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Bahnbrechende Forschung: PEI-Präsident Klaus Cichutek (links) und Bürgermeister Frieder Gebhardt (rechts) gratulieren den Preisträgern Dr. Kerstin Schott (Dritte von links) nebst ihrer Mentorin Dr. Renate König, Dr. Frederic B. Thalheimer (Mitte) und Dr. Cindy Nürnberger, die unter Anleitung von Dr. Michael Mühlebach geforscht hat.

Ehrung in Langen

Zika-Impfstoff im Mäusetest erfolgreich: Paul-Ehrlich-Institut verleiht Wissenschaftspreis an Nachwuchsforscher

Der erste Platz in Nachwuchsforschung ging an Dr. Anett Pfeiffer und Dr. Frederic Thalheimer für ihre Forschung zu antitumoralen Immunzellen. Er ist mit 1000 Euro dotiert.

Anti-Tumorzellen, ein HIV-Hemmstoff und ein Impfstoff gegen das Zika-Virus – fünf junge Wissenschaftler haben zu diesen Themen geforscht und wurden dafür nun mit dem Langener Nachwuchswissenschaftspreis ausgezeichnet. Den Preis vergeben das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Verein zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises zum achten Mal an Wissenschaftler, die ihre Forschungsarbeiten als Erstautoren in Fachzeitschriften veröffentlicht haben. „Die Arbeiten der diesjährigen Preisträger liefern exzellente Ideen für die Entwicklung und Prüfung biomedizinischer Arzneimittel“, sagt PEI-Präsident Klaus Cichutek.

Urkunden überreicht

Die internationale Forschung am PEI in Langen stehe in direktem Zusammenhang mit den Aufgaben als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. „Die Komplexität der Arzneimittel in unserer Verantwortung setzt aktuelles wissenschaftliches Know-how voraus, das wir durch eigene Grundlagenforschung sicherstellen“, so Cichutek. Zusammen mit Bürgermeister Frieder Gebhardt überreichte er den Wissenschaftlern Urkunden für die dotierten Preise, die die Sparkasse Langen-Seligenstadt finanziert. „Wir freuen uns, junge und talentierte Wissenschaftler zu fördern“, so Frieder Gebhardt.

Den ersten Preis, der mit 1000 Euro dotiert ist, teilen sich Dr. Anett Pfeiffer (29) und Dr. Frederic Thalheimer (35) für ihre Forschung zu antitumoralen Immunzellen in vivo, also am lebenden Objekt. Pfeiffer und Thalheimer haben in Mäusen sogenannte CAR-T-Zellen erzeugt. Das sind Immunzellen (T-Zellen) des Körpers, die mit einem künstlichen Antigenrezeptor (CAR) versehen werden. Seit August 2018 sind zwei CAR-T-Zelltherapeutika zur Behandlung bestimmter, bisher kaum zu behandelnder Leukämieformen beim Menschen zugelassen.

Dabei werden den Patienten bislang in einem sehr aufwendigen Verfahren eigene T-Immunzellen entnommen, außerhalb des Körpers verändert, vermehrt und wieder eingesetzt. Das von Pfeiffer, Thalheimer und ihren Kollegen entwickelte Verfahren – bei dem die Immunzellen direkt im Körper erzeugt werden – könnte die Behandlung zukünftig enorm vereinfachen.

Den zweiten Preis (mit 600 Euro dotiert) erhält die 31-jährige Dr. Kerstin Schott. Sie hat die Steuerung eines zelleigenen Hemmstoffs von HIV erforscht und publiziert. Schott und ihre Kollegen haben sich mit dem Restriktionsfaktor SAMHD1 befasst.

Fehlbildungen bei Föten

Restriktionsfaktoren hemmen in Körperzellen die Virusinfektion und -vermehrung. SAMHD1 kann aber noch mehr: Es ist auch an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Krebs beteiligt. Die Preisträgerin fand heraus, dass die SAMHD1-Aktivität in der Zelle über das Abhängen von Phosphatgruppen gesteuert wird.

Der dritte, mit 400 Euro dotierte Preis geht an Dr. Cindy Nürnberger (33) und Bianca Bodmer (28), die einen experimentellen Zika-Impfstoff hergestellt haben. Zikavirus-Infektionen kommen in mehr als 80 Ländern vor und haben sich von 2015 bis 2017 in Mittel- und Südamerika ausgebreitet. Gefürchtet ist die Infektion bei Schwangeren, weil sie bei den Föten Fehlbildungen des Gehirns hervorrufen kann. Die Babys haben oft einen ungewöhnlich kleinen Kopf. Die Forscherinnen Nürnberger und Bodmer entwickelten mit Kollegen aus dem PEI sowie Forschern des Heinrich-Pette-Instituts einen experimentellen, vom Masernimpfvirus abgeleiteten Vektor-Impfstoff gegen das Zika-Virus. Trächtige Mäuse und ihre Nachkommen konnten sie mit dem Impfstoff schon vor der Infektion schützen.

(jrd)

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