Fotogeschäft in der Bahnstraße

Ein Stück Tradition weniger

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Von seiner Stammkundschaft hat sich Wieland Povenz bereits verabschiedet. Viele werden sein Fotogeschäft und seinen Service, wenn es um die Bildbearbeitung geht, vermissen.

Die Türklingel an dem kleinen Fotoladen in der Bahnstraße steht kaum still. Eine Dame tritt mit dem Wunsch nach dem Wechsel der Batterie ihrer Uhr ein, ein Langener verwickelt Wieland Povenz in ein längeres Gespräch rund um die schwierige Suche nach Dia-Filmen und eine ältere Dame macht der gelernte Augenoptiker an diesem Spätnachmittag ganz besonders glücklich: Mit viel Ruhe und Geduld hilft er ihr, an dem automatischen Fotoausdrucker ein schönes Porträt von der vergangenen Familienfeier im richtigen Farbton und perfekter Schärfe zu bearbeiten und schließlich auch auszudrucken. „Ich schneide Ihnen das Bild auch noch zurecht, in Ordnung?“, fragt der Kaufmann. „Ich weiß gar nicht, wo ich hingehen soll, wenn Sie nicht mehr da sind“, sagt die alte Dame lächelnd.

Doch dieser Tag ist nah: An Karsamstag öffnet Wieland Povenz seine Filiale von Foto Porst zum letzten Mal. Danach ist für den 68-Jährigen Schluss – er tritt den wohlverdienten Ruhestand an.

Für die Bahnstraße bedeutet dies, dass ein weiteres Traditionsgeschäft nach vielen Jahrzehnten geschlossen wird. Seit den 1970er Jahren gibt es den Fotoladen auf der Haupteinkaufsstraße in Langen. „Ich habe den Laden vor ziemlich genau 20 Jahren übernommen“, berichtet Povenz. Jetzt wurde das Haus verkauft, und für den Geschäftsmann war klar, er wird keinen langfristigen, neuen Mietvertrag mehr unterzeichnen.

Aus gesundheitlichen Gründen wechselte Wieland Povenz von der Augenoptik zur Fotooptik. Seit 1998 hat sich das Geschäftsfeld immens verändert. „Wir haben früher Tausende von Filmen verkauft und rund 80 Prozent von denen, die hier über die Ladentheke gingen, auch entwickelt. Das hat sich mit der Digitalisierung natürlich grundlegend verändert“, berichtet der Ladeninhaber. Natürlich habe er auch Digitalkameras verkaufen können, aber das hatte er vor einem Jahr wegen des großen Konkurrenzdrucks der großen Märkte in Egelsbach und Neu-Isenburg bereits aufgegeben.

„Ich habe viele Bewerbungsfotos gemacht, das macht mir auch heute noch viel Spaß. Und ein wichtiges Standbein war in den vergangenen Jahren auch die ältere Klientel, die ihre Bilder eben nicht auf Festplatten gespeichert sehen, sondern noch durch Fotoalben blättern möchte“, erzählt Wieland Polanz. Diese Stammkundschaft sei überfordert, alleine im Drogeriemarkt die Automaten zu bedienen. Der Service des Langener Geschäftsmannes, bei der Auswahl von Bildausschnitten und kleinen Farb- und Schärfekorrekturen zu helfen, kam gut an. Dazu kam der Verkauf von Batterien, Bilderrahmen und Fotozubehör.

„Die Stammkundschaft hat sich schon verabschiedet und bedauert es auch, dass ich aufhöre“, sagt der Fotoladeninhaber. Für ihn steht jetzt ein letzter geöffneter Samstagvormittag an. Dann hat er vier Wochen Zeit, seinen Laden auszuräumen und 20 Jahre Geschichte zu verpacken. Für Langen bleibt der Verlust – und die Spannung, ob das Geschäft in der oberen Bahnstraße schnell wieder besetzt ist.

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