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Menschliche Zuwendung für von Alzheimer betroffene Patienten kann oft einen Unterschied ausmachen. Symbolbild: Peter Maszlen

Experten-Interview

Welt-Alzheimertag: Deshalb ist Vorbeugung gegen die Altersdemenz so wichtig

Alzheimer ist eine der tückischsten Krankheiten unserer Zeit – Therapien können nur die Symptome lindern, den Verlauf der Erkrankung aber nicht verzögern. Und die Patientenzahlen wachsen: Hierzulande wird bis 2050 nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein Anstieg der Demenzkranken auf etwa drei Millionen erwartet. Zum heutigen Welt-Alzheimertag verrät Dr. Benedikt Friedrichs, leitender Oberarzt an der Asklepios Klinik, im Interview mit Michael Forst, wie man der Krankheit vorbeugen kann.

Herr Dr. Friedrichs, die Zahl der Alzheimer-Patienten in Deutschland steigt seit Jahren. Woran liegt das?

BENEDIKT FRIEDRICHS: Die Häufigkeit der Alzheimer-Demenz nimmt mit höherem Lebensalter zu. Da unsere Gesellschaft immer älter wird, steigt auch die Zahl derjenigen, die an einer Demenz erkranken. In Zahlen ausgedrückt: Ab dem 65. Lebensjahr verdoppelt sich die Häufigkeit alle fünf Lebensjahre.

Auch Krebs tritt häufiger auf, weil die Menschen immer älter werden. Die Krankheit kann man aber auch schon in jungen Jahren bekommen. Wie ist das mit Alzheimer?

FRIEDRICHS: Auch die Alzheimer-Demenz kann schon bei unter 30-Jährigen auftreten. Das ist zum Glück sehr selten und betrifft bestimmte genetische Unterformen der Erkrankung.

Woran erkennt man, dass ein Patient Alzheimer hat?

FRIEDRICHS: Zeichen der Erkrankung ist eine über einen langen Zeitraum langsam zunehmende Vergesslichkeit. Vor allem neue Informationen werden schlechter gespeichert, also beispielsweise neue Namen schlechter gelernt, Telefonnummern oder die PIN nicht mehr behalten oder auch Gesprächsinhalte nicht erinnert und etwa im Gespräch mehrmals die gleichen Sachen erzählt.

Für einen Nicht-Mediziner erklärt: Was passiert im Gehirn bei Alzheimer?

FRIEDRICHS: Durch Eiweißablagerungen im Gehirn entstehen dort unter anderem Entzündungsreaktionen und Veränderungen des Stoffwechsels, was wiederum zum Absterben von Nervenzellen und einem Verlust von Synapsen führt. Das Hirngewebe nimmt insgesamt ab.

Wer viel raucht, erhöht sein Krebsrisiko. Welche Risikofaktoren gibt es bei Alzheimer?

FRIEDRICHS: Bei der Alzheimer-Erkrankung ist das ähnlich. Auch hier scheint beispielsweise das Rauchen, auch das Passiv-Rauchen, mit einem erhöhten Risiko einherzugehen. Ein wichtiger Risikofaktor ist auch der viel zu oft noch unzureichend behandelte Bluthochdruck. Auch Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität erhöhen das Risiko für eine spätere Alzheimer-Krankheit.

Und was lässt sich tun, um der Krankheit vorzubeugen?

FRIEDRICHS: Gut ist, was auch vor Schlaganfall und Herzinfarkt schützt: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit Vermeidung von Übergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität und mit dem Rauchen aufhören. Auch ein regelmäßiger Kontakt zu anderen Menschen und lebenslanges Lernen wirken sich günstig auf unser Gehirn aus.

1906 beschrieb Alois Alzheimer erstmals die heute nach ihm benannte Krankheit. Warum ist sie noch nicht heilbar?

FRIEDRICHS: Es gelingt offenbar nicht, den Prozess des Absterbens von Nervenzellen aufzuhalten, wenn er bereits eingesetzt hat. Und ein Gehirn kann man nun mal nicht transplantieren. Umso wichtiger ist es, der Erkrankung vorzubeugen. Aber natürlich müssen wir uns als Menschen auch immer fragen, ob nicht bestimmte Veränderungen mit dem Alter nun einmal einhergehen. Für uns als Gesellschaft ist es dann viel wichtiger zu fragen, wie wir mit den Folgen umgehen.

Bei der Alzheimerkrankheit ist viel in der Medikamentenforschung passiert. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

FRIEDRICHS: Die bislang zugelassenen Substanzen können lediglich helfen, das Voranschreiten der Beschwerden zu verlangsamen. Alle Substanzen, die in der Vergangenheit andere Ansätze verfolgten, haben in großen Studien nicht überzeugen können. Inzwischen haben sich große Unternehmen aus der Alzheimer-Forschung sogar zurückgezogen. Wir dürfen auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie derzeit nicht mit bahnbrechenden Erfolgen rechnen. Allerdings werden wir in der Medizin auch immer wieder von neuen Entwicklungen überrascht.

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