1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Offenbach
  4. Langen

Wenn Geschichte erlebbar wird: Alternativer Stadtrundgang als App

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nicole Jost

Kommentare

Mit Hilfe einer neuen App haben Interessierte die Möglichkeit, Stationen der Langener Geschichte auf eigene Faust zu erkunden. Infos können sich die Nutzer auch bequem vorlesen lassen.

Schon seit 15 Jahren gibt es die „Alternativen Stadtrundgänge“ durch Langen. Rosi Steffens, Herbert Walter und Rainer Elsinger, zusammen das Antifaschistische Aktionsbündnis, führen Schulklassen, Langener und Gäste dabei nicht nur durch die Gassen Langens, sie zeigen den Menschen dabei auch einen sehr dunklen Teil der Geschichte Langens. Dieser besondere Stadtrundgang soll die 13 Jahre (1933 bis 1945) der Nazizeit in der Sterzbachstadt nicht vergessen lassen.

Jetzt wollen die drei engagierten Langener auch die junge Generation für dieses ernste Thema noch besser erreichen: Es wurde eine Smartphone App entwickelt, mit der sich die Menschen alleine auf den Weg durch die Langener Geschichte machen können. „Wir haben einen App-Designer ins Boot geholt und haben die Texte auch professionell einsprechen lassen“, erklärt Herbert Walter.

Die App führt die Nutzer an zwölf Stationen durch die Langener Altstadt. Die Infos zu diesen einzelnen Standorten werden im Smartphone angezeigt. Die Spaziergänger können sie entweder lesen oder sie sich vorlesen lassen. Das Programm ist auch mit vielen Fotografien unterlegt – mit alten Bildern und auch mit aktuellen Ansichten, wie die Häuser jetzt aussehen. Dabei erfahren die Nutzer, wo jüdische Bevölkerung gelebt hat und was mit den Menschen geschehen ist.

Bilder zur Illustration

„Der Vorteil ist natürlich auch, wenn man auf eigene Faust losgeht, kann man im eigenen Tempo unterwegs sein, kann den Spaziergang auch unterbrechen und an einem anderen Tag die nächsten Stationen anlaufen“, sagt Rainer Elsinger. „Oder Sie lassen sie sich vorlesen, wenn Sie die akustische Information bevorzugen. Bilder illustrieren die Aussagen“, so Elsinger.

Die erste Idee zu dem Projekt kam den Initiatoren im Herbst 2016, nach einem Gedankenaustausch mit den Mitarbeitern des Jugendzentrums. Sie hatten mit Jugendlichen themenbezogene Stadterkundungen mit Hilfe von Smartphones gemacht.

„Allmählich kristallisierte sich heraus, was wir brauchten: Eine App, die man bequem und datensparend zu Hause auf sein Smartphone laden konnte. Sie sollte zu allen Stationen hinführen und dort dem Interessierten die benötigten Informationen geben – in schriftlicher Form oder audiogen. Und die passenden Bilder natürlich auch“, berichtet Herbert Walter. Eine solche App gäbe auch die Möglichkeit, an die Mediengewohnheiten Jugendlicher anzuknüpfen. „Lehrer könnten zum Beispiel ihre Schüler mit Arbeitsaufträgen selbstständig auf Erkundungstour schicken“, so Walter weiter.

Auch wenn Elsinger, Steffens und Walter schon seit vielen Jahren mit dem Programm unterwegs sind, war es schon noch einmal viel Arbeit, all die Informationen in eine schriftliche Form zu bringen. Der Frankfurter Webdesigner Aamer Mahmood habe großes Interesse gezeigt und sich bei der Umsetzung sehr kreativ eingebracht.

Wertvolle Ergänzung

„Die Umsetzung dieses Projektes war mit erheblichen Kosten verbunden, insbesondere für die umfangreiche Arbeit des Appdesigners“, berichtet Rosi Steffens: „Ohne die Hilfe von dem Bundesprogramm ,Demokratie leben’ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die uns mit über 3800 Euro unterstützten, wäre dieses Projekt finanziell nicht zu stemmen gewesen.“

Wie kommen die Interessierten jetzt an die App? Bei Android-Handys ist sie im Play Store hinterlegt, bei Apple-Handys im App Store. Mit dem Schlagwort „Alternativer Rundgang“ in der Suchfunktion taucht der Stadtrundgang durch Langen schon gleich auf der ersten Seite auf.

Rosi Steffens, Herbert Walter und Rainer Elsinger werden auch weiterhin zweimal im Jahr ihren Alternativen Stadtrundgang anbieten. „Wir glauben aber, dass die App eine wertvolle Ergänzung zu den ,persönlichen‘ Rundgängen ist. Wer zu den angebotenen Zeiten nicht kann, wer Besucher herumführen möchte oder den Rundgang ,vertiefen‘ möchte – es gibt viele Gründe, die App zu nutzen. Gerade auch für die Arbeit mit Schülern bietet sich dieses moderne Medium an“, ist Rosi Steffens überzeugt.

Auch interessant

Kommentare