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An der Abfahrt von der Nordumgehung auf die Hans-Kreiling-Allee (vorne Mitte) soll ein Kreisel entstehen. Entlang der künftigen Straße von dort durch das Wohngebiet Liebigstraße Nord ist bezahlbarer Wohnraum geplant. Das Luftbild ist einige Monate alt, mittlerweile hat die Erschließung des Gebiets begonnen.

Wohnen in Langen

Baugenossenschaft und Stadtwerke wollen Mieten bezahlbar halten

Elisabeth-Selbert-Allee, Belzborn, Liebigstraße – in Langen werden aktuell und zukünftig reichlich Wohnungen und Häuser gebaut. Vielfach herrscht aber die Ansicht, dass sich nur Besserverdienende diese leisten können. Es gibt aber auch Initiativen für bezahlbaren Wohnraum.

Die Nachfrage nach Wohnungen ist groß im Ballungsraum Rhein-Main – und Langen hat Flächen für Baugebiete. Die Wohnungsknappheit, gepaart mit den enorm steigenden Baukosten, habe aber zur Folge, dass sich die Preisspirale immer weiter dreht. Vor allem mit kleinen und mittleren Einkommen sind die neu entstehenden Wohnungen und Häuser kaum zu finanzieren.

Dass es aber auch möglich ist, günstigeren Wohnraum anzubieten, zeigt die Baugenossenschaft Langen. Sie plant in den nächsten zehn Jahren hunderte neuer Wohnungen. Mit einem kleineren Projekt ist zudem die Stadtwerke Langen Immobilien GmbH am Start. Sanierung des Bestands

Mit einem zweigleisigen Programm, das Vorstandsmitglied Stephan Langner im städtischen Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr vorstellte, ist die Baugenossenschaft übers gesamte Stadtgebiet verteilt aktiv. Zum einen wurde 2014 mit der Sanierung von 75 Prozent des Bestands begonnen; binnen zehn Jahren sollen (nach aktuellem Stand) etwa 85 Millionen Euro investiert werden.

Bislang sind bereits 500 Wohnungen mit 32 000 Quadratmetern Fläche saniert, was mit gut 35 Millionen zu Buche schlug. Dadurch sank der Energieverbrauch in den Häusern der Genossenschaft von knapp 4,3 Millionen Kilowattstunden (2014) auf unter 2,8 Millionen im Jahr 2017. Die Mieterhöhungen liegen bei maximal 2,20 Euro pro Quadratmeter, „in der Regel aber darunter“, betont Langner. So werden – dank seiner neuen Fassade – im Hochhaus Feldbergstraße 35 derzeit durchschnittlich 6,60 Euro pro Quadratmeter fällig. Wobei die Bewohner vom stark gesunkenen Energieverbrauch profitieren.

Noch deutlich mehr will die Baugenossenschaft in die Schaffung neuer Wohnungen investieren. So wurde ein Programm zur Erschließung der Grundstückspotenziale erarbeitet; dabei standen neben Aufstockungen und Ergänzungsbauten auch Neubauten auf neu zu erschließenden sowie derzeit brachliegenden Flächen im Fokus. Finanzierbarkeit prüfen

„Wir haben Möglichkeiten zur Schaffung von etwa 500 neuen Wohnungen gefunden“, verrät Langner. Das wäre über einen Zeitraum von rund zehn Jahren ein Investitionsvolumen von circa 120 Millionen Euro. Ziel sei, die Grundmiete unter zehn Euro je Quadratmeter zu halten. Zunächst müsse aber die Finanzierbarkeit geprüft und das Programm mit dem Aufsichtsrat abgestimmt werden.

Eines der Projekte, die auf jeden Fall realisiert werden, ist bereits bekannt: Auf dem oberen Steinberg sollen auf Freiflächen neben bestehenden Häusern der Baugenossenschaft an der Konrad-Adenauer-Straße 86 Wohnungen, zwei Gewerbeeinheiten und 29 Stellplätze geschaffen werden. Dazu muss allerdings erst der Bebauungsplan erstellt werden. „Wir hoffen, dass wir 2019 beginnen können“, sagt Langner. Das Investitionsvolumen ist auf 17,5 Millionen taxiert.

Noch größer ist das Projekt im Neubaugebiet Liebigstraße Nord, das bis an die Hans-Kreiling-Allee reicht. An dieser soll in Höhe der Abfahrt von der Nordumgehung ein neuer Kreisverkehr entstehen. Entlang der von diesem Richtung Westen führenden zukünftigen Straße sollen auf eigenen Flächen nach vorläufiger Planung 93 Wohnungen mit 9280 Quadratmetern entstehen. Zudem ist sich die Genossenschaft mit der evangelischen Kirchengemeinde einig: Diese würde ein Grundstück in Erbbaupacht zur Verfügung stellen, damit eine Kindertagesstätte errichtet werden kann. Die Kosten werden auf 32 Millionen Euro geschätzt.

Direkt neben der Baugenossenschaft möchte auch die Stadtwerke Langen Immobilien GmbH (eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke) tätig werden. Auf einem 810 Quadratmeter großen Bauplatz soll ein Gebäude mit zehn bis 15 Wohnungen entstehen, berichtet Geschäftsführer Manfred Klein. Ziel auch dabei: Wohnraum speziell für untere und mittlere Einkommensschichten schaffen und den Quadratmeterpreis unter zehn Euro zu halten. Allerdings: „Die Baupreise sind so stark in Bewegung, dass wir quasi jede Woche schauen: Geht das noch?“, sagt Klein. Er hofft, dass das Projekt 2019 starten kann.

Markus Schaible

Info: Das Unternehmen

Die Baugenossenschaft Langen eG wurde 1947 gegründet. Sie bewirtschaftet aktuell 1805 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 118 000 Quadratmetern sowie zwölf Gewerbeeinheiten, 757 Garagen und sonstige Einheiten. Den Vorstand bilden Wolf-Bodo Friers als Vorsitzender sowie Stephan Langner. Aufsichtsratsvorsitzender ist Professor Christoph E. Motzko, sein Stellvertreter Berthold Matyschok. Insgesamt arbeiten bei der Baugenossenschaft 21 Mitarbeiter. Zum 31. Dezember 2017 hatte die Genossenschaft 3431 Mitglieder, die insgesamt 27 035 Anteile hielten. ble

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