Roman von Hubert Michelis

Über Opfer, Finanzen und Philosophie

Warum erschießt ein Bankangestellter seinen Chef? Und wie verändert das sein Leben? – Eine Romanfigur löst viele Probleme auf seine Art.

Von FRANZISKA MÜLLER

„Der Mörder war Sokrates“ lautet der Titel des im Mai erschienen Romans des Langener Autors Hubert Michelis. Er selbst beschreibt den griechischen Philosophen als „Gegenteil eines Mörders“. Der Titel ist paradox und zeigt an: Es handelt sich nicht um einen Krimi. Dies unterstützt auch der Untertitel „Über Täter und Opfer der Finanzkrise(n)“.

In seinem Roman porträtiert Michelis den unbedeutenden Bankangestellten Peter Stajewski. Seit drei Jahrzehnten ist der im Finanzwesen tätig. Die Weltwirtschaftskrise und die menschenverachtende Schikane seines Chefs treiben ihn in die Verzweiflung. Er beschließt, den Tyrann zu erschießen. Die Tat ist wohlüberlegt, der Protagonist begibt sich bereitwillig in lebenslängliche Haft.

Im Gefängnis findet Stajewski die Möglichkeit, sich Gedanken über das Leben zu machen und entwickelt sich zu einem Philosophen. In der Strafanstalt wird er für viele Inhaftierte zur

Bezugsperson

, zu einem „zweiten Sokrates“.

Zum Konflikt kommt es, als „Sokrates“ die vom Direktor der Anstalt unterstützte Korruption und den im Gefängnis etablierten Schwarzmarkt aufdeckt. Er löst das Problem auf seine Art und findet laut Autor Hubert Michelis „zur Synthese seines Lebens“.

Besonders die Zustände in der Strafanstalt beschreibe der Autor besonders eindrücklich, sagte Thomas Mertin, Leiter der Stadtbücherei Langen. Kein Wunder: Hubert Michelis erzählt trocken, er sei selbst einmal im Gefängnis gewesen – als Aufseher. Die gewonnen Eindrücke hat er in „Der Mörder war Sokrates“ verarbeitet.

Michelis stellt „Der Mörder war Sokrates“ am Mittwoch, 30. September, von 19 Uhr an in der Stadtbücherei in Langen, Südliche Ringstraße 77, vor. Der Eintritt ist frei, da Michelis auf ein Honorar verzichtet, er bittet jedoch um Spenden für die Stadtbücherei. Demnächst erscheint sein neuer Roman „Der Spieler – Rien ne va plus!“ über das „verworrene Leben des Peter Schenk, eines Lebemanns, Spielers und Trinkers“.

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