Auskiesung

Thomas Norgall spricht über Widerstand gegen die Bannwaldzerstörung

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Für die Auskiesung der Firma Sehring sind bereits 19.5 Hektar Bannwald gerodet worden. Ein Aktionsbündnis hat es sich zum Ziel gemacht, die Bäume zu erhalten.

Es sind kraftvolle und auch sehr rabiate Bilder, die Günther Lange von den Naturfreunden Egelsbach/Erzhausen im Tagungsraum der Neuen Stadthalle über den Beamer flimmern lässt. Riesige Motorsägen mähen Jahrzehnte alte Bäume nieder. Zum Teil wird mit schwerem Gerät gearbeitet – und zurück bleibt eine öde und ziemlich traurige Brachfläche, die für die Auskiesung der Firma Sehring vorbereitet wird. 82 Hektar Bannwald hat das Langener Unternehmen zur Abholzung für ihre Südosterweiterung am Waldsee beantragt. 63,7 Hektar wurden Sehring genehmigt und 19,5 Hektar des alten Baumbestandes sind den Motorsägen inzwischen schon zum Opfer gefallen.

Damit ist auch wertvoller Lebensraum für die vielen Tiere, die dort leben, zerstört. Günther Lange spricht von allein 70 Vogelarten, von denen „mindestens zehn“ auf der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt sind. Das Ende vergangenen Jahres gegründete „Aktionsbündnis Langener Bannwald“, ein Zusammenschluss aus verschiedenen Naturschutzvereinen, den Grünen aus Langen und Egelsbach und mehreren Umweltaktivisten, hat es sich zum Ziel erklärt, die restlichen knapp 44 Hektar für die Menschen in und um Langen nachhaltig zu retten.

In einer Bürgerinformationsveranstaltung mit weit über 100 Interessierten, erklärte Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), wie schwierig es sein wird, die Auskiesung rechtlich noch zu stoppen. „Es gibt durchaus Erfolgsaussichten“, sagt der Experte. Aber die 2013 neu gefasste und schon in Planfeststellung befindliche Genehmigung könne nicht einfach so für nichtig erklärt werden. Auch wenn schon 2015 von den Gerichten festgestellt wurde, dass diese Planfeststellung nicht rechtmäßig war, ist der Fall noch immer nicht am Verwaltungsgerichtshof in Kassel verhandelt.

Grundsätzlich sei die Ausweisung von Wald als Bannwald ein Instrumentarium zum

„Schutz vor Zerstörung“

, so Norgall weiter. Dies war ein Versprechen der hessischen Politik nach den Diskussionen um die Startbahn West. Doch die Auslegung der Gesetzestexte sei sehr unterschiedlich. „Nach aktueller Rechtsprechung ist ein Bannwald nur vor dauerhaften, aber nicht vor ,temporär’ geltenden Eingriffen geschützt“, erläutert Norgall, „mit der Verpflichtung den Wald nach der Auskiesung wieder aufzuforsten wird das ja erfüllt.“

Wie schwierig aber die Aufforstung ist, zeige die schon sehr viel ältere Fläche der Ostgrube. „Dort sind nach all den Jahren der Rekultivierung von 35,46 Hektar bislang lediglich 2,21 Hektar forstfachlich abgenommen“, weiß Günther Lange. Der Lebensraum für Vögel und Fledermäuse sei auf viele, viele Jahre zerstört.

Neben dem Argument der Arbeitsplätze, die das Langener Unternehmen am Standort sichere, wird von den Kiesabbaubefürwortern auch immer betont, dass der Sand für den Bau in der Region dringend benötigt werde. „Das müssen wir auch hinterfragen. Der Bauboom der 90er Jahre kam mit einem Bruchteil der Auskiesungsfläche aus“, betont Sabine Schwöbel-Lehmann, die sich in der BI Schaafheim engagiert. Die Politik müsse transparent machen, wo der Sand genau hingehe, fordert auch Franz-Rudolf Urhahn von den Grünen Mörfelden-Walldorf.

Wie brisant der Widerstand gegen die Zerstörung des Bannwaldes ist, beweist die Tatsache, dass Matthias Rohrbach, Sprecher des Aktionsbündnis Langener Bannwald und weiteren Unterstützern, von der Firma Sehring in den vergangenen Tagen eine Unterlassungserklärung zugekommen ist. „Das zeigt, dass das Unternehmen uns definitiv sehr unbequem findet“, sagt Rohrbach. Er kündigt aber an, dass er auch weiter aktiv für den Erhalt des Langener Bannwalds eintreten werde. In dem Tagungsraum gab es viel Applaus für die fachkundige Ausführung von Thomas Norgall.

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