Amtsgericht

Streit forderte das Leben dieses Pferdes

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Ein Langener Unternehmerpaar hat einen Esel und ein Pferd von einem Grundstück in Egelsbach entführt. Die Sache wurde nun vor dem Amtsgericht in Langen verhandelt.

Das ist ein ganz besonders trauriger Tierschutzfall, der am Freitagmorgen am Amtsgericht Langen verhandelt wurde. Tiere mussten leiden, weil Menschen sich nicht einigen konnten. Für den alten Fuchswallach „Carrera“ kommt dieser Prozess leider viel zu spät: Er ist mittlerweile gestorben.

Die Streitursache liegt schon etliche Monate zurück. Im Mai 2017 hatten ein Stall- und Hausbesitzer aus Egelsbach und ein Langener Unternehmerpaar einen Grundstückskauf- und Pachtvertrag unterschrieben. Abseits vom Gerichtsprozess erzählt der Hausbesitzer, dass er selbst in einem schlechten gesundheitlichen Zustand war und das Ehepaar als vertrauenswürdige Tierfreunde einschätzte. Bis heute sei die Kaufsumme nicht bezahlt worden. Der Käufer und der noch auf dem Grundstück lebende Verkäufer sind in Streit geraten. Auf dem Egelsbacher Grundstück lebten zwei Tiere: Esel Axel und Pferd Carrera, beide damals bereits über 20 Jahre alt. Anfang Januar hat das Langener Unternehmerpaar dann die beiden Tiere aus Egelsbach entführt. Warum dies geschah, ob sie Druck auf den Hausbesitzer ausüben wollten oder die Tiere in Sicherheit bringen wollten, das alles ist reine Spekulation und war in der Verhandlung kein Thema.

Fakt ist allerdings, dass die Tiere weg waren und der Hausbesitzer beim Amtsgericht Anklage auf Herausgabe der Tiere erhoben hat. Am 21. Februar musste das Ehepaar gerichtlich angeordnet den Aufenthaltsort von den „Entführungsopfern“ herausgeben.

Und an diesem Punkt setzte die gestrige Gerichtsverhandlung ein: Denn der Ankläger hat seine beiden Tiere besucht und war erschrocken über den Zustand von Carrera und Axel. Er berichtete, dass die beiden auf einem Hof in Herchenrode untergebracht waren, und dass Carrera, der seine Box gewohnt war, bei den bekanntlich eisigen Temperaturen der vergangenen Wochen in einer ihm unbekannten Herde auf der Weide schlafen musste.

Der Anwalt des Klägers legte Fotos von dem alten Pferd in erbärmlichen Zustand vor. Noch am 4. März habe es vermittelnde Gespräche zwischen der angeklagten Frau und dem Anwalt des Klägers gegeben. Das tierische Paar sollte zurück nach Egelsbach an einen neutralen Ort gebracht werden – eben weil das Pferd gesundheitlich so angeschlagen war. Obwohl dies zugesichert wurde, waren Pferd und Esel zwei Tage später wieder verschwunden und nicht mehr in Herchenrode anzutreffen.

„Ich verstehe nicht, warum die Tiere noch nicht wieder zurück in ihrem Zuhause sind. Uns liegen diese Fotos von dem Pferd in schlechtem Zustand vor – wo sind die Tiere?“, wollte Richterin Kirsten Prass wissen. Innerhalb weniger Minuten gerieten die beiden Anwälte aneinander. Während der Rechtsvertreter des Unternehmerpaars auf einen gültigen Vertrag über das Grundstück pocht und von mehr als 40 000 Euro spricht, die schon in die Stallungen in Egelsbach und in einen Bauantrag investiert worden seien, drängt der Anwalt des Verkäufers auf Herausgabe der Tiere. Und dann lässt der Anwalt des Unternehmerpaars die Bombe im Gerichtssaal platzen: „Wir geben den Esel heraus, aber es gab ein fürchterliches Ereignis. Das Pferd ist inzwischen gestorben.“ Eine Tierärztin habe einen Aortenabriss attestiert.

Dann wurde es reichlich laut im Gerichtssaal: Der Anwalt des Geschädigten brüllt den Kollegen an. Und auch Richterin Kirsten Prass ist sichtlich überrumpelt von dem Tod des Pferdes: „Ich verstehe wirtschaftliche Zwänge, aber Sie können diese doch nicht zulasten von unschuldigen Tieren austragen. Das Pferd und den Esel in einer Nacht und Nebelaktion abzuholen, war ein Unding. Jetzt werden Schadensersatzforderungen auf Sie zukommen und Sie haben sich auch strafrechtlich verhalten – auf jeden Fall ist es aber unsäglich“, sagte Prass.

Für Carrera ist es jetzt also zu spät, er hat das Drama mit dem Leben bezahlt. Esel Axel muss aber herausgegeben werden.

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