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Uneinsichtige Piloten landen bei Amtsrichter Volker Horn

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Von: Walter Scheele

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Verstößt ein Pilot gegen die Vorschriften, verhängt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) in Langen wegen einer Ordnungswidrigkeit eine Geldbuße. Wer mit der Buße nicht einverstanden ist, muss sich mit dem Direktor des Amtsgerichts, Volker Horn, auseinandersetzen.

Ein kleines hessisches Amtsgericht steht immer wieder vor großen Aufgaben. Der Amtsrichter muss sich mit den profiliertesten Kapazitäten von Flugsicherheit und Flugsicherung herumschlagen. Denn jeder Widerspruch gegen einen Bußgeldbescheid oder Strafbefehle des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF) in Langen wird hier vor dem Amtsgericht juristisch überprüft. Zuständig für diese Verfahren ist der Direktor des Amtsgerichtes, Volker Horn. In bis zu zwölf Fällen pro Jahr muss er hier ein Urteil finden.

Über den Wolken müsse die Freiheit grenzenlos sein, singt Reinhard May in einem seiner bekanntesten Lieder. Doch geht man vor das Amtsgericht in Langen, sieht es ganz anders aus. Begrenzungen, Beschränkungen, Verbote regeln den Luftverkehr in ganz Europa bis ins Detail. Und etliche Verstöße gegen die Regeln des Luftverkehrs landen in Deutschland sowie im grenzüberschreitenden Luftverkehr nur vor diesem einen Gericht: dem Amtsgericht in Langen. Weil hier der Sitz der Aufsichtsbehörde BAF ist. Sie darf nicht mit der Flugsicherung, in Langen, verwechselt werden.

Die in der Öffentlichkeit kaum bekannte Bundesbehörde BAF erfüllt von ihrem Sitz in der Robert-Bosch-Straße in Langen aus eine wichtige Funktion für den Flugverkehr in Europa. Denn so wie es Reinhard May besingt, ist es um den Verkehr in der Luft schon lange nicht mehr bestellt. Jeder Pilot muss Verbotszonen beachten, in die er nicht einfliegen darf. Auch darf er besonders ausgewiesenen Flughöhen nicht überschreiten. Weshalb selbst jedes Segelflugzeug auf dem kleinsten Sportflugplatz über einen Transponder verfügen muss. Dieses Gerät meldet der Flugsicherung jede Bewegung des Fluggerätes. Am wichtigsten: Radaraufzeichnungen der Flugstrecke und der Höhe.

Verstößt ein Pilot gegen die Vorschriften, verhängt das BAF in Langen wegen einer Ordnungswidrigkeit eine Geldbuße. Die kann in besonders schweren Fällen bis zu 50 000 Euro betragen. „Meist geht es aber um kleinere Summen“, betont der zuständige Amtsrichter, Volker Horn, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Aber die mit Geldbuße belegten Piloten wollen gelegentlich ihre Verfehlung nicht einsehen. Dann landet der Bescheid auf meinem Tisch.“

Meist, weiß der erfahrene Richter weiter zu berichten, fühlen sich die Piloten in ihrer Ehre gekränkt. Weil sie einen Fehler nicht einräumen wollen. „Dann geben sie technischen Fehlern die Schuld“, sagt Volker Horn. „Dann wird behauptet, der Transponder habe nicht oder fehlerhaft funktioniert. Aber auch der in jedem Flieger vorgeschriebene gute alte Höhenmesser habe nicht richtig angezeigt.“

Bei derartigen Behauptungen werden dann nicht selten hochkarätige Sachverständige geladen. Deren Fachchinesisch ist nicht nur für den Laien zum großen Teil unverständlich, auch Richter und Protokollführerin haben damit so ihre Schwierigkeiten. Denn die meisten Begriffe werden in „Fliegerenglisch“ ausgedrückt. So geht es bei der Geschwindigkeit eines Fliegers nicht um Kilometer pro Stunde, sondern „Knoten“. Die Höhen werden mit der englischen Maßeinheit „Fuß“ angegeben. Wobei für bestimmte Regionen „Höhenfenster“ für die privaten Luftfahrzeuge, hauptsächlich Segelflugzeuge, vorgegeben sind.

In dieser Woche (16.) hatten sich zwei Piloten für Verstöße gegen die internationalen Regeln zu verantworten. Der eine, ein Fluglehrer für den Segelflugsport (65) wollte das von der BAF verhängte Bußgeld von 800 Euro nicht zahlen. Er hatte die vorgeschriebene Flughöhe um rund 1000 Fuß überschritten. „An dem Tag und bei dem Wetter nicht möglich“, behauptete er. Schließlich räumte er seinen Fehler ein, war mit dem Richterspruch über 400 Euro einverstanden.

Anders ein Privatier aus Westfalen. Er hatte im Luftraum am Bedarfsflugplatz Paderborn/Lippstadt einen anderen im Landeanflug befindlichen Flieger zu einem riskanten Ausweichmanöver gezwungen. Der Anwalt bezichtigte in der Verhandlung einen Sachverständigen: „Sie wollen nur ein Urteil gegen meinen Mandanten. Ihr Gutachten ist falsch.“ Sprach’s und verließ den Gerichtssaal während der Urteilsverkündung.

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