Prozess in Langen

„Zeugen haben nichts gesehen“

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Der Angeklagte konnte sich zufrieden die Hände reiben und hoch erhobenen Hauptes das Amtsgericht Langen am Dienstag verlassen. Ihm war nicht nachzuweisen, was die Anklage noch für sicher gehalten hatte.

Der Angeklagte konnte sich zufrieden die Hände reiben und hoch erhobenen Hauptes das Amtsgericht Langen am Dienstag verlassen. Ihm war nicht nachzuweisen, was die Anklage noch für sicher gehalten hatte. Ihm wurde zur Last gelegt, dass er am Bahnhof in Langen seinem Kollegen mit einer Ohrfeige eine Schädelprellung verpasst haben soll, dazu eine Kopfnuss und einen Nasenbeinbruch.

Drei Tage brauchte Amtsrichterin Cornelia Siegmund bei dem Versuch, etwas Licht in das Dunkel um die Vorgänge am 22. Juli vorigen Jahres am Bahnhof Langen zu bringen. Die zahlreichen vom Opfer wie angeblichem Täter benannten Zeugen konnten oder wollten sich nicht erinnern. Alle behaupteten, sie hätten nicht mitbekommen, was in dem sogenannten „Glaskasten“ am Bahnhof passiert war. Tatsache waren nur die Verletzungen des Opfers, die es seinem Arbeitskollegen von der Langener Taxizentrale unterstellte.

Doch schnell stellte sich am zweiten und dritten Verhandlungstag heraus, dass Opfer und angeblicher Täter weitläufig miteinander verwandt sein sollen. Keiner der von den unterschiedlichen Seiten benannten Zeugen konnte, das räumte sogar die Anklage ein, als auch nur ansatzweise objektiv gelten. Denn sie waren alle Cousins, Cousinen oder Neffen bis in den fünften oder sechsten Grad.

Einig waren sich die Zeugen nur darin: Wir haben nichts gesehen, wissen überhaupt nicht, um was es gegangen sein soll. Vom Streit um einen Fahrgast wollte schon gar kei-ner etwas wissen. Die meisten sagten auch, sie könnten sich an den 22. Juli 2015 überhaupt nicht mehr erinnern. Erst recht nicht daran, was da passiert sein soll.

In ihrem Plädoyer sah es die An-klagevertreterin ähnlich. „Der Angeklagte bestreitet, die Zeugen haben nichts gesehen, sagen sie, und was genau passiert ist, wissen wir nicht. Daher fordere ich Freispruch für den Angeklagten“, plädierte die Amtsanwältin aus Offenbach.

Dem schloss sich Pflichtverteidi-ger Till Gutsch an. Er sagte, der „dubiose Vorfall“ sei in der Haupt-verhandlung nicht ausreichend aufgeklärt worden. So blieb Richterin Siegmund nichts anderes übrig, als den Angeklagten freizusprechen. Das damals was vorgefallen sei, fand sie, sei nicht zu bestreiten. Aber wer was gemacht hatte, sei nicht zu klären.

(sc)

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