Langen

Ein Sturm hat Stephan Hennekens Kletterwald vernichtet - was jetzt?

  • schließen

Mit Schweiß und Herzblut erfüllten sich der ehemalige Börsenhändler Stephan Henneken und seine Familie den Traum vom eigenen Kletterwald. Vor einem Monat zerstörte ein Tornado das Gelände komplett. Doch der frühere Basketballprofi will sich durch den Schicksalsschlag nicht in die Knie zwingen lassen. Auch wenn ihm vor allem ein Problem Kopfzerbrechen bereitet.

Um sich von Tag zu Tag zu hangeln und den drängenden Aufgaben gerecht zu werden, blendet Unternehmer Stephan Henneken das verheerende Ereignis oft einfach aus. Das gelingt aber nicht immer. Jetzt, wo er auf dem Dach der Basisstation seines Kletterwaldes steht, gelingt es nicht. Denn direkt vor ihm, dort, wo neun Seilbrücken-Parcours mit 90 Übungen auf zwei Hektar Fläche eines Buchenwaldes standen, hinterließ am Abend des 23. Septembers ein Tornado des Sturmtiefs „Fabienne“ ein Schlachtfeld aus gefällten, 20 Meter hohen Bäumen. Das Verrückte: Die Sturmattacke wirkte wie von einem grausamen Gott der Zerstörung gelenkt: Die an den Kletterwald unmittelbar angrenzenden Bäume blieben verschont, kranzförmig steht der Wald drum herum.

Nur unter seinen Füßen, in der Holzhütte, sieht noch alles so aus, wie es immer war: Seile, Klettergurte, Helme hängen säuberlich sortiert. „Als könnten jeden Moment die nächsten Besucher kommen“, sagt Henneken und fügt hinzu: „Das will irgendwie immer noch nicht in meinen Kopf hinein“. Hennekens Haare sind raspelkurz, sein Körper ist durchtrainiert. In den 1980er Jahren spielte er als Bundesligaprofi beim TV Langen. Er redet besonnen und mit klaren Worten, strahlt Kraft und Ruhe aus. Eigenschaften, die er jetzt ganz besonders braucht. Denn das Trümmerfeld hier war sein Lebenstraum.

25 Jahre lang, so berichtet Henneken, arbeitete er in der Finanzbranche, auf dem Frankfurter Börsenparkett. Irgendwann, es war das Jahr 2015, hatte er genug von dem Haifischbecken. „Ich erkannte: Das ist nicht mehr das Richtige für mich.“ Beim Essen mit Freunden erzählte er, „mehr aus einer Laune heraus“, von seinem Wunsch, „irgendwas Sportliches an der frischen Luft“ machen zu wollen. Ein Bekannter erzählte ihm von seinen drei Kletterwäldern. Den in Langen könne Henneken gerne übernehmen. Der Familienrat mit seiner Frau und seinen drei Söhnen brauchte nicht lange, um zu entscheiden: „Das machen wir“.

Gesagt, getan: Gemeinsam mit den acht verbliebenen Mitarbeitern und mit auf die Familienmitglieder aufgeteilten Rollen, von der PR-Arbeit über die Finanzen bis hin zur Rettungsausbildung, machten die Hennekens aus der etwas in die Jahre gekommenen Anlage eine beliebten Freizeitort. „Wir haben alles modernisiert, die Seile ausgetauscht, den Sicherheitsstandard nachgebessert“, erinnert sich Henneken.

Mit Erfolg; Der Langener Kletterwald fand immer mehr Fans. Tausende besuchten ihn Jahr für Jahr. „Wir hatten viele Stammgäste“, betont der in Büdingen lebende Mann. „Hier ging jeder mit einem Lächeln heraus.“ Er schwärmt von „tollen Sommern hier in dieser besonderen Anlage.“ Wenn der Wind sanft durch die Baumkronen ging und sich mit Kinderlachen vermischte. Wenn eher gelangweilt ankommende Klassen mit pubertierenden Schülern kamen. „Die fanden das erstmal uncool, auf Bäume zu klettern und sich durch den Helm die tolle Frisur kaputt machen zu lassen“. Die demonstrative Langeweile verwandelte sich im fordernden Parcours rasch in Respekt, später in pure Freude.

Und nun? Alles wieder aufbauen und weitermachen? Immerhin hat die Stadt Langen schon Unterstützung signalisiert. „Ausgeschlossen“, sagt Stephan Henneken. Und schränkt dann doch ein, dass er sich jeden Vorschlag erstmal anhören werde. Aber, so sagt er auch: „An diesem Standort hier ist nichts mehr zu machen. Hier wieder alles aufzubauen, würde den finanziellen Rahmen unseres kleinen Familienunternehmens sprengen.“ Zwar sei die Anlage mit einer gewissen Versicherungssumme abgesichert. Doch Hennekens Sorge gilt den Kosten für die aufwendigen Aufräumarbeiten, die nur zu einer bestimmten Höhe abgedeckt sind. Vor allem, weil Art, Umfang und Dauer ungewiss sind. Die Bäume sind immer noch mit Stahlseilen verknotet. Schon eine Schraube könnte die Hochleistungssäge eines Forstwirtes ruinieren.

Selbst wenn er das Geld für einen Wiederaufbau auftreiben könnte, sei es „fraglich, ob ich es mit den gemachten Erfahrungen wieder in ein solches Projekt stecken würde“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare