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Weiter Stillstand: Nachdem dem Betreiber vonseiten des Kreises Offenbach gekündigt wurde, ist ungewiss, wann die Fähre wieder ablegt.

Kein Ende in Sicht

Nächster Akt im Fährendrama in Mühlheim

Das, was einige befürchtet hatten, ist nun eingetreten. Der Vorhang für den nächsten Akt im Fährendrama ist geöffnet.

Mühlheim – Der Kreis Offenbach hat den Vertrag mit Fährenbetreiber Mahir Kolbüken* auf Geheiß des Kreisausschusses am Montag, wie berichtet, außerordentlich und mit sofortiger Wirkung gekündigt. Im Anschluss an die Kreisausschusssitzung wurde Kolbüken die fristlose Kündigung zugestellt. Gegen diese Entscheidung steht ihm der Rechtsweg offen. Den will er auch gehen, bestätigt Kolbüken auf Nachfrage. Er trete den „unzutreffenden Behauptungen“ des Kreises Offenbach entgegen und halte an dem mit ihm abgeschlossenen Vertrag fest.

Für den Kreis hingegen scheint das Kapitel Kolbücken geschlossen. Denn nun soll eine erneute deutschlandweite Ausschreibung erfolgen. Wie zäh und schwierig das wiederum werden kann, hat die letzte Ausschreibung dem Kreis vor Augen geführt. Dass man in Mahir Kolbüken einem Greenhorn im Fährbetrieb die Aufgabe übertragen hat, lag auch an den mangelnden Alternativen. Wer möchte sich das auch noch antun, nachdem die Fährenposse schon hohe Wellen geschlagen hat, die weit über die Kreise Offenbach und Main-Kinzig hinausgeschwappt sind?

Fähre Mühlheim: Eine kuriose Geschichte

Petra Schneider von der Bürgerinitiative Fähre ist da gar nicht skeptisch: „Ich glaube, da lässt sich schnell ein neuer Betreiber finden, die Braut ist ja jetzt sexy.“ Schneider betont: „Die Fähre ist repariert und sieht gut aus.“ Und sie verweist auch darauf, dass die Städte Mühlheim und Maintal sowie die beiden Landkreise ja bereits ihr OK gegeben haben. Als Kolbüken die Fähre übernommen habe, „waren die Voraussetzungen ganz anders, jetzt sind die Hausaufgaben gemacht“.

Auch der Kreis Offenbach zeigt sich zuversichtlich, „dass eine neue Ausschreibung zeitnah erfolgen kann und hat Gespräche mit den beteiligten Kommunen Mühlheim und Maintal sowie dem Main-Kinzig-Kreis aufgenommen“. Zunächst sollen bei der Ausschreibung „im Wesentlichen die gleichen Rahmenbedingungen wie bei der letzten Vergabe gelten“. Jedoch schränkt der Kreis – wohlwissend um die schwierige Lage auf dem Fährschiffer-Arbeitsmarkt – ein, dass er sich von Experten zur aktuellen Marktlage beraten lassen und die Bedingungen gegebenenfalls optimieren wolle.

Warum gab es in Mühlheim gleich am ersten Tag ein Fährendrama?

Als „kuriose Geschichte“ bezeichnet Günther Weber, Schifffahrtssachbearbeiter beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg, das Fährendrama. Er weiß auch, dass Binnenschiffer sehr rar seien, betont aber gleichzeitig: „Der Bedarf ist da.“ Es gebe Fähren, die weitaus weniger ausgelastet sind.

Natürlich gilt es die Frage zu klären, warum es überhaupt dazu gekommen ist, dass Betreiber Kolbüken gleich am ersten Tag – also am 8. Juli, als die Havarie geschah – die Fähre von einem Mitarbeiter ohne entsprechende gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation führen ließ. Gerade, wenn dadurch, wie der Kreis nach seinen Ermittlungen resümiert, eine ganz erhebliche Gefährdung des Schiffsverkehrs sowie seiner Mitarbeiter und Passagiere in Kauf genommen wurde.

