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Saloua El Hammouti (von links), Amina El Hammouti und Laila Asaban engagieren sich im Team Grundgesetz.

Fazit

Partnerschaft für Demokratie zieht positive Jahresbilanz und blickt mit Zuversicht voraus

Ein vielfältiges und tolerantes Miteinander – diesem Ziel hat sich die Partnerschaft für Demokratie in Langen verschrieben. Nun zogen die Verantwortlichen ein Fazit der Arbeit dieses Jahres und blickten zuversichtlich voraus.

Ein italienisches Restaurant, zwei Journalisten an einem Tisch. Dazwischen: eine Kellnerin aus dem Irak. „Also ich finde das furchtbar, dass diese Asylanten den deutschen Fachkräften die Jobs wegnehmen“, sagt Redakteur Thomas. „Na ja, so schlimm ist es ja nicht“, beschwichtigt sein Gegenüber. Noch eine ganze Weile werden Stereotype und Vorurteile auf den Tisch gehauen, bis die Restaurantbesitzerin die beiden Gäste hinaus wirft.

Diese Szene hat das Team von Creative Change (CC) frei erfunden. „Doch jeder von uns war schon einmal in so einer Situation oder hat solche Kommentare mitbekommen“, ist Philip Blom von CC überzeugt. Das Team unterstützt in diesem Jahr das Programm „Demokratie leben“ in Langen und gewährt darum auf der Demokratiekonferenz im evangelischen Stadtkirchen-Gemeindehaus Einblicke in sein Tun.

Mit der Demokratiekonferenz lassen die beiden Träger – die Stadt und die Arbeiterwohlfahrt (Awo), Kreisverband Offenbach Land – das laufende Jahr Revue passieren. „Wir haben uns viele Ziele gesetzt: die Partizipation von Kindern und Jugendlichen stärken, Bildungseinrichtungen vernetzen, das Ehrenamt stärken und ein vielfältiges und tolerantes Miteinander herstellen. Und ich finde, dass wir in diesem Jahr sehr viel erreicht haben“, bilanziert Lea Berend, Leiterin der städtischen Fachstelle Migration. Gemeinsam mit Lea Wissel von der Koordinierungs- und Fachstelle der Awo organisiert und plant Berend die Projekte. Das Programm „Demokratie leben“ gibt es seit 2015 und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Initiative ergreifen

Die Initiative will gezielt Organisationen und Vereine unterstützen, die sich für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander einsetzen. Darunter fallen Organisationen wie Creative Change, die mit ihren Rollenspielen unter anderem an Schulen gehen. „Gemeinsam mit den Schülern analysieren wir anschließend die Szene und finden eine Möglichkeit, wie sich solche Situationen besser lösen lassen“, erklärt Blom.

Dass die Kinder und Jugendlichen sich nicht nur von solchen Maßnahmen berieseln lassen, sondern auch selbst die Initiative ergreifen, erläutert Anne Wilmers vom Beratungsnetzwerk Hessen. Als Moderatorin führt sie durch den Abend und stellt die einzelnen Projekte vor. So bemüht sich das Jugendforum um ein Mitspracherecht in der Kommunalpolitik. Das Team Grundgesetz verteilte am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, die Verfassung in der Innenstadt. Dazu hat die Gruppe auch ein Video mit einer Straßenumfrage gedreht, das damals im Lichtburg-Kino gezeigt wurde. „Manchen Leuten war ihr Unwissen über das Grundgesetz peinlich. Anderen war es egal, wenn sie nicht wussten, was unsere Verfassung bedeutet“, so die zwölfjährige Amina.

Auch neu in diesem Jahr: die App „Alternativer Stadtrundgang Langen“. Das Antifaschistische Aktionsbündnis bietet bereits seit vielen Jahren geführte Touren zu den Stätten der Nazi-Gräueltaten an. Seit Mai können Interessierte die historischen Daten, alten Fotos und aktuellen Bilder auf dem Smartphone abrufen. „Wir haben uns mit einem App-Designer abgesprochen, der das für uns produziert hat“, sagt Herbert Walter.

Eltern mit einbinden

Ebenfalls mit ins Boot geholt, haben die Organisatoren um Berend und Wissel den Poetry Slammer Finn Holitzka. Der ehemalige U20-Hessenmeister gibt in der Stadtbücherei Workshops zu der modernen Dichtkunst.

So sehr sich die Projekte im Einzelnen unterscheiden, in ihrem Ziel sind sie sich einig: Vorurteile abbauen und gegenseitige Toleranz fördern. Für das nächste Jahr haben sich Berend und Wissel bereits einen neuen Vorsatz gesetzt: „Wir wollen versuchen, die Eltern der Kinder und Jugendlichen stärker einzubinden“, sagt Wissel.

von VANESSA KOKOSCHKA

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