+
Wie soll die Stadt aus Sicht von Kindern und Jugendlichen aussehen? Emily (11) und Valentin (15) haben sich beim Vorbereitungs-Workshop fürs Jugendforum gemeinsam mit Gleichgesinnten viele Gedanken gemacht.

Stadtentwicklung

Langen: Nachwuchs möchte Stadt mitgestalten – Erste Ideen gesammelt

Das Interesse der Jugendlichen am Jugendforum sei sehr groß, sagt Lea Behrend, Leiterin der städtischen Fachstelle für Migration. 45 Sitze sind zu vergeben. Interessierte, die mitmachen wollen, können ihre Bewerbungsunterlagen bei der Stadt Langen einreichen.

Langen - Die Vorbereitungen für das Jugendforum laufen auf Hochtouren. Bis April müssen die 45 Sitze des Gremiums besetzt werden. Deswegen hatte die Stadt für Samstag zu einem Workshop und einer anschließenden Informationsveranstaltung ins Rathaus eingeladen. Während die Erwachsenen in einem Elterncafé beraten werden, können Kinder und Jugendliche im Workshop erste Ideen sammeln und sich mit Gleichgesinnten vernetzen.

Das ist zumindest das Ziel von Valentin. Der 15-Jährige will in der Stadt mehr Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche schaffen. Mehr öffentliche Sitzflächen, aber auch eine Art Parcours zum Mountainbike fahren schweben ihm vor. „Außerdem will ich mehr Jugendliche in meinem Alter kennenlernen. Jetzt kenne ich nur die Leute, mit denen ich in die Schule gehe.“

Im Workshop mit den beiden Trainern David Zimmermann und Nicole Knorr von der sozialen Organisation „beWirken“ entwickeln die Kinder und Jugendlichen erste Ideen. „Wenn jemand schon konkrete Pläne hat, kann er im Workshop erste Unterstützer finden“, sagt Zimmermann. Mit Strategien aus der Start-up-Szene sollen die Vorschläge der Teilnehmer in erste Projekte gegossen werden.

Eine der Methoden, die Knorr und Zimmermann anwenden, ist das Design Thinking. „Wir sammeln alle möglichen Ideen, sortieren dann aus und konkretisieren sie. Anschließend suchen wir zum Beispiel nach Lösungen oder Umsetzungsmöglichkeiten“, erklärt Zimmermann. Diese konzentrierende Methode werde in der Start-up-Szene häufig verwendet.

In der Praxis sieht das wie folgt aus: An vier Stationen können die Jugendlichen sich zu Fragen wie „Was möchte ich in Langen verändern?“, „Wo übernehme ich Verantwortung?“ oder „Was sind meine Stärken?“ Gedanken machen und ihre Ideen auf kleine Karten schreiben, so dass eine sogenannte Mind-Map (übersetzt etwa: Gedanken[land]karte) entsteht.

Unter der Kategorie „Welche Angebote und Plätze besuche ich gerne in Langen?“ stehen dann Orte wie der Bahnhof, das Lichtburg-Kino oder der Lutherplatz. Die elfjährige Emily fügt sogar die Schule hinzu. „Ich gehe gerne dorthin“, betont sie. „Und ich finde, dass es in Langen noch mehr Kindergärten und Schulen geben sollte.“

Das Interesse der Jugendlichen am Forum sei sehr groß, sagt Lea Behrend, Leiterin der städtischen Fachstelle für Migration. „Während der vergangenen Wochen haben viele Kinder und Jugendliche bei uns angerufen oder sind sogar vorbeigekommen. Manche haben schon ihre Bewerbungsunterlagen abgegeben.“

Über drei verschiedene Verfahren sollen die insgesamt 45 Plätze besetzt werden. Interessierte können ihre Bewerbungsunterlagen bei der Stadt einreichen. Weitere 15 Plätze werden per Losverfahren vergeben. Auch können Schulen, Vereine oder Religionsgemeinschaften weitere Kandidaten vorschlagen.

Giulia Sengpiel ist eines der sieben Gründungsmitglieder des Jugendforums und kann schon einen ersten Erfolg verbuchen: „Wir konnten die Politiker überzeugen, die Altersgrenze zu erhöhen, damit wir als Gründer noch eine Chance haben, dabei zu sein.“

Für die erste Wahlperiode wurde das Höchstalter für Mitglieder des Vorbereitungsgremiums auf das vollendete 19. Lebensjahr festgelegt; ansonsten liegt es bei 18.

Sengpiel ist es wichtig, Orte in der Stadt zu schaffen „wo uns Erwachsene nicht verscheuchen können“. Das Jugendforum ist für die 18-Jährige eine gute Möglichkeit, aktiv an der Politik mitzuwirken. Und einen weiteren positiven Nebeneffekt habe das Engagement für das Jugendforum auch: „Früher habe ich mich überhaupt nicht mit Politik beschäftigt. Doch die Arbeit hat mich sensibilisiert, so dass ich mir jetzt sogar vorstellen kann, in eine Partei einzutreten.“

VON VANESSA KOKOSCHKA

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare