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Viel Lärm um zerbeulten Spiegel

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Von: Walter Scheele

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Ein geringer Sachschaden und eine angebliche Unfallflucht beschäftigen das Amtsgericht Langen mindestens drei Verhandlungstage. Doch die Lage ist immer noch verworren.

Zeugen, die unauffindbar sind oder zu betrunken waren, um etwas Genaues gesehen zu haben, prägen einen Prozess vor dem Amtsgericht in Langen. Es geht um einen zerdellten Spiegel an einem Mietwagen – Schadenshöhe knapp 120 Euro. Aber die Fronten sind verhärtet. Während die Verteidigung für die Einstellung des Verfahrens plädiert, will die Anklage den Prozess „bis zum bitteren Ende“ durchziehen.

Denn, so die Oberstaatsanwältin am zweiten Verhandlungstag im Saal D des Amtsgerichts Langen, es gebe zu viele Hinweise in den Aus-sagen bei der Polizei, die den Verdacht gegen den 51-jährigen Angeklagten „zumindest erhärten könnten“. Davon will die Verteidigung nichts wissen. Die Anschuldigungen basierten alle auf Aussagen von Zeugen, deren Angaben „ziemlich wackelig“ seien.

Das bestätigte an diesem zweiten Verhandlungstag. Auf Befragen von Richter Volker Horn sagte ein Zeuge aus, er habe eigentlich nichts Genaues gesehen. Er habe vor dem Haus gestanden, als am Mietwagen eines Bekannten ein Auto vorbeigefahren sei und den Spiegel zerstört habe. Ob zwei oder mehr Insassen in dem Fahrzeug waren, daran könnte er sich nicht erinnern, erklärte er.

Große Mengen Wodka

Ein anderer Zeuge (55) erinnerte sich an den Tag des Geschehens nur dunkel. Er wusste nur, die in Langen beheimatete Fußballmannschaft „Wolfsklub“, bestehend aus den in der Umgebung lebenden Oberschlesiern, habe „gründlich Weihnachtsfeier“ gemacht. Dabei seien im Restaurant am Flugplatz Egelsbach „wie üblich“ große Mengen an Wodka und Bier zu sich genommen worden. Er sei von Freunden in deren Wagen am Abend des Nikolaustages 2014 nach Hause gefahren worden. Wer das war? Erinnerungslücken ließen genaue Angaben nicht zu. Aber immerhin fielen die Namen von zwei Brüdern, „die wohl dabei waren.“ Sie sollen nun am nächsten, dritten Verhandlungstag vor Gericht gehört werden.

Gegen einen weiteren Zeugen, der nun bereits zum dritten Mal der Ladung des Gerichts nicht gefolgt war, verhängte Richter Horn ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro oder sechs Tagen Haft. Außerdem muss er die Kosten für die Verzögerung der Verhandlung tragen.

Im Schlafanzug abgeholt

In dem Prozess geht es aber nicht nur um den vergleichsweise geringen Schaden, sondern auch um Unfallflucht. Denn der Geschädigte und seine Bekannten hatten behauptet, der Angeklagte habe seinen Beifahrer aus dem Auto gelassen und sei dann weitergefahren. Das bestreitet der Angeklagte.

Er will auch auf einer Weihnachtsfeier, aber nicht in Egelsbach, gewesen sein und sich ebenfalls kräftig betrunken haben. Als ihn die Polizei am Nikolaustag vor zwei Jahren aus dem Bett holte und im Schlafanzug zur Blutprobe aufs Revier gebracht haben soll, hatte er immerhin 2,15 Promille Blutalkoholgehalt. Die „Tatwaffe“, sein Auto, will er am Abend des Unfalls einem in Polen lebenden Familienmitglied geliehen haben. Wo der damit unterwegs gewesen ist, wisse er nicht.

Der Prozess geht am Montag, 14. November, in die nächste Runde. Dann hofft Richter Volker Horn, endlich mit den bisher nicht erschienenen Zeugen weiterzukommen.

(sc)

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