke beraten. Nach Zuschlagserteilung seitens des Stadtparlaments muss ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Wenn der Plan in diesem Jahr beschlossen wird, könnte 2018 gebaut werden. Eines ist aber auch klar: Bei einem solch hohen Verkaufswert des Grundstücks wird die Wohnanlage am Steinberg nur einen exklusiven Kundenkreis ansprechen.

Wer sich ein Bild von allen Entwürfen machen möchte, kann sich die Ergebnisse des Wettbewerbs in der Woche vom 30. Januar bis 3. Februar im Plenarsaal des Rathauses, Südliche Ringstraße 80, anschauen: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag zusätzlich von 14 bis 18 Uhr.

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