Fähre in Mühlheim: Kreis Offenbach nimmt Stellung

In der Stellungnahme des Kreises heißt es dazu: „Bis zum Zeitpunkt der Havarie gab es für den Kreis keinen Anlass, an der Richtigkeit von Mahir Kolbükens Angaben zu zweifeln.“ Bereits im Vorfeld der Aufnahme sei es durch Vermittlung des Kreises zur Kontaktaufnahme zu den notwendigen Fachleuten und Ämtern gekommen, darunter das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, der Fährverband und benachbarte Fährbetriebe.

Zu keinem Zeitpunkt habe Kolbüken anschließend dem Kreis gegenüber erkennen lassen, dass er nicht über das notwendige Personal verfügt, um die Fährverbindung ordnungs- und vertragsgemäß betreiben zu können. Der Kreis sei zwar Eigentümer des Schiffs, „aber weder Überwachungs- noch Zulassungsbehörde des Fährbetriebs. Dementsprechend war es ihm auch nicht möglich, die Fahrerlaubnisse der Beschäftigten vor Inbetriebnahme selbst zu überprüfen“.

Entsetzt über die Entwicklung bei der Fähre in Mühlheim

In seiner Stellungnahme vergleicht der Kreis die Situation mit einer Stadt, die ihre Busverbindungen ausschreibt. „Sie schließt einen Vertrag mit einem Unternehmen, das sich darin unter anderem verpflichtet, nur entsprechend qualifiziertes Personal einzusetzen. Die Stadt lässt sich aber nicht zusätzlich von jedem einzelnen, beim Vertragspartner beschäftigten Fahrer auch noch Führerschein und Beförderungserlaubnis vorlegen.“

Waltraud Kaiser, ebenfalls Sprecherin der Bürgerinitiative, ist entsetzt über die Entwicklung. Sie kritisiert, wie mit dem Fährbetreiber vonseiten des Kreises umgegangen worden sei. Das lange Hinhalten sei in ihren Augen unmenschlich: „Es ist furchtbar, wie man den Mann behandelt hat.“ Vielleicht habe Kolbüken verkehrt gehandelt – das könne sie fachlich nicht beurteilen und es stehen ja Aussage gegen Aussage –, „aber man muss mit dem Mann doch mal reden“. Es gebe immer Mittel und Wege. Zudem kritisiert sie das Verhalten des Bootsführers, der am Tag der Havarie die Fähre verlassen hat. „Der lässt sie alle sitzen, da muss ich doch helfen“, sagt Kaiser. 

Keine Reaktion bislang erfolgt

Auch sei sie enttäuscht über die Informationspolitik des Kreises, nicht nur dem Betreiber gegenüber, sondern auch den Bürgern. Auf den offenen Brief der Bürgerinitiative etwa haben nur das WSA und die Wasserschutzpolizei geantwortet, vom Kreis Offenbach sei nichts gekommen, sagt Kaiser. Nun habe die Bürgerinitiative noch einmal bei Landrat Oliver Quilling um ein Gespräch gebeten, wie er sich die Zukunft der Fähre vorstelle. Auch da sei bislang keine Reaktion erfolgt.

Bürgermeister Daniel Tybussek kommentiert die aktuelle Situation: „Unsere Stadt ist zum Thema Fährverbindung in einem engen und vertrauensvollen Austausch mit dem Kreis Offenbach. Wir bedauern die Kündigung des Kreises und den aktuellen Stillstand der Fährverbindung, es liegen jedoch nachvollziehbare Gründe dafür vor.“ Weiter begrüße er umso mehr die Ankündigung des Kreises, eine erneute Ausschreibung vorzunehmen. „Dies unterstreicht das fortlaufende Interesse an der Wiederaufnahme der Fährverbindung. Die Bedeutung der Fährverbindung und die Beschlusslage unserer Stadt sind durch die aktuelle Entwicklung unverändert.“

Die Fähre selbst könnte nach der Havarie zwischen Maintal und Mühlheim* wieder ablegen, darf aber nicht. Wann dies wieder der Fall ist, steht in den Sternen.

Von Ronny Paul

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